Das Coronavirus SARS-CoV-2 zieht seit Anfang des Jahres mit unheimlichem Tempo um die Welt. Experten suchen seitdem mit Hochdruck ein Medikament oder Impfstoff gegen Corona. Doch trotz zahlreichen Forschungen wird es wohl noch dauern, bin ein Medikament zugelassen wird.

Mehr Gesundheitsthemen finden Sie hier

"Frühestens im nächsten Jahr" - so lautet die Antwort der meisten Experten auf die Frage, wann ein Impfstoff gegen das Coronavirus zur Verfügung steht. Schneller könnten Medikamente erhältlich sein, die zwar nicht vor einer Ansteckung schützen, aber immerhin den Verlauf der vom Virus verursachten Erkrankung COVID-19 abmildern können. Experten setzen vor allem darauf, Medikamente einzusetzen, die bereits für andere Anwendungen erprobt sind. Diese müssten dann vor ihrer Zulassung nicht mehr so aufwendig getestet werden.

Lesen Sie auch: Alle aktuellen Entwicklungen rund um das Coronavirus in unserem Live-Blog.

Nicht alle Infizierten brauchen Medikamente

Die meisten Menschen, die sich mit SARS-CoV-2 anstecken, benötigen keine Medikamente. Etwa 80 Prozent der Infizierten erholen sich nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO ohne besondere Behandlung.

Bei etwa 15 von 100 Infizierten komme es jedoch zu einem schweren Krankheitsverlauf mit Atemproblemen. Meist sind das Menschen aus Risikogruppen wie Krebskranke in Chemotherapie, ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen. Für diese stehen momentan keine spezifisch gegen SARS-CoV-2 wirkenden Medikamente zur Verfügung.

Zahlreiche Studien zu Impfstoffen und Medikamenten

Bisher wird viel geforscht, ob man das Coronavirus mit bereits bestehenden Medikamenten und Wirkstoffen bekämpfen kann. Die Präparate wurden bereits im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen entwickelt und untersucht - darunter etwa der eigentlich für Malaria eingesetzte Wirkstoff Chloroquin, das Hepatitis-Medikament Ribavirin und ein Mittel gegen Multiple Sklerose (Fingolimod).

Entwicklung neuer Medikamente dauert lange

Gleichzeitig läuft die Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus und spezifisch wirkende Medikamente, die bei der Erkrankung helfen. Dabei bauen die Wissenschaftler auf Erkenntnisse auf, die sie bei der Erforschung des ersten SARS-Coronavirus gewonnen haben, das 2002/2003 zu einer weltweiten Epidemie mit etwa 800 Todesopfern führte.

Der damalige Erreger ist eng verwandt mit dem jetzigen Coronavirus. Bis aus diesen Forschungsarbeiten ein Medikament resultiert, dürften viele Jahre vergehen, für den derzeitigen Ausbruch werden sie daher keine Rolle mehr spielen.

Nach der Entwicklung eines Mittels muss dieses erst ausgiebig an Tieren und an Menschen getestet werden. Anschließend durchläuft es einen Zulassungsprozess der EU.

Rolf Hilgenfeld, Direktor des Instituts für Biochemie der Universität Lübeck macht laut Deutscher Presse-Agentur noch auf ein weiteres Problem aufmerksam: "Das Hauptproblem bei der Entwicklung von Wirkstoffen gegen neu aufkommende Viren ist, dass dann, wenn man so weit ist, um in die klinische Prüfung zu gehen, es keine Patienten mehr gibt. Dann ist der Ausbruch vorbei und man wartet vielleicht jahrelang auf die nächsten Patienten."

Maßnahmen der Politik

Um die Erforschung des Erregers voranzutreiben und schnell Behandlungsmöglichkeiten entwickeln zu können, startete das Bundesforschungsministerium Anfang des Monats einen Förderaufruf. Bis zu 10 Millionen Euro sollen bereitgestellt werden und Projektmittel schneller als üblich an die Forscher verteilt werden. (awa/dpa)

Merkel zu Corona-Krise: "Ausbreitung muss verlangsamt werden"

Es gehe um das Gewinnen von Zeit, sagte die Bundeskanzlerin, die gemeinsam mit Gesundheitsminister Jens Spahn in Berlin vor die Presse trat.