Fitnessarmbänder, Schrittzähler, "MiCoach", "Nike+": Immer mehr Unternehmen bringen Produkte zur Überwachung der persönlichen Fitness auf den Markt. Und immer mehr Sportler nutzen diese - mit dem Ziel den eigenen Lebensstil immer weiter zu optimieren. Woher der Trend kommt und wo er hinführen kann.

Ob im Fitnessstudio, beim Jogger auf der Straße oder dem Kollegen im Büro: Immer häufiger zieren Fitness-Armbänder die Handgelenke. Sie messen, wie viele Schritte ihre Besitzer am jeweiligen Tag zurückgelegt haben, dazu den Puls und den Kalorienverbrauch kontrollieren. "Quantified Self" heißt der Trend aus den USA, bei dem sich Menschen konsequent selbstvermessen.

Ziel ist es, bessere Leistungen im Training zu bringen und gleichzeitig einen möglichst gesunden Lebensstil an den Tag zu legen. Aber unterstützen die Produkte tatsächlich dabei, fitter, gesünder und leistungsfähiger zu werden? Oder helfen Sie vor allem den Entwicklern dabei, ihre Umsätze zu steigern?

Was bringen Aktivitäts-Tracker? Unsere Redakteurin hat es ausprobiert.

Im Jahr 2013 hat der Hightech-Verband Bitkom eine repräsentative Umfrage zum Thema "Quantified Self" veröffentlicht: Damals nutzten bereits knapp 13 Prozent der Deutschen ein entsprechendes Gerät. Vor allem bei den 14- bis 29-Jährigen sind Fitness-Tracker angesagt: Immerhin jeder fünfte in dieser Altersklasse besitzt bereits einen.

Experten schätzen das Potenzial in Deutschland als groß ein, denn bisher kennen laut der Umfrage rund 55 Prozent diese relativ neuen Geräte noch gar nicht. Von denen, die bereits von Fitness-Trackern gehört haben, sie aber selbst noch nicht nutzen, will rund jeder vierte (26 Prozent) künftig auf jeden Fall ein solches Gerät einsetzen.

Gesundheit ist mehr als die Abwesenheit von Krankheit

Die Trendforscher Corinna Mühlhausen und Professor Peter Wippermann haben mit TNS Infratest eine repräsentative Befragung zum Thema Health Style durchgeführt und sind dabei der Frage nachgegangen, warum Fitness-Tracker immer beliebter werden: "Dabei haben wir herausgefunden, dass Gesundheit noch so viel mehr als die bloße Abwesenheit von Krankheiten ist", sagt Mühlhausen. "Gesundheit ist für die Menschen in den vergangenen Jahren ein Synonym für die persönliche Leistungsfähigkeit geworden."

Den Trend, die körperlichen Erfolge zu messen und zu skalieren, betrachtet die Expertin aber nicht als grundsätzlich Negatives. "Es geht ja nicht immer nur darum, höher, schneller und weiter zu kommen. Sondern man hat dadurch eben auch die Möglichkeit, zu überprüfen, wie entspannt man ist, und das ist doch durchaus positiv."

Wie sich einzelne "Fresstage" wirklich auf die Figur auswirken.

Mühlhausen betont, dass die Geräte auch einen medizinischen Zweck erfüllen und sportlicher Wettbewerb nicht zwangsläufig schlecht ist. Dennoch gibt es zahlreiche Kritiker des neuen Trends. Denn es lässt sich kaum bestreiten, dass der manchmal gar zwanghafte Wahn zur Selbstoptimierung für Pharmakonzerne oder Fitness-Unternehmen eine Goldgrube ist.

Die Optimierung hat ihren Preis

So stießen Mühlhausen und ihr Kollege bei ihren Nachforschungen unter anderem auf ein so genanntes Sleeping-Cafe in Tokio. Dort haben Geschäftsfrauen die Möglichkeit, mit einem zehnminütigen Power Nap neue Kraft zu tanken, bevor es zurück ins Büro geht – und das für umgerechnet rund fünf Euro.

Bereits im Massenmarkt angekommen sind sogenannte Wearables, wie die gerade vorgestellte Apple Watch. In der Sportversion kostet sie 350 Euro. Abschrecken kann der Preise die Käufer offenbar nicht. Experten schätzen, dass noch in diesem Jahr 10 bis 20 Millionen Apple Watches abgesetzt werden.

Zwar führt Apple die Rangliste damit definitiv an, doch lassen sich auch andere Hersteller preislich nicht lumpen. Ein Fitness-Tracker, mit dem unter anderem die Schlafaktivität überprüft werden kann, gibt es ebenso wie eine Schwimmuhr für rund 150 Euro, eine reine Laufuhr für 130 Euro. Eine Körperfettwaage, die die Daten direkt per WLAN an Rechner und Smartphone schickt, kostet im Handel für 120 Euro.

Wem nutzt die Optimierung?

Dabei sind die Geräte nicht die einzigen Erlösquellen für die Unternehmen: Denn die persönlichen Werte, die viele Nutzer über Facebook, Twitter, die jeweilige Website eines Geräte-Herstellers oder eine App direkt ins Netz einspeisen, dürfen von Herstellern und Entwicklern für Forschungszwecke genutzt werden. Und das hat weitreichende Konsequenzen.

Denn die Daten, die daraus entstehen, interessieren eben nicht nur die Läufer selbst. Als erste Versicherungsgruppe plant Generali in Deutschland eine "vom Verhalten abhängige" Versicherung. In den USA gibt es bereits Vergleichbares. Das Prinzip: Wer durch Daten aus einer Fitness-App einen gesunden Lebensstil nachweisen kann, zahlt auch weniger.

Wo also soll all das alles also noch hinführen? Experten sind sich einig: Nach der Optimierung des Körpers steht nun die Optimierung des Geistes an. Intelligente Brillengläser sollen die mentalen Fähigkeiten steigern, daran jedenfalls arbeiten derzeit japanische Wissenschaftler. Die Gläser messen mit einer in die Brille integrierten Augenkamera die Pupillenbewegungen und die Blinzelfrequenz.

Außerdem werden die Veränderungen der elektrischen Spannung an der Netzhaut aufgezeichnet. Daraus wird ein Aufmerksamkeitsmuster berechnet, aus dem wiederum ein individuell abgestimmtes Programm mit Tipps zur Steigerung der eigenen Leistungsfähigkeit entwickelt werden. Eingesetzt bei ihren Mitarbeitern profitieren die Unternehmen dann gleich im doppelten Sinne.