• Die verfügbaren Impfstoffe gegen das Coronavirus haben eine hohe Wirksamkeit.
  • Der Grippeschutz erreicht dagegen selten mehr als eine Wirksamkeit von 60 Prozent - manchmal deutlich weniger.
  • Woran liegt das? Und woher weiß man, wie wirksam ein Impfstoff wirklich ist? Die wichtigsten Fragen dazu im Überblick.

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Bei der Impfkampagne in der Corona-Pandemie geht es zunächst vor allem darum, schwere Erkrankungen, Krankenhauseinweisungen und Todesfälle zu verhindern.

Das gelinge mit allen bisher in Deutschland zugelassenen Vakzinen, betont der Erlanger Infektionsimmunologe Christian Bogdan als Mitglied der Ständigen Impfkommission (Stiko) am Robert-Koch-Institut. Es gibt viele Fragen rund ums Impfen - auch zum Vergleich mit schon länger verwendeten Vakzinen. Eine Auswahl:

Wie wichtig ist die Wirksamkeit beim Piks gegen Corona?

Der exakte Prozentwert der Wirksamkeit sei für das Impfziel in der Pandemie nicht entscheidend, betont Experte Bogdan. Trotz unterschiedlicher Impfstofftechnologien lösten die zugelassenen Vakzine letztlich eine Immunantwort gegen die gleiche Viruskomponente, das sogenannte Stachel- oder Spikeprotein der Virushülle, aus.

"Mit zwölf Wochen Abstand zwischen der ersten und zweiten Impfung kommen wir auch beim Astrazeneca-Impfstoff auf 80 Prozent Wirksamkeit", sagt Bogdan. Die Hersteller Biontech/Pfizer und Moderna geben die Wirksamkeit ihrer COVID-19-mRNA-Impfstoffe mit mehr als 90 Prozent an.

Was genau bedeutet die Prozentzahl, die bei der Wirksamkeit angegeben wird?

Am Beispiel Biontech/Pfizer bedeutet die oben genannte Prozentzahl, dass die Wahrscheinlichkeit, an COVID-19 zu erkranken, "bei den geimpften Personen um 95 beziehungsweise 94 Prozent geringer war als bei den nicht geimpften Personen", schreibt das Robert-Koch-Institut (RKI).

Das RKI macht dazu auch ein Beispiel: In einer Gegend treten etwa 20 COVID-Fälle je 1.000 Einwohner auf. Würde dann ein Teil der Bevölkerung geimpft werden, würden 20 von 1.000 ungeimpften Personen an Corona erkranken, aber nur etwa 1 von 1.000 geimpften Personen. "Wenn eine mit einem COVID-19-Impfstoff geimpfte Person mit dem Erreger in Kontakt kommt, wird sie also mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht erkranken", erklärt das RKI.

Kann man nach der Impfung (und nach einer gewissen Wartezeit) mit einem Antikörpertest herausfinden, ob die Impfung nun wirksam war?

Nein, das kann man leider nicht. Der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) erklärt auf seiner Homepage, wie er während einer der drei Testphasen herausfindet, ob die Impfung gewirkt hat: Nach einer Impfung werden die Probanden in bestimmten Zeitintervallen ärztlich und labormedizinisch untersucht. Zudem finden Tests auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 statt. "Wie gut ein Impfstoff vor COVID-19 schützt, wird durch den Vergleich von Geimpften und Nicht-Geimpften ermittelt: Wie viele aus jeder Gruppe erkranken trotz Impfung?", erklärt der vfa.

Wie unterscheiden sich die Impfstoffe zur Eindämmung der Corona-Pandemie von schon länger verwendeten Vakzinen etwa gegen Grippe?

"Die bisherigen Corona-Impfstoffe gehören wie die meisten Grippe-Impfstoffe zur Gruppe der Totimpfstoffe", sagt Bogdan. Die Benutzung von Boten-Ribonukleinsäure (mRNA) als Impfstoff sei aber ein neues Prinzip, bei dem die mRNA als Bauanleitung für die Viruskomponente direkt in den Zellen wirke und dort zunächst als fremd erkannt werde. "Rezeptoren bemerken das. Und das führt zu der initialen Impfreaktion. Danach wird dann sehr wirksam eine Antikörper- und eine T-Zell-Immunantwort gegen die Viruskomponente aufgebaut."

Die neuen Impfstoffe seien einerseits sehr potent, das heißt, sie lösten eine sehr starke Immunantwort aus. Andererseits seien sie sehr reaktogen, das heißt, es gebe vorübergehende Nebenwirkungen in Form von Schmerzen an der Injektionsstelle, Kopf- und Muskelschmerzen sowie eventuell Fieberreaktionen. "Diese Impfreaktionen sind deutlich stärker als bei einer Grippe-Impfung."

Warum sind Grippe-Impfstoffe üblicherweise weniger wirksam als die COVID-19-Impfstoffe?

Grippe-Impfstoffe seien Totimpfstoffe, die aus Virusfragmenten bestünden, erläutert Bogdan. Der Grippeschutz erreiche selten mehr als eine Wirksamkeit von 60 Prozent - manchmal deutlich weniger. "Diese Variabilität in der Wirksamkeit kommt aber nicht dadurch zustande, dass der Impfstoff grundsätzlich eine geringe Immunantwort auslöst", sagt Bogdan.

Vielmehr liege das daran, dass zum Zeitpunkt der Impfstoff-Herstellung nur aufgrund von stichprobenartigen Erhebungen vermutet werden könne, mit welchen Influenzaviren in der jeweils kommenden Wintersaison zu rechnen sei. Die Zusammensetzung der Impfstoffe beruhe deshalb auf Analysen im Vorfeld. "Wenn sich die zirkulierenden Influenzaviren aber in der Zwischenzeit verändern oder Virustypen auftreten, mit denen nicht gerechnet wurde, dann ist die Schutzwirkung des jeweiligen Impfstoffs geringer."

Warum sind zum Beispiel Impfungen gegen Masern im Vergleich dazu so erfolgreich?

Der Masernimpfstoff sei so unglaublich erfolgreich, weil er ein lebendes Virus enthalte, sagt Bogdan. "Es kann sich vermehren, aber es hat durch vorherige Passagen in Zellkulturen an krankmachender Wirkung verloren." Nach einer Impfung könne man sich fühlen wie bei einer beginnenden Grippe und sogar eine leichte, masernähnliche Erkrankung (Impfmasern) bekommen. "Das ist eine ganz abgeschwächte und undramatische Reaktion." Der Schutz nach der ersten Masern-Impfung liege in der Größenordnung von 93 bis 95 Prozent, nach zwei Impfungen bei 98 bis 99 Prozent.

"Wirksamkeiten von über 90 Prozent findet man bei einer ganzen Reihe von Impfstoffen", sagt Bogdan. Dazu zählten zum Beispiel die Impfungen gegen Tetanus, Hepatitis A und B sowie die Impfung gegen FSME. Anders als bei der Masern-Impfung müssen einige von ihnen aber regelmäßig aufgefrischt werden.

Bei Corona gibt es die Überlegung, für einen besseren Schutz etwa gegen Varianten verschiedene Impfstoffe zu kombinieren. Also zum Beispiel auf eine erste Dosis Astrazeneca eine zweite von Biontech/Pfizer zu spritzen - ginge das?

"Rein immunologisch ist das unproblematisch, denn sie beruhen letztlich auf dem gleichen Impfantigen", sagt Experte Bogdan. "Die Wirksamkeit von Kombinationen wird derzeit in Studien untersucht, aber formal ist die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit einer Kombination bisher nicht gezeigt." Jeder dieser Impfstoffe habe eine Zulassung, die auf entsprechenden Zulassungsstudien mit bestimmten Impfabständen beruhe. "Nur bei Einhaltung der Anwendungshinweise in den Fachinformationen ist man gegen Impfschäden abgesichert."

Kombinationen, in welcher Form auch immer, seien noch nicht zugelassen. Auch lasse sich im Falle des Auftretens einer Komplikation im Zuge der Kombination zweier Impfstoffe nicht sagen, ob diese nun auf Impfstoff A oder B zurückzuführen sei. "Deshalb halte ich von dieser ganzen Diskussion im Moment nichts", sagt Bogdan.

Und für die Zukunft? Lieber nachimpfen mit einem anderen Vakzin?

"Derzeit wissen wir noch nicht, wie lange jemand geschützt ist, der zweimal geimpft wurde. Wir haben jetzt eine maximale Beobachtungszeit von sieben bis acht Monaten", erläutert Bogdan.

Bei Virusmutanten, die von den verfügbaren Vakzinen gegebenenfalls nicht erfasst werden, sei ohnehin ein neu komponierter Impfstoff nötig, der an die dann zirkulierenden Virus-Varianten angepasst werden müsse. "Das ist von der Zielsetzung her ein ähnliches Prinzip wie bei der Grippe-Impfung, nur mit dem Unterschied, dass die technologische Durchführung anders aussieht und Coronaviren sich nicht so schnell verändern wie Influenzaviren." (dpa/kad)

Weltärztepräsident Montgomery sieht Astrazeneca-Stopp kritisch

Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery zieht den vorläufigen Stopp für Impfungen mit Astrazeneca in Zweifel. "Dass Menschen Thrombosen und Lungenembolien bekommen, muss nicht unbedingt etwas mit der Impfung zu tun haben", sagte Montgomery dem Redaktionsnetzwerk Deutschland vom Dienstag. Nach den ihm bekannten internationalen Studien sei die Thrombose-Häufigkeit in der Placebo-Gruppe und in der Gruppe mit dem Impfstoff etwa gleich gewesen.