Seit zwei Wochen leidet sie unter Übelkeit und Erbrechen: Eine 59-Jährige fragt sich, ob sie ein Kind erwartet. Ein Schwangerschaftstest ist positiv - und schließt am Ende eine Wissenslücke beim Ärzteteam.

Vor drei Wochen hatte die Frau ungeschützten Sex, seit zwei Wochen plagt sie Übelkeit, und sie muss sich jeden Tag erbrechen. In einer Klinik in Birmingham im US-Bundesstaat Alabama fragt die 59-Jährige, ob sie möglicherweise schwanger ist.

Ihre Mutter sei 59 Jahre alt gewesen, als sie empfangen wurde; eine Tante habe mit 60 Jahren ein Kind zur Welt gebracht, berichtet die Frau.

Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich

Die Ärztinnen, die sie untersuchen, halten eine Schwangerschaft für unwahrscheinlich. Sie veranlassen dennoch zwei Tests, bei denen Hormonwerte im Urin beziehungsweise im Blut ermittelt werden, wie Mary Margaret Basham und Teresa Bryan von der University of Alabama berichten.

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Der Bauch der Frau ist beim Abtasten weich, die Patientin fühlt bei der Untersuchung einen diffusen Druckschmerz.

Die Frau leidet unter mehreren Krankheiten. Sie hat Thalassämie, die die roten Blutkörperchen beeinträchtigt, und leidet unter Eisenmangel. Außerdem hat sie eine bipolare Störung. Und wegen eines Reizdarms hat sie häufig Durchfall.

Etwa alle drei bis vier Monate habe sie eine Regelblutung, erzählt sie. Diese dauere meist zwei oder drei Tage an. Die letzte liege drei Monate zurück. Die Frau berichtet, dass ihr Gynäkologe ihr gesagt habe, sie sei schon aus den Wechseljahren raus. Wegen der regelmäßigen Blutungen glaubte sie das jedoch nicht.

Positives Testergebnis

Der erste Schwangerschaftstest, bei dem die Menge eines Hormons, des humanen Choriongonadotropins (hCG), im Urin gemessen wird, ist negativ. Der Bluttest dagegen ist positiv: Der hCG-Wert der Frau liegt bei 7,11 Internationalen Einheiten (IU) pro Liter. Bei nicht schwangeren Frauen sind unter 5 normal.

In der gynäkologischen Abteilung rät man neben einem weiteren Hormontest zu einem Ultraschall. Es wäre nämlich möglich, dass ein Tumor für den erhöhten hCG-Wert verantwortlich ist. Für solch ein Geschwür findet sich jedoch kein Anzeichen, als Gebärmutter und Eierstöcke der Frau untersucht werden. Doch auch schwanger ist die Frau nicht, so die Diagnose nach dem Ultraschall und dem erweiterten Hormontest.

"War uns nicht bekannt"

Was lässt dann ihren Hormonspiegel steigen und verursacht die Übelkeit? Die Ärztinnen kommen zum Schluss, dass beides gar nicht zusammenhängt.

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Ihre Erkenntnis: Ein erhöhter hCG-Wert nach der Menopause ist nicht ungewöhnlich. Das geht aus früheren Studien hervor, heißt es im Fallbericht. In einer Studie hatten beispielsweise rund 8 Prozent der über 55-jährigen Teilnehmerinnen einen Wert über 5.

"Uns - und unseren Kollegen - war nicht bekannt, dass bei einigen Frauen nach der Menopause mehr hCG ausgeschüttet wird", schreiben sie im Fachblatt "BMJ Case Reports".

Ärzte sollten dies jedoch wissen, meinen Basham und Bryan, um unnötige weitere Tests sowie unnötige Sorgen bei den Patientinnen nach einem scheinbar positiven Schwangerschaftstest zu vermeiden.

Nach der Menopause, der letzten Regelblutung, können Frau nur noch durch eine künstliche Befruchtung schwanger werden. Sie benötigen dann auch eine Eizellspende, die in Deutschland verboten ist. Die meisten Frauen erleben die Menopause mit Mitte bis Ende 50.

Die Patientin erholt sich wenige Tage später. Übelkeit und Erbrechen wurden wohl von einem Virus-Infekt ausgelöst, meinen die Medizinerinnen. Wegen ihrer regelmäßigen Blutungen bleibt sie weiterhin in gynäkologischer Behandlung.

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