Die Wehen setzen ein, die Fahrt zum Krankenhaus verläuft problemlos. Doch das Kind kommt auf dem Parkplatz vor der Klinik zur Welt - für Frauen in deutschen Großstädten könnte dieses Szenario 2018 durchaus zur Realität werden. Denn Beleghebammen dürfen dann nur noch die Behandlung von zwei Frauen gleichzeitig abrechnen. Ungeachtet der aktuellen Personallage im Krankenhaus.

Über 17 Prozent mehr Honorar für freiberufliche Hebammen und eine bessere Betreuung für werdende Mütter. Auf den ersten Blick wirkt die Entscheidung der Schiedsstelle als deutliche Verbesserung für Hebammen und ihre Patientinnen.

Es gibt verschiedene Gründe, warum Frauen ihr Baby anonym weggeben.


Denn fordern Hebammenverbände nicht schon lange mehr Gehalt und bessere Arbeitsbedingungen? Und haben Frauen nicht schon seit Längerem in größeren Städten Schwierigkeiten, eine Geburtsbetreuung zu finden?

Wie kam es zu dem Schiedsspruch?

Krankenkassen und Hebammenverbände waren zu keiner gemeinsamen Lösung gekommen, wie die Entwicklung der Gehälter verlaufen soll und strukturelle Fragen zur Verbesserung der Versorgung geklärt werden können.

Deswegen wurde eine Schiedsstelle einberufen, die zwischen beiden Parteien vermitteln und eine Einigung erzielen sollte.

Was sind Ergebnisse des Schiedsspruches?

Rückwirkend zum 15. Juli tritt eine Erhöhung der freiberuflichen Vergütung um 17 Prozent in Kraft. Bis 2020 sind keine weiteren Gehaltssteigerungen möglich.

Außerdem können Hebammen künftig nicht mehr als zwei Behandlungen gleichzeitig abrechnen. Sie dürfen zwar jederzeit mehr als zwei Frauen bei der Geburt betreuen, bekommen diese Arbeit allerdings nicht bezahlt.

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Neue Leistungen wie ein drittes Vorgespräch in der Schwangerschaft oder Einzelunterweisung zur Geburtsvorbereitung kommen hinzu.

Bessere Betreuung durch neue Abrechnung?

Der deutsche Krankenkassenverband GKV erläutert die bessere Betreuung der Gebärenden in seiner Stellungnahme mit folgendem Rechenbeispiel: "In der Praxis bedeutet der bessere Betreuungsschlüssel, dass eine freiberufliche Hebamme in der Klinik künftig innerhalb des Zeitraumes von 30 Minuten bei zwei Frauen gleichzeitig beispielsweise "Hilfe bei Wehen" abrechnen kann.

Im nächsten Berechnungszeitraum, also der nächsten angefangenen halben Stunde, kann sie dann erneut z.B. "Hilfe bei Wehen", eine CTG-Messung oder auch das Abhören der Herztöne des Babys abrechnen."

Also könne eine freiberufliche Hebamme vier schwangeren Frauen innerhalb einer Stunde helfen, wenn sie die Betreuung jeweils in halbe Stunden unterteilt.

"Gute Qualität kommt nicht durch weniger Leistung"

Hingegen befürchtet der deutsche Hebammenverband (DHV), dass nun noch mehr Beleghebammen aus der Geburtshilfe aussteigen und die Engpässe größer werden.

"Es gibt massive Einschnitte in unsere Berufsausübung ohne die Rahmenbedingungen wie beispielsweise genügend Personal anzupassen. Eine gute Qualität in der Geburtshilfe erreichen wir mit ausreichend Hebammen, nicht mit weniger Leistung durch Hebammen", meint Martina Klenk, Präsidentin des DHV.

Der Deutsche Hebammenverband fordere seit Jahren eine Eins-zu-eins-Betreuung von einer Hebamme für eine Frau während der Geburt.

Frauen in den Wehen von Krankenhäusern abgewiesen

Freiberufliche Hebammen sind in Deutschland für 20 Prozent der Geburtshilfe verantwortlich. Eine Hebamme in Vollzeit betreut pro Jahr rund 100 Geburten - in Großbritannien oder Norwegen sind es nur etwa 30. So betreut eine Hebamme in Deutschland oft drei bis vier Geburten gleichzeitig.

In großen Städten wie Berlin, Hamburg oder München ist die Lage seit Jahren angespannt, mit dem Schiedsspruch wird sie sich wohl verschärfen. Allein in München kamen im letzten Jahr 18.107 Kinder zur Welt. Es ist an der Tagesordnung, dass Frauen in den Wehen von Krankenhäusern abgewiesen werden, da Kreissäle überfüllt sind und Personal fehlt.

München hat einen runden Tisch eingerichtet, um den Babyboom zu bewältigen. Erklärtes Ziel ist es, zu verhindern, dass Schwangere in den Wehen von Klinik zu Klinik geschickt werden müssen.

Als erste Abhilfe wurde die Internetseite Ivena eingerichtet. Sie gibt aktuelle Auskunft darüber, welches Krankenhaus Frauen in den Wehen aufnehmen kann und welches nicht.

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Mit Material der dpa.