Zum ersten Mal in diesem Sommer sind an der Ostseeküste Vibrionen-Infektionen erfasst worden. Die Gefahr könnte in den kommenden Jahren noch zunehmen. Doch was sind Vibrionen eigentlich? Wie gelangen sie in den Körper und wer ist besonders gefährdet?

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An der Ostseeküste sind zum ersten Mal in diesem Sommer Vibrionen-Infektionen erfasst worden. Wie der Chef des Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lagus) in Rostock, Heiko Will, am Dienstag sagte, wird eine 87-jährige Frau auf der Intensivstation in einem Krankenhaus behandelt.

Darüber hinaus gebe es zwei weitere Fälle in Greifswald, Details darüber lägen noch nicht vor. Zunächst hatte der Sender NDR 1 Radio MV darüber berichtet.

In den vergangenen Jahren lag die Zahl bekannter Erkrankungen mit Vibrionen in Deutschland im ein- oder niedrigen zweistelligen Bereich. Das könnte sich nun ändern.

In Folge der globalen Erwärmung könnte die Zahl sommerlicher Vibrionen-Infektionen an der Ostseeküste weiter zunehmen. Grund dafür sind laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) steigende Wassertemperaturen.

Was sind Vibrionen?

Vibrionen sind salztolerante Bakterien. Der wohl bekannteste Vertreter ist der Erreger Vibrio cholerae, der Auslöser der Cholera. Daneben werden außerdem die beiden Spezies Vibrio parahaemolyticus und Vibrio vulnificus häufig nachgewiesen.

Nicht-Cholera-Vibrionen sind in der Regel in Gewässern zu finden. Sie sind allerdings kein Anzeichen für eine Verunreinigung des Wassers, sondern gehören zur normalen Bakterienflora.

In welchen Gewässern kommen Vibrionen vor?

In der Regel fangen Vibrionen an, sich ab einer Temperatur von über 20 Grad Celsius und bei einem Salzgehalt von 0,5 bis 2,5 Prozent in Gewässern stark zu vermehren. Sie sind sowohl in Süß- als auch in Salzwasser sowie in salzhaltigen Binnengewässern zu finden. Dabei sind die Bedingungen vor allem in Flussmündungen und Buchten, Lagunen und in Brackwasser für sie optimal.

Auch in der Nähe von flachen sowie sich schnell erwärmenden Küstenbereichen ist die Infektionsgefahr höher. An tieferen Strandabschnitten und in Bereichen, in denen das Wasser zum Beispiel durch Strömungen stärker durchgemischt wird, ist eine starke Vermehrung von Vibrionen hingegen nicht so wahrscheinlich.

In warmen Sommern bieten auch Teile der deutschen Nord- und Ostseeküste ideale Voraussetzungen für die Erreger. Der durchschnittliche Salzgehalt der Ostsee von 0,8 Prozent ist für Vibrionen günstig. Und die Bedingungen dort könnten sich noch weiter verbessern. Durch längere Hitzeperioden könnte die Wassertemperatur in Zukunft häufiger über 20 Grad klettern.

Das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) bietet auf seiner Seite eine interaktive Karte an, auf der zu sehen ist, wie die Bedingungen für Vibrionen an den Küsten sind.

Wo kann man sich mit Vibrionen infizieren?

Im Sommer und Herbst sind Infektionen an den südlichen Küsten der USA relativ häufig. Hier kommen Personen zum Beispiel durch den Verzehr von Fischen oder Meeresfrüchten in Kontakt mit Vibrionen.

Abgesehen davon sind Infektionen aber eher selten. Fälle aus folgenden Ländern sind bekannt:

  • Deutschland
  • Schweden
  • Finnland
  • Dänemark
  • Norwegen
  • den Niederlanden
  • Polen
  • den Kanal-Inseln
  • Israel
  • Spanien
  • Griechenland
  • Tunesien
  • Türkei

Wie gelangen die Erreger in den Körper?

Wenn Vibrionen im Wasser sind, können sie durch offene, nicht verheilte Wunden in den Körper gelangen. Außerdem sind Fälle bekannt, bei denen die Erreger durch Verletzungen bei der Verarbeitung von Meeresfrüchten oder rohem Seefisch eingedrungen sind.

Beim Verzehr von rohen oder nicht ausreichend gegarten Meeresfrüchten sowie rohem Fisch kann es ebenfalls zu einer Infektion kommen. Auch die Aufnahme von kontaminiertem Wasser kann eine Infektion verursachen. Die Inkubationszeit beträgt dabei - abhängig vom Erreger - zwischen vier und 96 Stunden.

Welche Infektionen rufen sie hervor?

Nicht-Cholera-Vibrionen können Wundinfektionen und Magen-Darm-Entzündungen hervorrufen. Wundinfektionen können sich schnell ausbreiten und zum Absterben von Zellen führen, wenn sie nicht behandelt werden. Außerdem können Vibrionen Ohrinfektionen verursachen.

Eine Infektion kann zu Komplikationen wie einer Sepsis führen. Eine Sepsis ist eine Blutvergiftung. Dabei dringen die Erreger in die Blutbahn ein. Die Folge können Mehrfachorganversagen oder ein septischer Kreislaufschock sein. Schwere Erkrankungen können tödlich enden.

Welche Gruppen sind besonders gefährdet?

Ein erhöhtes Risiko für eine Erkrankung haben ältere sowie immungeschwächte Personen und Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes, Leber-, Krebs- sowie Herzerkrankungen. Bei ihnen ist auch ein schwerer Krankheitsverlauf wahrscheinlicher.

Junge, gesunde Erwachsene erkranken in der Regel nur selten und nicht schwer. Gesunde Kinder bekommen höchstens eine Ohreninfektion.

Welche Symptome treten bei einer Infektion auf?

Ein frühes Symptom für eine Wundinfektion sind lokale Schmerzen, die im Vergleich zur Größe der Wunde überproportional stark erscheinen. Das teilt das Robert Koch-Institut (RKI) mit. Außerdem können Fieber und Schüttelfrost eine Folge sein.

Bei Magen-Darm-Entzündungen treten unter anderem krampfartige Bauchschmerzen, Erbrechen, Übelkeit sowie Durchfall auf. In den meisten Fällen verlaufen diese aber mild.

Wie wird eine Infektion behandelt?

Wird eine Infektion schnell genug erkannt, können Ärzte sie mithilfe von Antibiotika auch bei Risikopatienten gut behandeln. Unbehandelt kann eine chirurgische Behandlung notwendig werden. In extremen Fällen kann eine Infektion zur Amputation betroffener Gliedmaßen führen.

Verwendete Quellen:

  • Robert Koch-Institut: "Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Nicht-Cholera-Vibrionen"
  • Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten: "Vibrio Map Viewer"
  • Bundesinstitut für Risikobewertung: "Konsiliarlabor für Vibrionen"
  • dpa

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