Sexuelle Erfahrungen sind bei deutschen 14-Jährigen einer neuen Studie zufolge eine Ausnahme. Insgesamt ist die Gruppe der 14- bis 17-Jährigen nicht früher sexuell aktiv als in den vergangenen Jahren. Das zeigen erster Ergebnisse der Studie "Jugendsexualität 2015".

Mit 17 hat demnach mehr als die Hälfte der Jugendlichen bereits Erfahrung mit Sex. Dabei sind insgesamt betrachtet Mädchen früher aktiv als Jungen. Außerdem machen deutschstämmige Jugendliche in fast allen Altersgruppen früher erste Erfahrungen als Altersgenossen mit ausländischen Wurzeln.

Zahl der Nicht-Verhüter schrumpft

Noch deutlicher und schneller schrumpfte die Zahl der Nicht-Verhüter bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund: Verzichtete in dieser Gruppe 2005 noch rund ein Drittel der Jungen auf Verhütung, so war es nun nur noch ein Zehntel. Bei den Mädchen sank der Anteil von knapp 20 Prozent auf 2 Prozent.

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Aufgeklärt wird in deutschen Haushalten insbesondere von den Eltern. Aber auch in der Schule begegnet fast jeder Jugendliche dem Thema Sex. Gerade für Jungen und für die Kinder muslimischer Eltern, die das Thema zu Hause eher tabuisieren, seien auch Lehrer wichtige Ansprechpartner, heißt es.

Wollen Eltern mit dem Nachwuchs die Themen Sex und Verhütung besprechen, ist Fingerspitzengefühl gefragt. Sie sollten sich nicht aufdrängen - die Jugendlichen aber auch nicht komplett sich selbst überlassen. "Eltern sollten die Jugendlichen sensibel beobachten und aufmerksam sein, wenn die sich verlieben", rät Maria Große Perdekamp.

Heikle Themen mit Augenzwinkern ansprechen

Sie ist Leiterin der Online-Beratung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. Wichtig sei, die Signale der Jugendlichen wahrzunehmen und dann bei einer guten Gelegenheit daran anzuknüpfen. In einer passenden Situation könnten sie die heiklen Themen vielleicht mit einem Augenzwinkern ansprechen.

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"Wichtig ist, dass die Eltern nicht versuchen, dem Nachwuchs die eigene Meinung überzustülpen", sagt Große Perdekamp. Eine gute Möglichkeit ist, die Kinder einfach nach deren Ansicht zu fragen. So fühlen sie sich ernst genommen, und man kann ins Gespräch kommen. Außerdem rät die Expertin Müttern und Vätern, sich nicht zu sehr einzumischen. Sie sollten ihre eigene Haltung überdenken - und überlegen, was gesellschaftlich vermittelt wird.

Es wird viel ausprobiert

Jugendliche haben einer andren Expertin zufolge heutzutage große Freiheiten beim Ausprobieren ihrer Sexualität und nutzen diese auch. Gleichgeschlechtliches Knutschen, Hetero- und Bisexualität - das werde ausprobiert, sagte die Autorin des Aufklärungsbuchs "Make Love", Ann-Marlene Henning.

Verschiedene sexuelle Identitäten würden in der Schule thematisiert, auch privat begegneten Jugendlichen nicht mehr nur Heterosexuelle. "Damit spielen sie. Sie legen sich nicht fest."

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Für die BZgA-Studie wurden vor allem 14- bis 17-Jährige sowie deren Eltern befragt. Erstmals einbezogen wurden junge Erwachsene zwischen 18 und 25. Mit insgesamt 5.750 Interviews ist die Studie den Angaben zufolge repräsentativ für beide Altersgruppen. Vorgestellt werden auch Erkenntnisse über Jugendliche mit Migrationshintergrund.

Daten und Fakten zur Jugendsexualität

Geschichten über Teenie-Mütter, ungeschützten Sex und heimlichen Porno-Konsum machen Eltern Angst. Das sagen die Zahlen:

Junge Mütter: Die Zahl minderjähriger Mütter ist nach Daten des Statistischen Bundesamts seit Jahren rückläufig: Hatten 2010 noch knapp 4.600 Kinder eine Mutter unter 18 Jahren, waren es 2013 nur noch rund 4.110 - bei insgesamt steigender Zahl der Geburten.

HIV: Bei Menschen zwischen 15 und 19 Jahren wird seltener als bei älteren eine HIV-Neudiagnose gestellt, wie aus Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) zum Jahr 2014 hervorgeht. Der Gebrauch von Kondomen lässt laut Bundeszentrale für gesundheitlicher Aufklärung (BZgA) trotz zunehmender hormoneller Verhütung nicht nach.

Porno: Zwischen 60 und 80 Prozent der Jugendlichen ab 13 Jahren haben der EU-Initiative Klicksafe zufolge Erfahrungen mit Pornos gemacht - davon gucken aber die wenigsten regelmäßig. Konsumiert werde bei Jungs eher in Gruppen, bei Mädchen mit dem Partner.© dpa