Unendliche Sehnsucht, Herzschmerz, Tränen und zerknüllte Taschentücher: Liebeskummer ist schrecklich. Möglicherweise sogar lebensgefährlich. Denn eine Studie der Universitäts-Medizin Lübeck zeigt jetzt auf: Gebrochene Herzen können zu einem Schlaganfall führen.

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Das Herz schmerzt. Liebeskummer ist nicht nur für die Seele Stress, auch der Körper leidet. Menschen, die starken Liebeskummer haben, können das Broken-Heart-Syndrom erleiden. Die sogenannte Stress-Kardiomypathie ist eine akute Funktionsstörung des Herzmuskels.

Die Symptome ähneln einem Herzinfarkt, das Herz schmerzt, man bekommt schlecht Luft – aufgrund des seelischen Schmerzes. Mediziner gehen davon aus, dass die psychische Belastung durch eine Trennung oder einen Todesfall zur erhöhten Bildung von Stresshormonen wie Adrenalin oder Noradrenalin führt.

Diese lösen dann Symptome am Herzen aus, die einem Herzinfarkt ähneln. Zwei Prozent aller Herzinfarkt-Verdachtsfälle sind auf das Broken-Heart-Syndrom zurückzuführen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Wer die Akutphase übersteht, kann erstmal aufatmen: Anders als bei einem Herzinfarkt erholen sich die meisten Menschen mit Broken-Heart-Syndrom sehr schnell. Nach einigen Wochen funktioniert das Herz wieder komplett normal – der Liebeskummer schwindet.

Gebrochenes Herz erhöht Schlaganfallrisiko?

Die Studie der Universitäts-Medizin Lübeck fand heraus: Patienten mit einer Stress-Kardiomyopathie erleiden innerhalb von fünf Jahren nach ihrem Herzschmerz deutlich häufiger einen Schlaganfall als Herzinfarkt-Patienten.

"Wir haben herausgefunden, dass Patienten mit einem Broken-Heart-Syndrom häufig Blutgerinnsel im Herzen bilden", sagt Professor Dr. Ingo Eitel vom Universitätsklinikum Lübeck und Hauptverantwortlicher der Studie.

Über 1.000 Patienten mit jenem Syndrom wurden untersucht. Durch die schlechte Pumpleistung im Herzen während des Syndroms erhöhte sich die Chance auf Blutgerinnsel und demnach auch das Risiko für einen Schlaganfall. "Fünf Prozent unserer Patienten hatten ein Blutgerinnsel."

Die Studie zeigte auf, dass Betroffene eine gleiche hohe Sterblichkeitsrate haben wie Patienten mit einem akuten Herzinfarkt. Die Tendenz zu einem Schlaganfall lag mit 6,5 Prozent deutlich höher als bei Patienten mit einem Herzinfarkt. Hier waren es nur 3,2 Prozent.

Liebeskummer gleich Schlaganfall? Keineswegs! Professor Ingo Eitel gibt Entwarnung: Nur wer das Broken-Heart-Syndrom hat, hat ein erhöhtes Risiko. "Und dieses Syndrom betrifft nur wenige Menschen."

Leichter Herzschmerz reiche hierbei glücklicherweise nicht aus. Das Broken-Heart-Syndrom mache sich schon sehr stark bemerkbar. "Wenn sie unter einer Stress-Kardiomyopathie leiden, haben sie eine Brustenge und Luftnot. Die meisten Patienten kommen dann wegen akuten Verdachts auf Herzinfarkt zu uns." Erst am EKG stelle sich dann heraus, dass Herz pumpe nicht richtig, aber Gefäße sind nicht verstopft.

Einen Schutz vor dem Syndrom gibt es nicht. "Wir alle erleiden im Leben Verluste – manche reagieren auf diesen seelischen Stress mit dem Broken-Heart-Syndrom, andere stecken es besser weg", sagt Dr. Ingo Eitel. Warum dies so sei, ist bislang nicht geklärt.

Viele Menschen kurieren sich nach einer Erkältung oder einer Grippe nicht richtig aus. Das ist extrem gefährlich, da Betroffene eine Herzmuskelentzündung entwickeln können.