Die Sars-Pandemie zog Anfang des Jahrhunderts von China aus um die Welt. Das Virus, das die Infektionskrankheit verursachte, entstand in Fledermäusen. Und das womöglich nicht zum letzten Mal: Jederzeit kann ein vergleichbarer Erreger von den Tieren auf den Menschen übergehen, warnen Forscher.

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In einer Höhle in der chinesischen Provinz Yunnan flattern Fledermäuse herum, die alle genetischen Bausteine des für Menschen gefährlichen Sars-Virus in sich tragen. Möglicherweise entstand hier auch das Virus, das im Jahr 2003 eine weltweite Infektionswelle ausgelöst hatte, bei der mehr als 800 Menschen starben.

Um die mögliche Entstehung eines neuen Pandemie-Erregers rechtzeitig zu erkennen, müsse die Entwicklung der Fledermaus-Viren weiter kontrolliert werden, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin "PLOS Pathogens".

Menschen in der Region sollten zudem daraufhin getestet werden, ob eine neuerliche Übertragung von Viren auf den Menschen möglicherweise schon stattgefunden habe.

Erster Sars-Ausbruch in chinesischer Provinz

Als erster Seuchenalarm des 21. Jahrhunderts schreckte die Sars-Epidemie (Sars: Severe Acute Respiratory Syndrome) vor knapp 15 Jahren die Welt auf. Erste Fälle der mit Fieber, Husten, Atemnot und Lungenentzündung einhergehenden Erkrankung gab es zunächst in der chinesischen Provinz Guangdong.

Im Februar 2003 reiste dann ein erkrankter chinesischer Arzt nach Hongkong und steckte dort etwa ein Dutzend Menschen an. Sie trugen den bis dahin unbekannten Erreger schließlich in die Welt. Im Sommer 2003 war der Ausbruch beendet.

Wissenschaftlern gelang es damals schnell, den Erreger als bis dahin unbekanntes Coronavirus zu identifizieren, und schnell vermuteten sie, dass das Virus ursprünglich von Fledermäusen stammte. Von den Tieren sprang es dann entweder direkt auf den Menschen über oder zunächst auf andere Tiere, die es schließlich an Menschen weitergaben.

Allerdings gelang es bisher nie, den menschlichen Sars-Erreger in Fledermäusen nachzuweisen. Die Viren der Flattertiere unterscheiden sich genetisch von dem menschlichen Erreger.

Um dem genauen Ursprung der Epidemie auf die Spur zu kommen, hatten die Forscher um Ben Hu vom Wuhan Institute für Virologie nun über fünf Jahre die Sars-Viren verschiedener Fledermausarten aus der Familie der Hufeisennasen studiert, die in der untersuchten Höhle gemeinsam vorkommen.

Elf neue Sars-Stämme identifiziert

Sie identifizierten elf neue Stämme des Sars-Virus. Analysen des Genoms zeigten, dass unter diesen und den bereits zuvor bekannten Stämmen alle Genvarianten zu finden sind, die für den menschlichen Epidemie-Stamm charakteristisch sind.

Die Forscher vermuten, dass durch Neukombinationen der einzelnen Bausteine damals ein Erreger entstanden sein könnte, aus dem dann der für Menschen gefährliche Sars-Erreger hervorgegangen ist. Völlig ausschließen, dass auch anderswo ein vergleichbarer Gen-Pool existiere, könnten sie nicht.

Die Arbeit liefere aber genügend Belege um zu schließen, dass der Sars-Erreger durch Neumischung genetischer Bestandteile verschiedener Viren von Hufeisennasen-Fledermäusen entstand.

Viren möglicherweise direkt auf Menschen übertragbar

Die Wissenschaftler zeigten zudem, dass einige der neu identifizierten Stämme die Fähigkeit besitzen, menschliche Zellen zu infizieren, und zwar über die gleiche Andockstelle auf Zellen, die auch der damalige Pandemie-Erreger genutzt hat.

Das lege nahe, dass in der Fledermaus-Höhle Viren zirkulieren, die möglicherweise direkt auf den Menschen übertragbar sind. Das sei besonders bedeutsam, da die nächste Ortschaft nur gut einen Kilometer von der Höhle entfernt liegt, schrieben die Wissenschaftler. Die dortige Bevölkerung habe somit ein potenzielles Risiko, in Kontakt mit den Fledermäusen und ihren Viren zu kommen.

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© dpa