Ein Doktortitel verspricht Ansehen und damit Vorteile auf dem Arbeitsmarkt. Doch nicht jeder Titel darf in Deutschland geführt werden. So ist das Führen eines gekauften Titels in der Bundesrepublik nach Paragraph 132a des Strafgesetzbuches verboten. Aber wie steht es grundsätzlich mit dem Tragen eines Titels? Wann ist es erlaubt und wann nicht?

"Ein Klient fragte mich mal: Darf ich einen Doktortitel tragen, den mir meine Freunde geschenkt haben", berichtet Rechtsanwalt Dr. Rutger von der Horst, Experte für Medienrecht. "Das geht natürlich nicht." Einen akademischen Titel dürfe grundsätzlich nur jemand tragen, der dafür auch eine akademische Leistung erbracht habe. Das gelte auch für Ehrendoktortitel. Diese werden nur dann vergeben, wenn der Betreffende eine Leistung erbracht oder andere Verdienste erworben habe, die der verleihenden Universität zugute gekommen sind.

"Wenn die Titel verleihende Institution besonders hohe Gebühren oder Spenden - etwa 10.000 oder 30.000 Euro - verlangt, deutet das auf einen Titelkauf", so der Rechtsanwalt. "So ein gekaufter Doktortitel ist nicht das Papier wert ist, auf dem er steht. Wer ihn führt, macht sich strafbar und kann mit einer Geld- und sogar einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr belegt werden."

Und wer führt einen Titel? "Derjenige, der einen Titel aktiv gegenüber seiner Umwelt in Anspruch nimmt, indem er ihn zum Beispiel auf Visitenkarten druckt", berichtet der Experte für Medienrecht. Wer aber fälschlicherweise "gedoktert" werde, brauche nicht ständig "nein, nein" zu rufen.

Und welche Titel dürfen getragen werden? "2000 hat die Kultusministerkonferenz die Bestimmungen über das Führen akademischer Titel geändert, die im Ausland erworben worden sind. Seitdem ist es nicht mehr notwendig und in der Regel auch nicht möglich, in jedem Einzelfall ein Genehmigungsverfahren zur Anerkennung des Titels zu beantragen.

Jetzt darf jeder denjenigen Titel führen, der ihm in der jeweiligen Landessprache von einer anerkannten Hochschule unter regulären Bedingungen verliehen worden ist", berichtet Dr. Peter Oberschelp, Leiter der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) beim Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister (KMK).

"Diese Liberalisierung hat aber nicht nur positive Seiten. Denn früher war mit dem Genehmigungsverfahren auch eine Eindeutschung des Titels verbunden, sofern der ausländische Abschluss als gleichwertig angesehen wurde." Hatte früher jemand in Russland etwa ein Ingenieurstudium absolviert, konnte er sich nach dem Genehmigungsverfahren Diplom-Ingenieur nennen. Heute ist das nicht mehr möglich.

"Grundsätzlich gilt: Ein ausländischer akademischer Grad kann dann geführt werden, wenn der Betreffende tatsächlich ein Studium absolviert und ein nach dem Recht des Herkunftslandes anerkannten Hochschulabschluss erworben hat", berichtet Rechtsanwalt Dr. Rutger von der Horst. Akademische Grade, die etwa in Mitgliedstaaten der Europäischen Union oder des Europäischen Wirtschaftsraums verliehen wurden, dürfen ohne Angabe der verleihenden Hochschule geführt werden. Titel aus anderen Ländern müssen jedoch mit dieser Angabe versehen werden.

Wer wissen will, ob eine bestimmte ausländische Hochschule im Ausland staatlich anerkannt ist, sollte auf www.anabin.de recherchieren, der Internetseite der ZAB, oder, wenn er dort nicht fündig wird, sich direkt an die ZAB wenden. "Häufig kümmert sich im Ausland der Staat wenig um privatwirtschaftliche Hochschulen und dort verliehene akademische Grade. Vor diesem Hintergrund funktionieren dann auch einige so genannte Titelmühlen", so Oberschelp.

Und wie sieht es aus, wenn ein Akademiker seinen deutschen Titel im Ausland führen möchte? Oberschelp: "In anderen Ländern sind akademische Grade oft nicht ein geschütztes Rechtsgut wie in Deutschland. Deshalb können häufig deutsche Titel im Ausland geführt werden." Allerdings heiße das noch lange nicht, dass im Ausland auch die deutsche Ausbildung anerkannt werde.