Lachen ist gesund, heißt es. Doch ist dem wirklich so? Kann regelmäßiges Lachen für bessere Gesundheit und einen zufriedenen Geist sorgen? Glücksforscherin Judith Mangelsdorf verrät Interessantes rund um das Thema Lachen.

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Seit 1998 versammeln sich am 5. Mai Tausende Menschen weltweit, um gemeinsam herzhaft zu lachen. Seinen Ursprung hat der Weltlachtag im Yoga. Sein Erfinder, der Yogi Madan Kataria, wollte für den Weltfrieden lachen und darauf aufmerksam machen, wie wichtig es für Körper und Geist ist.

Anatomisch betrachtet bewegen sich beim Lachen 135 Muskeln im Körper. Es fängt an der mimischen Muskulatur an den Augen an, danach folgen die Muskeln seitlich des Mundes.

Wird kräftig gelacht, sind nicht nur die Mimikmuskeln im Gesicht aktiv. Auch verschiedene Hals- und Rippenmuskeln sowie Zwerchfell und Bauchmuskeln wirken mit.

So beeinflusst Lachen die Hormone

Auch im Verborgenen arbeitet der Körper dann auf Hochtouren. Der Blutdruck steigt. Durch die veränderte Atmung beim Lachen gelangt mehr Sauerstoff in die Lunge - und über den Blutkreislauf in die Zellen.

Zudem werden verstärkt Glückshormone ausgeschüttet. Stresshormone hingegen werden gebremst. Auch das Glykoprotein Interferon-γ kann nach Erkenntnissen des US-amerikanischen Immunologen Lee S. Berk durch Lachen vermehrt im Blut nachgewiesen werden. Es hat antivirale Wirkung und stimuliert das Immunsystem.

Ist der Lachanfall vorbei, beginnt der Körper sich wieder zu entspannen und Stresshormone abzubauen. Dieser positive Stresszustand soll laut Lachforschern - auch Gelotologen genannt - für schnelle Entspannung sorgen. Nur eine Minute intensives Lachen wirke auf Körper und Geist so belebend wie ein 45 minütiges Entspannungstraining.

Die Diplompsychologin und Glücksforscherin Judith Mangelsdorf von der Deutschen Gesellschaft für Positive Psychologie (DGPP) hat mit uns über das Thema Lachen gesprochen.

Frau Dr. Mangelsdorf, laut und offen, zurückhaltend kichernd oder verschämt grinsen - die Art des Lachens scheint viel über das Gemüt einer Person auszusagen. Ist das so?

Dr. Judith Mangelsdorf: Ja und nein. Die Art, wie wir lachen, zeigt einen Teil unserer Persönlichkeit. Bin ich eher introvertiert werde ich womöglich häufiger zurückhaltend lächeln, während sehr extrovertierte Menschen oft offensiver lachen.

Aber die Art des Lachens sagt nicht nur etwas über den Menschen aus, sondern mindestens genauso viel über die Situation, in der gelacht wird.

Wer sich wohl und sicher fühlt, zum Beispiel bei einem ausgelassenen Abend mit Freunden, wird eher offensiv und herzlich lachen als in anderen Situationen, wie beispielsweise einem Bewerbungsgespräch, ich dem ich seriös wirken möchte.

Wie wirkt sich eine Lachtherapie aus?

Die Lachtherapie ist aus dem Yoga bekannt, sie soll vor allem Stress lösen. Als Therapie im engeren Sinne, also als Möglichkeit psychische Krankheiten zu heilen, ist diese Methode aber weder erforscht, noch können Sie Ihre Krankenkasse bitten, Ihnen das professionelle Lachen zu finanzieren.

Die Wirkweise ist die gleiche wie in allen anderen Situationen des Lachens: Durch die Ausschüttung von Glückshormonen werden Stresshormone wie Cortisol abgebaut und man entspannt sich.

Muss man "richtig" lachen, also sich quasi vor Lachen schütteln, damit der Körper davon profitiert? Oder wirkt sich auch ein leises Lächeln positiv auf das Immunsystem aus?

Wissenschaftlich gesehen, ist der Satz "Lachen ist gesund" gar nicht ganz korrekt. Was gesund macht, ist nämlich nicht das Lachen selbst, sondern es sind die positiven Gefühle, die wir erleben, wenn wir lachen.

Dazu zählen zum Beispiel Glück, Freude, Amüsiertheit, Gelassenheit, Dankbarkeit, Stolz, Hoffnung und Liebe. Diese sind mit der Ausschüttung von Glückshormonen, wie Serotonin, Dopamin und Oxytocin verbunden, die stresslösend wirken und auch kardiovaskulär (Herz und Gefäße betreffend, Anm. d. Red.) hilfreich für unsere Gesundheit sind.

Das äußere Lachen - egal wie stark es ist - ist nur der soziale Ausdruck dieser Gefühle, um anderen zu zeigen, wie es in uns aussieht.

Auch wenn Sie zu tiefst glücklich sind, es nur grade nicht nach außen zeigen können, wirkt sich dies positiv auf Ihre Gesundheit aus. Umgekehrt - also beim Lachen ohne inneres Glückserleben - funktioniert das nicht.

Es heißt, man könne das Gehirn austricksen, wenn man grundlos lächelt. Kann man die persönliche Stimmung durch ein aufgesetztes Grinsen überlisten?

Die Idee durch ein aufgesetztes Grinsen glücklicher zu werden oder indirekt auf die eigene Stimmung zu wirken, ist nicht neu, aber bislang wissenschaftlich kaum belegt.

Statt morgens fünf Minuten grundlos in den Spiegel zu grinsen, sollten Sie sich fragen: Was kann ich nach dem Aufstehen in fünf Minuten für mich tun, das mich glücklich macht? Dann haben Sie tatsächlich einen echten Grund zu lachen.

Ist Lachen in der Gruppe gesünder als alleine?

Ja, davon ist auszugehen. Wenn Sie allein lachen, zum Beispiel beim Lesen eines guten Buches oder beim Fernsehen, lachen Sie meist nur kurz.

Wenn aber gleichzeitig andere im Raum sind, dann steckt man sich sprichwörtlich gerne gegenseitig wieder an, weil wir auf das Lachen anderer reagieren. In Gemeinschaft lacht man also meist mehr, länger und intensiver. Und das wirkt dann auch stärker auf unser Immunsystem.

Wie wichtig ist Lachen in der Gesellschaft? Hilft es uns bei sozialen Interaktionen?

Extrem wichtig. Das Lachen als Ausdrucksform hat eine ganz klare evolutionäre Wurzel. Jede Form der Mimik, wie auch das Lachen, erfüllt vor allem den Zweck, dass unser Gegenüber besser einschätzen kann, wie es in uns aussieht.

Lachen signalisiert dem Gegenüber: Ich tue Dir nichts. Ich möchte Dich nicht bekämpfen, sondern Freundschaft schließen.

Früher sicherte die Fähigkeit, zu lachen und es richtig zu deuten, das soziale Überleben. Und auch heute fühlen wir uns im Kontakt mit anderen, gerade fremden Menschen gegenüber, sehr viel wohler, wenn Sie uns zumindest ein Lächeln schenken.

Was passiert mit uns, wenn wir einen lachenden Menschen angucken?

Im Gehirn setzt sich sofort etwas in Gang. So wie wir unwillkürlich innerlich zusammenzucken, wenn wir mit ansehen, wie jemand anderem etwas Schweres auf den Fuß fällt, reagiert unser Hirn auch auf das Lachen anderer.

Dieses Phänomen ist vor allem unter dem Begriff der Spiegelneurone bekannt, die uns dann in einen ähnlichen emotionalen Zustand versetzen wie unser Gegenüber. Wir sind dann im wahrsten Sinne des Wortes mit-fühlend.

Haben Sie einen persönlichen Tipp für den Alltag?

Seien Sie authentisch. Lächeln oder lachen Sie nicht, weil es von Ihnen erwartet wird. Was auf Ihr Gegenüber am stärksten wirkt, ist nicht, was Ihr Mund zum Ausdruck bringt, sondern Ihre Augen. Und das können Sie nicht fälschen.

Ein "fake smile", das aufgesetzte Lächeln, transportiert Ihrem Gegenüber nicht Wohlwollen, sondern das Gefühl, dass hier irgendetwas falsch ist. Sorgen Sie lieber dafür, dass Sie in Ihrem Leben viele gute Gründe haben wirklich glücklich zu sein. Das Lachen kommt dann ganz von allein.

Verwendete Quellen:

  • Gespräch mit Dr. Judith Mangelsdorf, Diplompsychologin und Glücksforscherin
  • Dr-lee-berk.com: "You Asked: Does Laughing Have Real Health Benefits?"
  • 3sat.de: "Fast der ganze Körper teilt die gute Laune mit"
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