Foodwatch: Hygienemängel in Tönnies-Wurstfabrik - Behörde geht nicht an die Öffentlichkeit

In der Landsberger Wurstspezialitäten GmbH herrschten monatelang ekelerregende Zustände. Das hat die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch aufgedeckt. Die zuständige Kontrollbehörde wusste Bescheid, ist mit den Informationen aber nicht an die Öffentlichkeit gegangen.

Das Unternehmen mit Sitz im bayerischen Landsberg am Lech gehört zu Tönnies, dem größten Fleischkonzern Deutschlands.
Foodwatch hatte eigenen Angaben zufolge beim für die Kontrollen zuständigen Landratsamt in Landsberg am Lech eine Anfrage nach dem Verbraucherinformationsgesetz gestellt. Daraufhin habe die Behörde die Dokumentation von insgesamt 41 Kontrollen in Wort und Bild zur Verfügung gestellt.
Die übermittelten Unterlagen hat Foodwatch veröffentlicht - Fotos und Zitate aus den Kontrollberichten inklusive.
Dort führen die Lebensmittelkontrolleure immer wieder Verstöße gegen Hygienevorschriften auf. Sogar von Darmbakterien an Maschinen ist die Rede.
Obwohl das Landratsamt von den Mängeln wusste, verhängte es keine Bußgelder und informierte auch nicht die Öffentlichkeit.
In einer Stellungnahme gegenüber Foodwatch hieß es, dass es sich "nicht um gravierende, sondern in der Regel lediglich um geringfügige Verstöße“ handle. Diese würden "in der Regel unmittelbar durch den Betrieb abgestellt".
Diesen Standpunkt vertritt auch das Unternehmen - und widerspricht damit dem Inhalt vieler Protokolle der Lebensmittelkontrolleure, wie Foodwatch weiter berichtet.
Notiz des Kontrolleurs vom 12. Oktober 2017: "Die Abteilung ist schlecht gereinigt. Die Maschine nur grob. Es liegt sogar noch eine ganze Wurst in der Maschine."
"Am Fensterbrett ist Schwarzschimmel", hielt ein Kontrolleur am selben Tag fest.
Und weiter heißt es: "Im Bereich zu den Kühlräumen ist seit langem ein übler Geruch (es stinkt).“
"Es werden gerade Weißwürste verpackt. In der Lake schwimmen wieder Schmutzpartikel" heißt es am 24. Oktober 2017.
30. Oktober 2017: "Hinter der Backkammer steht die übliche stinkende Brühe."
21. Dezember 2017: "Betr. Enterobacter in der Verpackung." Dabei handelt es sich um eine Gattung von Darmbakterien. In Lebensmitteln können sie gesundheitsrelevante Folgen haben.
30. Januar 2018: "Raum 136: Böden und Fliesen sind altverschmutzt. (...) die Altverschmutzung besteht sicherlich seit 25. Januar."
1. Februar 2018: "Raum 126: Das Band der Verpackungsmaschine ist nicht sauber. Unter der Maschine sammelt sich der zusammengespritzte Grobschmutz."