Immer mehr Mogelpackungen in deutschen Supermärkten: Im ersten Halbjahr 2018 hat die Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH) so viele versteckte Preiserhöhungen registriert wie schon lange nicht mehr. Fast immer handelt es sich bei den Produkten um Marken von bekannten Herstellern.

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Häufig reduzieren Lebensmittelhersteller die Füllmenge ihrer Produkte, ohne den Preis anzupassen oder den geringeren Inhalt für Verbraucher kenntlich zu machen. Solche versteckten Preiserhöhungen legt die Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH) in ihrer Rubrik "Mogelpackungen" offen.

Im ersten Halbjahr 2018 wurden laut einer Pressemitteilung im Vergleich zu den letzten sieben Jahren 51 Prozent mehr dieser Mogelpackungen von der VZHH registriert. Dazu zählen auch Produkte, bei denen der Fett- oder Zuckergehalt reduziert wurde.

Produkte um durchschnittlich 20 Prozent teurer geworden

Demnach veröffentlichten die Verbraucherschützer in den ersten sechs Monaten dieses Jahres insgesamt 31 Lebensmittel, bei denen die Füllmenge reduziert und damit der Preis versteckt erhöht wurde. Laut Armin Valet von der VZHH sei dies der höchste ermittelte Wert, seit dem die Mogelpackungsliste geführt werde. Im Jahr 2005 begannen die Verbraucherschützer damit.

Anzahl der Mogelpackungen nach Jahr.

Die Anzahl der betroffenen Produkte fällt dabei eigentlich noch deutlich höher aus, da die Verbraucherschützer nicht die verschiedenen Sorten einer Produktmarke extra zählen.

Außerdem beschränkt sich diese Bilanz nur auf Lebensmittel. Elf weitere Produkte, meistens Drogerieartikel, wurden außerdem von der VZHH aufgelistet.

Jedes aufgeführte Produkt ist in den letzten sechs Monaten durchschnittlich um 20 Prozent teurer geworden. Vor allem bekannte Hersteller finden sich in der Liste wieder.

Das letzte Unternehmen, das die VZHH zur Mogelpackung des Monats gekürt hat, war beispielsweise Nestlé. Sowohl die "Smarties Riesenrolle" als auch die Rolo-Schokolade im 4er-Pack beinhaltet weniger zum gleichen Preis.

Betroffen waren in den letzten Monaten auch die Deutsche Milchkontor GmbH, die seit März bei einigen Sorten der Marke Milram den Käse reduziert hat. Seit 2016 macht auch "The Lorenz Bahlsen Snack-World" meistens im Frühjahr ein bekanntes Produkt teurer. Crunchips und Erdnuss Flips traf es unter anderem in den letzten Jahren.

Höherer Preis für weniger Zucker oder Fett

Doch nicht immer ist eine Füllmengenreduzierung der Grund für eine versteckte Preiserhöhung. Häufig verändern die Hersteller auch einfach die Rezeptur, sodass Verbraucher für weniger Zucker oder Fett tiefer in die Tasche greifen müssen.

Bei der Knorr "Pommes Sauce" von Unilever wurde beispielsweise der Fettgehalt reduziert, dafür verlangt das Unternehmen über zehn Prozent mehr. "Fruitilicious" von Haribo beinhaltet laut dem Hersteller 30 Prozent weniger Zucker, das Produkt kostet allerdings etwa 25 Prozent mehr als die herkömmlichen Fruchtgummis der Marke.

"Es darf nicht sein, dass Anbieter Lebensmittel pauschal teurer machen, wenn diese weniger süß oder weniger fettig sind", so Valet. Die VZHH fordert deswegen eine Plattform, auf der Unternehmen solche versteckten Preiserhöhungen transparent machen müssen.

Die hohe Zahl der Beschwerden, die jeden Tag bei den Verbraucherschützern eingehen, zeigt: Es muss sich etwas ändern.

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