Die Riester-Rente sollte den Deutschen den Lebensabend finanziell absichern, doch die private Vorsorge steckt in der Krise. Wir haben mit dem Experten Hermann-Josef Tenhagen darüber gesprochen, was Anleger beachten müssen.

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Es herrscht ein Abwärtstrend beim Riestern: Während es im Jahr 2010 noch eine Million neue Abschlüsse gab, waren es 2017 nur noch 23.000 frisch abgeschlossene Verträge. Ein Zeichen dafür, dass die Riester-Rente in der Krise steckt?

Ein Faktor ist sicherlich das niedrige Zinsniveau - und die damit verbundene geringere Rendite, die das Riestern unattraktiver macht.

Doch steht es wirklich so schlecht um die Rentenform? Für wen lohnt es sich, die Vorsorge zu kündigen? Und wenn, wann ist der beste Zeitpunkt? Wir haben mit Hermann-Josef Tenhagen gesprochen, Wirtschaftsjournalist und Chefredakteur des gemeinnützigen Verbraucher ratgebers "Finanztip".

Herr Tenhagen, was ist derzeit das größte Problem bei der Riester-Rente?

Hermann-Josef Tenhagen: Riester hat zwei große Probleme. Das eine sind die niedrigen Zinsen, die vor allem die Riester-Versicherungsprodukte weniger lukrativ machen, als den Kunden mal versprochen wurde.

Und das zweite ist das schlechte Image, weil ein guter Teil der Riester-Anbieter mehr das eigene Portemonnaie als die Altersvorsorge der Kunden im Auge hatte.

Gute Riesterverträge bringen hingegen Renditen, die oft 10.000 Euro oder mehr über den schlechteren Verträgen liegen.

Für wen lohnt sich das Aussteigen aus der Riester-Rente, wer sollte lieber noch abwarten?

Aussteigen im Sinne von kündigen sollte man eher nicht. Schließlich muss der Anbieter seine Garantie erfüllen - also zur Rente mindestens auszahlen, was eingezahlt wurde und was als Förderung einging.

Man kann schlechte Verträge beitragsfrei stellen und dann ab dann einen neuen, besseren Vertrag abschließen: Das ist deutlich sinnvoller als kündigen.

Alte, vor 2008 abgeschlossene Versicherungsverträge sollte man besonders genau ansehen. Denn damals waren die Garantien höher.

Wann ist der beste Zeitpunkt, etwas zu unternehmen?

Man sollte immer dann einschreiten, wenn man erkannt hat, dass der alte Vertrag wirklich schlecht ist und man eine andere zusätzliche Altersvorsorge gefunden hat.

Denn für viele gilt: Ohne zusätzliche Vorsorge droht Armut im Alter.

Wie hoch stehen Ihrer Meinung nach die Chancen auf eine Reform?

Hoch! Zum einen, weil die Kosten immer noch ein Problem sind und gedeckelt werden müssen. Und zum anderen, weil ein guter Ruhestand ohne zusätzliche Altersvorsorge derzeit kaum denkbar ist.

Deshalb müssen neue Verträge her, die weniger teuer sind und Mindeststandards erfüllen.

Was sind potentielle Alternativen zur Riester-Rente?

Falls möglich: der Abschluss einer Betriebsrente. Die ist aber meist nur günstiger, wenn auch der Chef ordentlich etwas hinzu zahlt.

Fragen Sie ihren Chef, die Personalstelle und den Betriebsrat, soweit vorhanden. Sie haben schließlich einen Rechtsanspruch auf einen Betriebsrentenvertrag.

Hermann-Josef Tenhagen ist Wirtschaftsjournalist. Seit Oktober 2014 leitet er als Chefredakteur das gemeinnützige Verbrauchermagazin "Finanztip".
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