• Viele Menschen greifen seit der Pandemie häufiger zu einem Drink.
  • Eine Umfrage zeigt nun, welche Altersgruppen davon besonders betroffen sind.
  • Es sind vor allem junge Leute.

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Dass die Deutschen in der Krise häufiger zum Alkohol gegriffen haben, ist bereits bekannt. Eine aktuelle Umfrage zeigt nun aber, in welchen Altersgruppen der Konsum besonders gestiegen ist. Demnach haben vor allem Jugendliche und junge Erwachsene in der Coronakrise mehr getrunken und auch Zigaretten geraucht als ältere Menschen.

Das zeigt ein Generationenvergleich aus einer forsa-Umfrage im Auftrag der KKH-Krankenkasse. Dabei wurden 1005 Personen im Alter von 16 bis 69 Jahren 2020 online repräsentativ befragt.

Laut der Umfrage trinkt jeder achte 16- bis 29-Jährige seit der Pandemie mehr Alkohol, unter den 50- bis 69-Jährigen hingegen jeder Zehnte. Beim Tabakkonsum ist der Unterschied noch größer: Jeder Dritte unter den jüngeren Rauchern gibt an, seit Corona häufiger zur Zigarette zu greifen. Unter den Älteren sagt dies nur jeder Vierzehnte.

Vorher nur zu besonderen Anlässen getrunken

Der Grund für den Unterschied liegt offenbar darin, dass junge Menschen erst seit der Pandemie häufiger Alkohol trinken und rauchen, wohingegen ältere Generationen dies bereits vorher getan haben. Vor der Coronakrise hätten 30 Prozent der befragten 16- bis 29-Jährigen nach eigenen Angaben nur zu besonderen Anlässen wie Partys getrunken. Nur zwölf Prozent sprechen hingegen von Alkoholkonsum an mehreren Tagen in der Woche.

Unter den 50- bis 69-Jährigen genehmigte sich bereits vor der Pandemie jeder Dritte mehrmals wöchentlich Alkohol. Deutlich weniger taten dies nur zu besonderen Gelegenheiten. Beim Rauchen sind die Zahlen ähnlich: Die älteren Befragten griffen vor Corona bereits regelmäßig zur Zigarette (23 Prozent) als Jüngere (sechs Prozent).

Risiko für Abhängigkeit

"Da besondere Gelegenheiten seit Corona fehlen, greifen junge Menschen nun häufiger zu Bier, Sekt und Co. – offenbar auch aus Langeweile, Frust und Perspektivlosigkeit", sagt KKH-Suchtexperte Michael Falkenstein. Den Anstieg der Zahlen bei jungen Menschen findet er besorgniserregend. "Die große Gefahr ist, dass aus dem vermehrten Konsum während einer schweren Phase eine Gewohnheit wird und dadurch das Risiko für eine Abhängigkeit entsteht."

Besonders bitter wäre dies mit Blick auf die Entwicklung der vorigen Jahre: Dort sah man seit Längerem eigentlich einen Rückgang des Alkoholkonsums bei Jugendlichen.

"Die Krise trifft viele junge Menschen in einer Schlüsselphase ihres Lebens – zwischen Schulabschluss und Ausbildung, zwischen Reisezeit und Studium, zwischen Studienabschluss und erstem Job, auf den ersten Stufen der beruflichen Karriereleiter", sagt Falkenstein.

Um langfristige Folgen zu vermeiden, sei es nun wichtig, nicht den Konsum selbst, sondern die Ursachen dafür zu bekämpfen, sagt Falkenstein. Etwa psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen, die sich in einer Krisensituation noch verstärken können.  © DER SPIEGEL

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