Die Bundesbank warnt: Wohnungen in deutschen Großstädten sind überteuert. Das kann ich bestätigen. Seit zwei Monaten suche ich eine Wohnung in München und muss feststellen: Mietraum ist nicht nur teuer - unverschämt teuer - sondern ihn zu finden, auch fast ein Ding der Unmöglichkeit. Das ist mein Erlebnisbericht.

Auf dem Papier bin ich die perfekte Mieterin. Ich habe eine unbefristete Festanstellung, bin ledig und habe keine Haustiere. Ich suche eine halbwegs zentral gelegene 1- bis 2-Zimmer-Wohnung, die ich langfristig bewohnen kann. Dafür bin ich bereit 800 Euro Warmmiete zu bezahlen.

Ja, 800 Euro. Das ist in München nicht einmal besonders viel. Teilweise bezahlt man bereits für 35 Quadratmeter diese Summe. Bei jeder Neuvermietung schlagen die Besitzer noch ein bisschen mehr drauf. Das ist frustrierend, aber damit könnte man sich noch abfinden – wenn man denn überhaupt eine Wohnung finden würde.

Der Wahnsinn bei Besichtigungen

Denn bei Besichtigungsterminen lauert der Wahnsinn. Außer natürlich man mag Massenbesichtigungen, dann hat man ziemlich viel Spaß. Zu fast jeder Besichtigung kommen zwischen 15 und 30 Leute. Manchmal sind es auch 50. Gleichzeitig. Viele Makler, die von den Vermietern beauftragt werden, wollen ihren Aufwand möglichst gering halten. Daher laden sie alle Mietinteressenten auf einmal ein. Bei 40-Quadratmeter-Wohnungen ist das besonders lustig. Ein guter Blick auf die angebotene Wohnung ist kaum möglich, wenn man nur darauf bedacht ist, anderen Menschen nicht auf die Füße zu steigen.

Für diese Leistung sollen potenzielle Mieter dann auch Provision an den Makler zahlen. Denn immerhin hat der ja die Türe aufgesperrt und Selbstauskünfte verteilt. 2,38 Kaltmieten beträgt der normale Satz. Der Makler wird im Normalfall von den Eigentümern beauftragt. Nur sie bezahlen ihn nicht. Klingt komisch, ist es auch. Aber damit muss sich abfinden, wer in der "nördlichsten Stadt Italiens" wohnen will.

Wer eine Eigentumswohnung in München besitzt, ist ohnehin fein raus. Der- oder diejenige kann sich nämlich fast alles erlauben. Ich habe schon erlebt, dass mir Wohnungen abgesagt wurden, weil ich kein eigenes Auto besitze – obwohl ich den Garagenplatz ohne weiteres mitgemietet hätte. Oder auch weil ich nicht einverstanden war, die Kaution und eine Maklergebühr für einen Makler, den ich nie gesehen hatte, bar vier Wochen vor Schlüsselübergabe an die Eigentümerin zu übergeben. Als ich vorschlug, die Kaution erst am Tag des Einzugs zu übergeben, wurde mir noch viel Glück bei der Wohnungssuche gewünscht.

Ich bin auch auf Makler gestoßen, die "schöne" Wohnungen anpreisen, nur um dann 30 Menschen durch ein heruntergewirtschaftetes Loch zu führen. Später stellte sich heraus, dass es vorab wohl eine Zwangsräumung gegeben haben muss. Obwohl die Küche wirklich sperrmüllreif war, hätte der neue Mieter für die Schränke sogar Ablöse zahlen sollen.

In einer anderen Wohnung lehnte vor der schimmligen Wand - völlig zufällig natürlich - ein Karton, der den Makel perfekt verdeckte. Den meisten Interessenten wird das kaum aufgefallen sein. Wie auch, mit 20 anderen Menschen in einer 40-Quadratmeter Wohnung!

Man muss sich nackig machen

Natürlich wäre es falsch, alle Makler und Wohnungseigentümer über einen Kamm zu scheren. Es gibt auch professionelle, nette und höfliche Makler, die Einzelbesichtigungstermine durchführen und alle Fragen geduldig beantworten.

Nackig machen muss man sich jedoch auch vor ihnen. Nicht buchstäblich natürlich. Datentechnisch allerdings schon. Ich will gar nicht darüber nachdenken, wie viele Makler, Vermieter und sonstige Menschen in München inzwischen wissen, wo ich arbeite, wo ich wohne, wer mein derzeitiger Vermieter ist, wie viel ich verdiene und ob ich ein Musikinstrument spiele.

Selbstverständlich erhält man nach Absagen seine Unterlagen nie zurück.

In den vergangenen Wochen habe ich 25 Wohnungen besichtigt. Noch bin ich nicht fündig geworden. Aber immerhin weiß ich, dass es nicht nur mir so geht.