Immer wieder gibt es Studien, denen zufolge Hersteller von Elektrogeräten falsche Angaben beim Stromverbrauch machen. Das bedeutet, dass die Geräte durchaus mehr Strom verbrauchen als angegeben. Doch schummeln Firmen hier im großen Stil oder gibt es nur einige wenige schwarze Schafe, die ihre Kunden betrügen?

Wer beim Kaufen von Autos oder Elektrogeräten einen Blick auf die Verbrauchsangaben wirft, liest dort nicht unbedingt die Wahrheit. Denn manche Hersteller geben auf den Energielabels deutlich weniger an, als dass die Geräte tatsächlich verbrauchen. Manche Neuwagen schlucken laut einer Studie des International Council on Clean Transportation (ICCT) 42 Prozent mehr Benzin als angegeben. Auch Fernseher benötigen unter Umständen im Normalbetrieb 47 Prozent mehr Strom als auf den bunten Labels ausgewiesen, erklärt etwa Stephane Arditi, Law Expert beim European Environmental Bureau, kurz: EEB

Alte Standards und intelligente Geräte

Doch woran liegt das, dass Hersteller so schummeln können? Laut einer Studie, an der Arditi mitgearbeitet hat, sind veraltete Teststandards daran schuld. Diese haben teilweise zehn Jahre auf dem Buckel, was bei Elektrogeräten, die in manchen Bereichen bereits innerhalb weniger Monate enorme Entwicklungen hinlegen, eine Ewigkeit ist.

Als gutes Beispiel dienen hier Fernsehgeräte, die in den vergangenen Jahren einen deutlichen Entwicklungsschritt vorbei an den bisherigen Teststandards gemacht haben: Die Auflösung des Videomaterials ist heutzutage dank UltraHD deutlich höher als bei HD. Dazu kommt, dass TV-Geräte einen Internet-Anschluss bekommen und teilweise nach einem Update deutlich mehr Strom verbrauchen als zuvor.

Es gibt sogar Vermutungen, dass einige intelligente Fernseher sogar Testsituationen erkennen können - was für Tester und Verbraucher zu undurchsichtigen Messergebnissen führt. "Je intelligenter ein Produkt, desto eher kann es auf Prüfsituationen reagieren", erklärt Floris Akkerman vom Bundesamt für Materialforschung gegenüber dem Bayerischen Rundfunk. Gerade TV-Geräte erhalten immer mehr Intelligenz und könnten dann den Energieverbrauch herunterschrauben, wenn sie sich in einer Prüfungssituation befinden.

Betrug im großen Stil oder Einzelfälle?

Doch wie weit ist der Betrug bei den Angaben verbreitet und muss man damit rechnen, dass womöglich alle Angaben der Hersteller gefälscht sind? "Die Einschätzungen von Verbrauchern hinsichtlich falscher Produktangaben bestätigen sich nicht generell", entwarnt Jürgen Ripperger vom Verband Deutscher Elektrotechniker (VDE) gegenüber unserer Redaktion. Der VDE überprüft die Angaben der Firmen mit sehr aufwändigen Verfahren. "Viele Informationen zu falschen Angaben im Internet haben sich bei regulär durchgeführten Überprüfungen und Nachmessungen allerdings oft als nicht zutreffend erwiesen", führt Rippender weiter aus. Dennoch mahnt der Experte des VDE: "Generell müssen sich Verbraucher auf die Angaben der Hersteller verlassen können. Schließlich ist das Energielabel auf dem Elektrogerät ein wichtiges Kaufargument."

Den Betrügern auf die Schliche zu kommen ist aber gar nicht so einfach. Der Nachweis zur Einhaltung der Energieeffizienz eines Geräts ist aufgrund der komplexen Messverfahren unter den nach EU-Regeln definierten Bedingungen eigentlich nur in einem entsprechend dafür zugelassenen Prüflabor möglich. Besteht ein Verdacht der Fälschung, lassen Aufsichtsbehörden Produkte in dafür zugelassenen Prüflaboren überprüfen. Kommt heraus, dass es sich um falsche Angaben handelt, droht dem Hersteller eine Strafe: "Nach unserer Kenntnis werden bei Nichteinhaltung gesetzliche Schritte gegen den Hersteller oder den Inverkehrbringer eingeleitet", versichert Ripperger.

Für Laien ist es schwer, einen Betrugsfall aufzudecken, dennoch sollten sich Verbraucher in Fällen einer möglichen Täuschung vertrauensvoll an die Verbraucherzentralen oder die zuständigen Aufsichtsbehörden wenden.

Reparieren oder Neukauf?

Auch wenn laut dem VDE nicht im großen Stil falsche Angaben zum Stromverbrauch im Umlauf sind, stellt sich die Frage: Lohnt sich das Reparieren alter Geräte mehr als der Neukauf, wenn alte Modelle unter Umständen weniger Strom verbrauchen? Ein Frage, die man nicht pauschal beantworten kann, erklärt Ripperger: "Eine Reparatur sollte demnach immer unter ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten erfolgen."

Laut der Stiftung Warentest lohnt es sich beispielsweise bei Staubsaugern besonders, den Schraubenzieher herauszuholen. Die Reparatur ist hier in der Regel einfach und auch für Unerfahrene machbar. Auch bei Waschmaschinen kann man versuchen, selbst auf Fehlerfindung zu gehen, Foren oder Portale im Netz helfen oft bei der Ursachenforschung.

Ist die Waschmaschine nur vom Fachmann zu reparieren, gibt es eine Faustregel: Ist die Maschine junger als fünf Jahre, können Sie noch die Hälfte des Anschaffungspreis für eine Reparatur investieren, nach zehn Jahren sollte es nicht mehr als ein Fünftel sein. Ansonsten kommen Sie wohl nicht um eine Neuanschaffung herum - in der Hoffnung, dass die Angaben des Stromverbrauchs bei der neuen Maschine stimmen.

Rund 25 Prozent des Energieverbrauchs in Deutschland werden im Bereich Wohnen beansprucht. Kennt man erst einmal alle Verbrauchsquellen, lassen sich meist unkompliziert allzu hohe Kosten senken.