Milch macht müde Männer munter: Diesen Satz kennt in Deutschland seit den 1950er-Jahren jedes Kind. Von dem positiven Image, das die Milchwirtschaft mit dem berühmten Werbeslogan prägte, profitiert das "weiße Wundermittel" bis heute. Doch in den vergangenen Jahren häufen sich Negativ-Schlagzeilen. Wie gesund ist Milch wirklich?

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Sie liefert wertvolles Eiweiß, Vitamine, Mineralstoffe - und mehr Kalorien als Cola - allein deshalb sollte man Milch mit Bedacht konsumieren. Ernährungswissenschaftler zählen sie übrigens zu den Nahrungsmitteln, nicht zu den Getränken.

Doch das Lebensmittel Kuhmilch sollte noch wegen anderer Aspekte kritisch hinterfragt werden.

Schützt Milch vor Osteoporose?

Milch liefert zumindest Kalzium, das sich positiv auf die Knochendichte auswirkt. Vor allem in jungen Jahren ist es wichtig, genug Kalzium zu sich zu nehmen.

Die Frage klingt einfach - doch sie ist alles andere als trivial.

Mehrere Untersuchungen deuten darauf hin, dass Milch das Wachstum bei Kleinkindern und Jugendlichen fördert. Das gilt allerdings nur für Milch, nicht für Milchprodukte.

Forscher errechneten, dass 245 Milliliter Milch pro Tag zu einer Steigerung des Längenwachstums von 0,4 Zentimetern pro Jahr führt.

Schützt Milchkonsum vor Krebs?

Vor manchen Krebsarten ja, vor manchen nicht. Milchtrinker erkranken Studien zufolge seltener an Dickdarmkrebs.

Andere Untersuchungen zeigen aber auch, dass Männer umso häufiger Prostatakrebs bekommen, je mehr Milch sie trinken. Ernährungswissenschaftler empfehlen Männern deshalb einen moderaten Milchkonsum.

Kann man rohe Milch bedenkenlos trinken?

Nein, und deshalb darf Rohmilch nur in Ausnahmefällen in Deutschland verkauft werden. Bis in den USA flächendeckend pasteurisiert wurde, verursachte Rohmilch dort nach Schätzungen etwa 25 Prozent aller Lebensmittelvergiftungen.

Durch den Konsum von Rohmilch kann man sich unter anderem mit Typhus- und Diphterie-Erregern, mit Salmonellen und EHEC infizieren.

Forscher der Universität Hohenheim haben erst kürzlich einen Fall untersucht, in dem zwei Menschen Käse aus Ziegenrohmilch aßen und dazu Rohmilch tranken. Die beiden erkrankten danach an FSME, einer Hirnhautentzündung, die durch einen Virus ausgelöst wird.

Übrigens: Wer gekaufte Rohmilch selbst abkocht, verliert mehr Vitamine als beim Kauf von Frisch- oder H-Milch.

Ist H-Milch weniger gesund als Frischmilch?

Ultrahocherhitzte Milch, auch H-Milch genannt, enthält etwas weniger Vitamine als Frischmilch. Der Unterschied beträgt im Durchschnitt aber nur ein paar Prozent.

Frischmilch ist keine rohe Milch: Sie wird nach dem Melken pasteurisiert, also auch wärmebehandelt - nur eben nicht bei so hohen Temperaturen wie H-Milch. Die Vitamine A, D, E, B2 und B5 bleiben bei beiden Verfahren fast vollständig erhalten.

Eine Ausnahme bildet Vitamin C: Dessen Gehalt liegt bei Frischmilch um bis zu 20 Prozent höher als bei H-Milch. Der größte Vitamin-C-Killer ist allerdings nicht die Haltbarmachung, sondern eine lange Lagerzeit.

Ist Kuhmilch für Menschen ungeeignet, weil sie für Kälber gedacht ist?

Nein - jedenfalls nicht, wenn man Laktose verträgt. Das Argument, dass Milch nicht für den Menschen gemacht ist, ließe sich ja auf jedes natürliche Nahrungsmittel übertragen.

Auch Nüsse und Bohnen, Äpfel und Tomaten sind von den Pflanzen nicht für den menschlichen Verzehr entwickelt worden.

Gibt es viele Menschen, die keine Milch vertragen?

Weltweit kann nur eine Minderheit der Menschen Milch gut verdauen. Je nach Schätzung produzieren zwei Drittel bis 90 Prozent der Weltbevölkerung nicht genug von dem Enzym Laktase, mit dem der Körper den Milchzucker verdaut. Trinken sie dennoch Milch, können Bauchschmerzen, Durchfall und Übelkeit die Folge sein.

In Deutschland haben aber nur sieben bis acht Prozent der Bevölkerung solche Symptome. Sie leiden an einer sogenannten Laktoseintoleranz.

Ist es gefährlich Milch von Kühen zu trinken, die entzündete Euter haben?

Nicht, wenn sie pasteurisiert wurde. Milch wird regelmäßig auf ihren Keim- und Zellgehalt untersucht.

Bei Entzündungen im Euter, der sogenannten Mastitis, finden sich mehr Zellen in der Milch. Ab einem gewissen Zellgehalt bekommt der Betrieb weniger Geld für die Milch; er hat also auch ein wirtschaftliches Interesse daran, dass seine Herde gesund ist.

Milch, die stark verkeimt ist, darf nicht verkauft werden.

Geht es "Bio-Kühen" besser als konventionell gehaltenen?

Milchkühe in Bio-Betrieben haben unter anderem mehr Platz. Allerdings sind sie praktisch genauso häufig krank wie ihre konventionell gehaltenen Artgenossen.

Mitunter werden sie mit homöopathischen und pflanzlichen Medikamenten behandelt, deren Wirksamkeit oft nicht nachweisbar ist.

Wie viel Milch trinken die Deutschen?

Im Durchschnitt verzehren Deutsche 83,7 Kilogramm Milch und Milchprodukte pro Jahr. Das entspricht etwa 230 Gramm pro Tag, also etwa einem Glas Milch oder einem Päckchen Quark.

Allein in Deutschland werden zur Milchgewinnung 4,2 Millionen Kühe gemolken. Pro Tag geben sie im Durchschnitt 20 Kilogramm Milch.

Etwa ein Drittel von ihnen wird vorzeitig geschlachtet, weil sie dem Produktionsdruck nicht standhalten und krank werden. Oft sind ihre Euter entzündet, oder sie sind vom vielen Melken ausgezehrt.

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(dpa / jwo)