Die Corona-Pandemie löst viele Verunsicherungen aus. Für die Psyche ist das Hin und Her pure Belastung und die dunkle Jahreszeit tut ihr Übriges. Wer jetzt mit mentalen Problemen zu kämpfen hat, sollte das nicht von sich wegschieben - und rechtzeitig Hilfe suchen.

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Machen sich psychische Beschwerden wie Ängste, depressive Gedanken oder Energieverlust bemerkbar, sollten Betroffene das nicht ignorieren. Sie sollten außerdem nicht versuchen, irgendwie allein durchzuhalten, betont die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) und verweist darauf, dass es umfassende Hilfsangebote gibt - auch speziell zugeschnitten auf die Umstände in der Coronakrise.

Denn psychische Beschwerden wie etwa ständiges Grübeln, Angstzustände und Schlafprobleme haben in der Krise messbar zugenommen. Das ist das Ergebnis einer Befragung, die der Versicherungskonzern Axa durchgeführt hat. Laut der Studie beobachtet fast ein Drittel der Befragten eine Verschlechterung der eigenen psychischen Verfassung im Verlauf der Coronakrise. Ein Viertel der Befragten gab sogar an, in der Krise das Gefühl zu haben, die Kontrolle über das eigene Leben zu verlieren.

Coronakrise kann Depressionen verstärken

Menschen, die bereits an Depressionen leiden, sind nach einer neuen Studie noch stärker von Folgen der Corona-Maßnahmen betroffen als die Allgemeinbevölkerung. So haben sie zum Beispiel den Lockdown im Frühjahr als deutlich belastender erlebt, heißt es im neuen "Deutschland-Barometer Depression", das die Stiftung Deutsche Depressionshilfe in Leipzig veröffentlichte. Das sei auch für den aktuellen Teil-Lockdown zu erwarten, sagte Psychiater Ulrich Hegerl als Vorsitzender der Stiftung.

"Für Menschen mit einer Depression wird der Rückzug in die eigenen vier Wände durch diesen zweiten Teil-Lockdown wieder viele negative Auswirkungen haben", prognostizierte Hegerl. Depressive hätten so mehr Zeit zum Grübeln und könnten noch tiefer in die Depression geraten. "Das sind Aspekte, die mir große Sorgen bereiten", ergänzte der Psychiater. Nur für einen kleineren Teil der Patienten seien Telefon- und Videosprechstunden sowie Online-Programme eine mögliche Alternative - auch wenn die Angebote nun häufiger angenommen würden als früher.

Wo man jetzt in psychischen Krisen Hilfe bekommt

Seit 2018 gibt es die Möglichkeit einer Akutsprechstunde beim Psychotherapeuten. Dadurch können Betroffene auch kurzfristig bei einem Therapeuten vorstellig werden und sich entsprechend beraten lassen. Davor mussten insbesondere Kassenpatienten oft monatelang auf ein Erstgespräch warten.

Fast alle Therapeutinnen und Therapeuten bieten aktuell auch Videobehandlungen an. Diese sind für Menschen gedacht, die aus Angst vor möglicher Ansteckung in diesen Pandemiezeiten nicht in die Praxis gehen wollen. Vorerst bis zum 31. Dezember 2020 können Psychotherapien auch ohne persönlichen Kontakt zwischen Patient und Therapeut beginnen - vorausgesetzt, man hat Videokontakt.

Dennoch bleibt ein Problem weiterhin bestehen: Viele Psychotherapeuten haben kaum freie Plätze für eine langfristige Therapie. Durchschnittlich 20 Wochen müssen Patienten laut Bundes Psychotherapeuten Kammer (BPtK) auf den Beginn einer Therapie warten.

Nichtsdestotrotz kann man gerade in Notlagen eine Praxis direkt anrufen oder die Nummer 116 117 des ärztlichen Bereitschaftsdienstes wählen – dort wird bei der Terminsuche geholfen, erläutert die BPtK. Auch der Hausarzt ist in akuten Fällen als erster Ansprechpartner geeignet.

Für beruflich Pflegende gibt es im Netz darüber hinaus ein kostenfreies Angebot: So ließen sich unter "psych4nurses.de" kurzfristig Telefongespräche buchen. Dahinter steht eine Kooperation von BPtK und dem Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe. (dpa/kad)

Wenn Sie oder eine Ihnen nahestehende Person von Suizid-Gedanken betroffen sind, wenden Sie sich bitte an die Telefon-Seelsorge unter der Telefonnummer 08 00/ 11 10 - 111 (Deutschland), 142 (Österreich), 143 (Schweiz).

Deutsche Studie: LSD gegen Depressionen

Im Kampf gegen die Volkskrankheit will Deutschland nun ungewöhnliche Wege gehen. 2020 startet die weltweit größte Studie mit Psilocybin, dem Wirkstoff von Magic Mushrooms.