Exzessiver Alkoholkonsum führt bei Jugendlichen dazu, dass sich ihr Gehirn nicht vollständig entwickelt. Wie Mediziner nachgewiesen haben, weisen sie dauerhaft Defizite im Bereich der Impulskontrolle und verschiedener kognitiver Fähigkeiten auf.

Zu viel Alkohol führt bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht nur temporär zu Einschränkungen bei den geistigen Fähigkeiten. Wer sich regelmäßig in den Vollrausch trinkt, schädigt sein Gehirn unumkehrbar.

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Zu dem Schluss kommen Mediziner in einer Übersichtsarbeit, die sie in der Fachzeitschrift "Frontiers in Psychology" veröffentlicht haben.

Demnach schnitten Probanden, die in jungen Jahren übermäßig viel Alkohol trinken, in Tests, die Aufmerksamkeit oder Impulskontrolle erfordern, schlechter ab als Altersgenossen, die Alkohol in Maßen konsumieren.

"Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen reift das Gehirn noch, vor allem in den Regionen, die die sozialen Kompetenzen steuern", erklärt Professor Dr. med. Otto Wittein von der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung (DGKN) in einer Mitteilung. "Wer in dieser wichtigen Entwicklungsphase regelmäßig viel Alkohol trinkt, kann sein Gehirn nachhaltig schädigen."

Gehirne entwickeln sich unterschiedlich

Die Forscher verglichen die Gehirne von trinkenden und abstinenten Jugendlichen mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRI) miteinander.

Als starker Trinker wurde dabei eingestuft, wer bei einer Gelegenheit mindestens vier alkoholische Getränke innerhalb von zwei Stunden konsumierte.

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In unterschiedlichen Tests wurden außerdem Impulskontrolle, Gedächtnis, Lernfähigkeit und der Abhängigkeitsgrad der Teilnehmer untersucht.

Jugendliche mit übermäßigem Alkoholkonsum reagierten öfter impulsiv und zeigten eine kürzere Aufmerksamkeitsspanne als Altersgenossen, die nur wenig Alkohol tranken. Sie schnitten außerdem schlechter ab, wenn es darum ging, neue Vokabeln zu lernen.

Mädchen und junge Frauen, die regelmäßig tranken, taten sich schwerer beim räumlichen Denken.

Die Gehirnscans zeigten, dass das Gesamtvolumen der Großhirnrinde und des Kleinhirns bei den übermäßig trinkenden Jugendlichen geringer war. Sie hatten weniger weiße Substanz als die Nichttrinker, ihre Hirnzellen waren also weniger stark miteinander vernetzt.

In einigen Studien zeigten die Forscher den Teilnehmern Bilder von Alkohol. Bei den Probanden, die sich regelmäßig in den Vollrausch tranken, entdeckten sie eine starke Reaktion im Belohnungssystem des Gehirns, wie es auch Alkoholabhängige zeigen.

"Regelmäßige Alkoholexzesse sind für Menschen in jedem Alter gefährlich", wird Witte zitiert, der die Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Jena leitet.

Doch gerade Jugendliche und junge Erwachsene sollten sich bewusst sein, dass sie mit übermäßigem Alkoholkonsum ihr Gehirn für den Rest ihres Lebens schädigen. (ada)

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