Die meisten Patienten in Deutschland bemängeln zwar lange Wartezeiten beim Arzt, fühlen sich aber gut versorgt. Trotzdem befürchtet ein Großteil, dass sich die Gesundheitsversorgung mehr zur Zwei-Klassen-Medizin entwickelt. Und das offenbar zu Recht, wie eine neue Auswertung zeigt.

Sinkende Leistungen, weniger Zeit der Ärzte für die Behandlung, höhere Beteiligung an Kosten: Zwei Drittel der Versicherten nimmt an, dass sich die Gesundheitsversorgung in Deutschland verschlechtern wird. Das geht aus dem Gesundheitsreport des Finanzdienstleisters MLP hervor. Dass die Zwei-Klassen-Medizin bereits Realität ist, zeigt eine Auswertung von "Zeit Online".

Arm bleibt krank

Das Nachrichtenportal nahm die Dichte von Arztpraxen in den vier Großstädten Hamburg, Köln, Berlin und München genauer unter die Lupe. Dabei wird überaus deutlich: Ärzte siedeln sich mit ihren Praxen vor allem in Stadtteilen mit hoher Kaufkraft an. In manchen ärmeren Gebieten hingegen fehlen Mediziner nahezu vollständig. Die dort wohnhaften Patienten müssen daher längere Wartezeiten sowie weitere Fahrstrecken in Kauf nehmen, um behandelt zu werden.

Zwar gibt es ein Gesetz, das per Quote vorgibt, wo sich Ärzte ansiedeln dürfen. Doch in Großstädten wirke das System nicht, da die jeweilige Quote für das gesamte Stadtgebiet gilt, schreibt "Zeit Online".

Ärzte können sich in Großstädten demnach ansiedeln, wo es ihnen am lukrativsten erscheint. Dabei sind sich auch die Mediziner des Problems bewusst: Drei Viertel der Ärzteschaft glaubt laut MLP-Gesundheitsreport, dass sich die Zwei-Klassen-Medizin weiter etablieren wird.