Wer im Freien unterwegs ist, sollte seine Haut anschließend gründlich absuchen. Denn 2018 könnte ein extremes Zeckenjahr werden. Damit steigt auch das Infektionsrisiko.

Experten erwarten, dass es in diesem Sommer besonders viele Zecken und damit ein höheres Infektionsrisiko gibt. 2018 werde ein Zeckenjahr, erklärte das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF). "Wir werden die höchste Zahl an Zecken in den letzten zehn Jahren haben", so DZIF-Forscher Gerhard Dobler.

Seit 2009 untersucht der Wissenschaftler am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München die Ausbreitung und Aktivität des FSME-Virus in Deutschland. Zecken sind Hauptüberträger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), eine Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute.

Die Experten haben ein Modell mitentwickelt, mit dem sie die Zeckendichte bereits im Winter für den jeweils kommenden Sommer voraussagen können. Grundlage ist die Zählung von Jungtieren in einem Infektionsherd in Süddeutschland.

FSME-Risikogebiet: 156 Kreise in Deutschland

Insbesondere in FSME-Risikogebieten sollte man auf Zecken achtgeben, raten die Forscher. Dort tragen besonders viele Spinnentiere die gefährlichen Viren in sich. Die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts (RKI) empfiehlt Menschen, die sich in den Risikoregionen öfter in freier Natur aufhalten, sich gegen FSME impfen zu lassen.

Als FSME-Risikogebiete gelten aktuell 156 Kreise in Deutschland - zehn mehr als noch 2017. Zu den Gebieten zählen fast ganz Bayern und Baden-Württemberg, aber auch Teile von Hessen, Rheinland-Pfalz, Thüringen, Sachsen und des Saarlands.

Im Jahr 2017 erkrankten laut Robert Koch-Institut fast 500 Menschen an FSME. 85 Prozent der Fälle traten in Bayern und Baden-Württemberg auf. Trotzdem sind Infektionen auch im Norden Deutschlands möglich. Zuletzt hatten sich Menschen unter anderem an der niedersächsisch-niederländischen Grenze, in Berlin oder in Mecklenburg-Vorpommern angesteckt. Dabei handelte es sich jedoch immer um Einzelfälle.

Borreliose gibt es in ganz Deutschland

Deutlich häufiger als FSME übertragen Zecken in Deutschland Lyme-Borreliose, deren Erreger es landesweit gibt. Laut Robert Koch-Institut tritt in Deutschland im Schnitt bei fünf von hundert Menschen nach einem Zeckenbiss eine solche Infektion auf. Schätzungen gehen insgesamt von mehreren Zehntausend Neuerkrankungen pro Jahr aus, die Diagnose ist aber schwierig.

Je schneller Zecken nach einem Biss entfernt werden, desto geringer ist das Infektionsrisiko. Daher raten Experten dazu, den Körper im Sommer nach einem Aufenthalt im Freien sofort sorgfältig abzusuchen. Wer eine Zecke entdeckt, sollte sie am besten mit einer spitzen Pinzette oder Zeckenkarte möglichst weit vorne an der Bissstelle greifen und mit leichtem Rütteln aus der Haut entfernen. Von größeren Drehbewegungen raten Experten ab. Wichtig ist außerdem, auf keinen Fall auf den vollgesogenen Körper zu drücken.

Bleibt ein Teil der Zecke stecken, stößt der Körper ihn ähnlich wie einen Holzsplitter nach einer gewissen Zeit von selbst ab. Bildet sich eine Entzündung, sollte ein Arzt die Überreste entfernen.

Woran lassen sich Borreliose und FSME erkennen?

Die Borreliose zeigt sich häufig, aber nicht in allen Fällen, durch einen roten Ring um die Bissstelle der Zecke, der wächst oder wandert. Er kann auch noch Tage oder Wochen nach dem Biss entstehen, deshalb sollte man die Stelle aufmerksam beobachten. Um festzustellen, ob sich der Ring verändert, kann man die Rötung mit einem Kugelschreiber umrunden. Auch Fieber, Kopfschmerzen und Müdigkeit können auf eine Borreliose hindeuten. Wer sich nach einem Zeckenbiss unwohl fühlt oder einen roten Ring entdeckt, sollte zum Arzt gehen.

Bei FSME merken viele nichts von der Infektion, dann ist sie auch nicht gefährlich. Nur bei etwa 30 von 100 Betroffenen treten in den ersten ein bis zwei Wochen nach dem Biss Beschwerden auf. Dazu zählen Fieber, Unwohlsein, Kopf- und Gliederschmerzen. Schreitet die Infektion fort, können Entzündungen im Gehirn und den Hirnhäuten entstehen. Extreme Müdigkeit, Bewusstseinsstörungen, Zittern und Gleichgewichtsstörungen sind die Folge.

Im Gegensatz zur Borreliose gibt es keine Medikamente zur FSME-Behandlung. Laut RKI heilt die Krankheit aber häufig nach einiger Zeit von selbst aus, auch nach schwerem Verlauf.

Beißen oder stechen? Anmerkung der Redaktion

Gern wird diskutiert, ob Zecken beißen oder stechen. Da sie die Haut mit ihrem Mundwerkzeug öffnen und sich darin festhaken, um anschließend mit einer Art Saugrüssel das Blut aufzusaugen, sind beide Bezeichnungen denkbar. Wir haben uns nach Gesprächen mit Zeckenforschern für das Beißen entschieden, das RKI spricht dagegen lieber vom Zeckenstich.  © SPIEGEL ONLINE