• Derzeit sind die Corona-Neuinfektionen wieder auf einem höheren Niveau – die Rede ist von einer Corona-Sommerwelle.
  • Wem die Stiko nun die vierte Impfung empfiehlt.
  • Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um Auffrischimpfungen.

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Zweite Auffrischungsimpfung: Wem rät die Stiko derzeit zur vierten Impfung?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt eine zweite Booster-Impfung bislang vier Personengruppen:

  • Allen ab 70 Jahren
  • Menschen, die von einer Immunschwäche betroffen sind
  • Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen
  • Personal in medizinischen oder pflegerischen Einrichtungen

Gilt die Empfehlung, weil man gesundheitlich gefährdet ist, sollte man die vierte Impfung frühestens drei Monate nach der dritten bekommen. Bei medizinischem Personal sollten laut Stiko mindestens sechs Monate verstrichen sein.

Wieso gibt es keine allgemeine Empfehlung für eine vierte Impfung?

Hinter einer allgemeinen Empfehlung zu einer weiteren Auffrischimpfung müsse – wie bei jeder medizinischen Maßnahme – eine begründete medizinische Indikation stehen, teilte der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens auf dpa-Anfrage mit. Die Annahme "Viel hilft viel" könne hierbei nicht der Leitsatz sein. "Der Handlungswille von Politikern ist ein wesentliches Element der politischen Gestaltung, allerdings müssen die resultierenden Handlungen vor ihrer Umsetzung soweit irgend möglich geprüft sein."

Es müssten Daten und Erkenntnisse zu einer Reihe von Punkten vorliegen, führte Mertens aus. Es gehe darum, was die bereits verfügbaren und die in Entwicklung befindlichen angepassten Covid-19-Impfstoffe in der aktuellen Situation leisten können: Wie gut schützen sie vor Infektion und Erkrankung durch alle bisher bekannten Virusvarianten? Und welche weiteren Entwicklungen bei Varianten lassen sich überhaupt erkennen?

Vor allem zu diesen beiden Punkten lägen derzeit keine ausreichenden, belastbaren Daten vor, erklärte der Virologe. "Das Vorliegen der Daten ist eine Voraussetzung für eine begründete neue Impfempfehlung für alle und muss auch beim "Handlungswillen" der Politik unbedingt Berücksichtigung finden." Außerdem müsse noch beachtet werden, ob es neue Aspekte bei der Sicherheit der Impfstoffe gibt und wie sich die Immunität von Geimpften und/oder Genesenen entwickelt.

Weitere Experten stärken der Stiko auf dpa-Anfrage den Rücken. Der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, teilte mit, er sehe aktuell noch keinen Bedarf für eine generelle Empfehlung zu einer vierten Impfung. Für immungesunde Menschen gelte, dass der Schutz vor schwerer Erkrankung auch mehr als sechs Monate nach der dritten Impfung immer noch sehr hoch sei.

Wer wolle, könne sich – auch ohne unter die Stiko-Empfehlung zu fallen – ein viertes Mal impfen lassen, um den Immunschutz wieder in etwa auf ein Niveau wie kurz nach der dritten Impfung zu bringen. Dies schade nicht und man verbaue sich nichts in Bezug auf eine eventuell fünfte Impfung mit einem an Omikron angepassten Impfstoff. "Bei einer generellen Empfehlung befürchte ich jedoch, dass bei vielen der Eindruck entsteht, dass ich mich alle sechs Monate impfen muss, um geschützt zu sein. Und das stimmt ja nicht und könnte zu einer Impfmüdigkeit führen", sagte Watzl.

"Ich denke, dass die Empfehlungen der Stiko sehr ausgewogen und sachgerecht sind", erklärte auch der Immunologe Andreas Radbruch, Wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums in Berlin. Eine vierte Impfung jetzt für alle sehe er aus mehreren Gesichtspunkten kritisch. Einer davon: Die vierte Impfung mit den bisher verfügbaren Impfstoffen schütze "nur sehr unvollkommen vor Infektion und Infektiosität". Radbruch bezieht sich dabei auf israelische Daten, die sich auf den Schutz vor Omikron beziehen. Er nimmt an, dass der Schutz auch eher kurz anhält.

Auch Radbruch betont: Schon die zweite und dritte Impfung schützten sehr gut vor schwerer Krankheit und Tod. Eine vierte Impfung mit den bisherigen Impfstoffen setze wahrscheinlich nur wenig darauf, könne aber eventuell sogar hinderlich sein, später auf neue Impfstoffe und Virusvarianten optimal zu reagieren.

Kann ich herausfinden, wie gut mein Impfschutz derzeit ist, um daraus meine Entscheidung abzuleiten?

Nein. "Man kann nicht in der Breite die Antikörperspiegel messen, um daraus die Entscheidung für eine weitere Impfung zu ziehen", sagt Tobias Welte. Am Ende hängt die individuelle Entscheidung auch daran, welches Infektionsrisiko man durch seinen Lebensstil hat – und wie viel Kontakt man im Alltag mit vulnerablen Menschen hat.

"Wenn die letzte Impfung sechs Monate her ist und jemand nun im Sommer auf Festivals oder Großveranstaltungen gehen will, ist eine weitere Impfung wahrscheinlich ratsam", sagt Christoph Spinner. "Wer von zu Hause aus arbeitet und außerhalb von Familie und Freunde wenig Kontakte hat, kann sicher noch etwas warten."

Stichwort Timing: Auch das kann bei der individuellen Entscheidungsfindung eine Rolle spielen. "Wenn wir die wirklich starke Fallzahlen-Steigerung erst im Herbst bekommen, haben die jetzt Geimpften nicht mehr den besten Schutz", sagt Welte.

Kann es von Nachteil sein, wenn ich mich noch einmal boostern lasse?

"Eine zweite Booster-Impfung ist auf keinen Fall ein Fehler, wenn die erste mindestens drei Monate zurückliegt", sagt Christoph Spinner. Allerdings: Wie groß der Nutzen ist, hängt vor allem davon ab, ob man einer Risikogruppe angehört und wie lange die letzte Impfung her ist.

Folgen die dritte und vierte Impfung zu schnell aufeinander, bringt das allerdings wenig Nutzen. "Darauf kann das Immunsystem aufgrund seiner begrenzten Kapazitäten gar nicht reagieren. Stimulieren Sie es weiter, kommt es zu keiner Reaktion mehr", erklärt Tobias Welte.

Er rät dazu, einen Abstand von sechs Monaten zwischen dritter und vierter Impfung einzuhalten.

Jünger und dreifach geimpft: Macht ein zweiter Booster Sinn? Wie Karl Lauterbach die Lage einschätzt

Wer sich unsicher ist, kann und sollte mit seinem Hausarzt oder seiner Hausärztin sprechen, das sagt auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach bei der Bundespressekonferenz am 17. Juni 2022. Die Stiko könne nur eine allgemeine Empfehlung liefern. Lauterbach selbst betonte, dass er selbst bereits viermal geimpft sei. Und dass er auch jüngeren Menschen, die viele Kontakte haben und ihr Umfeld nicht infizieren wollen, empfehle, über eine vierte Impfung nachzudenken. Bei dieser Entscheidung spielten individuelle Faktoren wie Vorerkrankungen eine Rolle, die von Patientinnen und Patienten sowie deren Ärztinnen und Ärzten abgewägt und getroffen werden sollten.

Wenn ich nicht unter die Stiko-Empfehlung falle: Wie finde ich heraus, ob sich ein zweiter Booster für mich lohnt?

Eine klare Antwort auf diese Frage gibt es derzeit nicht – es führt kein Weg daran vorbei, seine persönliche Situation abzuwägen. Klar ist aber: Mit der Zeit nimmt die Immunität gegen COVID-19 ab. "Es gibt nicht den vollständigen oder gar keinen Schutz, sondern der Schutz liegt abgestuft dazwischen", sagt Christoph Spinner. Er ist Oberarzt und Infektiologe am Universitätsklinikum Rechts der Isar der Technischen Universität München.

Nach seiner Aussage besteht der beste Impfschutz ein bis drei Monate nach der dritten Impfung. Danach baut er ab – aber nicht bei jedem Menschen im gleichen Maße und Tempo. "Bei Älteren lässt der Schutz schneller nach, weil ihr Immunsystem nicht mehr so gut durch Impfungen trainierbar ist wie das jüngerer Menschen", erklärt Spinner, der auch zu Corona-Impfstoffen forscht.

Chronisch Kranke und immungeschwächte Menschen sprechen generell schlechter auf die Impfung an und verlieren auch den Schutz schneller, so der Infektiologe. Für sie ist eine vierte Impfung oder gar fünfte Impfung somit eher sinnvoll.

Laut Prof. Tobias Welte von der Medizinischen Hochschule Hannover kann es auch vom Geschlecht abhängen, wie sich der Impfschutz im Laufe der Zeit verhält: Bei Männern nimmt er im Durchschnitt schneller ab als bei Frauen.

Der Direktor der Klinik für Pneumologie rät dazu, nicht mit falschen Erwartungen auf eine vierte Impfung zu blicken. "Die Impfung schützt vor schwerer Erkrankung zwar immer noch sehr, sehr zuverlässig", sagt Welte.

Aber die derzeit zirkulierenden Omikron-Varianten sind leicht übertragbar. "Bei BA.5 liegt beispielsweise auch nach drei Impfungen die Schutzwirkung vor einer Infektion inzwischen bei unter 20 Prozent", sagt Welte.

Man sollte an den zweiten Booster besser nicht die Erwartung heften, so eine Infektion komplett vermeiden zu können.


Und wenn ich mich nach der dritten Impfung bereits mit Omikron infiziert habe?

"Dann ist die Erkrankung quasi auch eine Art Booster", sagt Welte. Wie lange die dadurch gebildeten Antikörper jedoch schützen, ist unklar. Aus seiner Sicht kann man in diesem Fall mit der vierten Impfung möglicherweise auch länger als sechs Monate warten. Doch auch hier gilt: Es fehlen Daten, um handfeste Empfehlungen zu geben.

Wann wird es neue Omikron-Impfstoffe von Biontech geben?

Karl Lauterbach rechnet derzeit (Stand 17. Juni 2022) mit einer Lieferung im September. Man habe verschiedene Impfstoffe bestellt und rechne damit, jedem und jeder ein Impfangebot machen zu können, der oder die das wolle.

Lauterbach: Corona-Tests sollen nicht mehr für alle kostenlos sein

Gesundheitsminister Karl Lauterbach plant, den Zugang zu kostenlosen Corona-Tests deutlich einzuschränken. Dies sei Teil der "Corona-Herbststrategie" des Ministeriums.

Sind geboosterte Infizierte genauso ansteckend wie Ungeimpfte?

Nein. Das ergab zumindest eine Studie rund um die Schweizer Forschenden Isabella Eckerle und Benjamin Meyer von der Universität Genf. Im Rahmen der Studie, die sich auf den Omikron-Subtyp BA.1 bezieht, wurden 565 Corona-infizierten Menschen innerhalb der ersten fünf Tage nach Symptombeginn Abstriche von der Nasenschleimhaut genommen.

Die Untersuchung deckte also quasi den gesamten bisherigen Pandemie-Verlauf ab: Es wurde Infektionen mit der ursprünglich zirkulierenden Variante sowie mit der Delta- und der Omikron-Variante erfasst. Ein Teil der Teilnehmenden war ungeimpft, ein anderer Teil war zweifach geimpft oder geboostert. Fast alle Geimpften hatten einen RNA-Impfstoff bekommen.

Die Forschenden ermittelten dann den sogenannte Ct-Wert, der angibt, wie viel Erbgut des Virus in einer Probe vorhanden ist. Zudem bestimmten sie über Zellkultur-Versuche die Menge infektiöser Viruspartikel in einer Probe. Dies ist ein besserer Indikator für die Ansteckungsfähigkeit eines Erkrankten, wie die Untersuchungen der Forschenden bestätigten.

Wem empfiehlt die Stiko eine Auffrischimpfung (dritte Impfung)?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt Menschen ab 18 Jahren eine Auffrischimpfung. Zum Einsatz kommen die mRNA-Vakzine Spikevax des Herstellers Moderna und Comirnaty von Biontech/Pfizer.

Beim Boostern sollte laut Stiko außerdem Folgendes berücksichtigt werden:

  • Der Booster erfolgt ausschließlich mit mRNA-Impfstoffen.
  • Menschen unter 30 empfiehlt die Stiko ausschließlich den Impfstoff von Biontech/Pfizer, älteren auch den Impfstoff von Moderna.
  • Wer den Impfstoff "Janssen" von Johnson & Johnson erhalten hat, sollte den Impfschutz mit einem mRNA-Impfstoff erhöhen.
  • Zur Reihenfolge der Impfung: Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen sollten bevorzugt geboostert werden.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Booster (dritte Impfung)?

Unabhängig des zuerst verwendeten Impfstoffes gilt: Die Grundimmunisierung sollte laut Stiko mindestens drei Monate zurückliegen. Bei Menschen ab fünf Jahren mit stark geschwächtem Immunsystem und bei denen eine deutlich verminderte Immunantwort zu erwarten ist, ist eine dritte Impfung als "Optimierung der primären Impfserie" bereits vier Wochen nach der zweiten Spritze möglich. Über eine weitere Booster-Impfung soll laut Stiko individuell entschieden werden.

Mit welchem Impfstoff sollte man sich boostern lassen?

Wer bei der Grundimmunisierung einen mRNA-Impfstoff erhalten hat, sollte diesen nach Möglichkeit auch bei der Auffrischimpfung verabreicht bekommen, heißt es seitens der Stiko. Wenn dieser nicht verfügbar ist, könne auch das andere Vakzin verimpft werden.

Am 7. Dezember teilte die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) mit, dass sogenannte Kreuzimpfungen sowohl für die Grundimmunisierung als auch für das Boostern zu empfehlen seien, da sie einen besonders guten Impfschutz bieten können. Bei diesem sogenannten heterologen Impfschema kommen etwa ein vektorbasierter und ein mRNA-Impfstoff für die Grundimmunisierung zum Einsatz.

Was ist in der dritten Corona-Impfung?

Generell handelt es sich bei der Booster-Impfung um eine weitere Impfung eines zugelassenen mRNA-Vakzins. In Deutschland sind aktuell die Impfstoffe Comirnaty von Biontech/Pfizer und Spikevax von Moderna zugelassen. Während Comirnaty in der gleichen Dosis wie bei der Grundimmunisierung verabreicht wird, kommt bei Spikevax für den Booster nur die halbe Menge zum Einsatz.

Warum heißt es überhaupt Booster-Impfung?

Das englische Wort "booster" heißt auf Deutsch übersetzt "Verstärkung". Auch in der Medizin und speziell in der Immunologie spricht man von einem Booster oder dem Booster-Effekt. Eine Auffrischimpfung verstärkt und beschleunigt die Immunantwort des Körpers, die er bereits durch eine Grundimmunisierung erlangt hat.

Generell dienen Booster-Impfungen dazu, einen bereits bestehenden Impfschutz aufzufrischen. So soll auch die dritte Corona-Impfung den Schutz vor dem Virus (nochmal) erhöhen. Studien zeigen inzwischen, dass sich bei vollständig Geimpften, aber auch Genesenen die Anzahl der Antikörper gegen das Virus nach einigen Monaten reduziert – und besonders der Schutz vor asymptomatischen Verläufen und leichten Krankheitsverläufen abnimmt. Durch die dritte Injektion erhöht sich die Anzahl der Antikörper gegen das Virus wieder.

Verwendete Quellen:

  • Bundespressekonferenz am 17. Juni 2022
  • Robert-Koch-Institut: Aktuelle Daten und Informationen zu Infektionskrankheiten und Public Health
    Epidemiologisches Bulletin (4. April)
  • European Medicine Agency: EMA and ECDC recommendations on heterologous vaccination courses against COVID-19
  • Zoe Covid Study: Protection provided by COVID vaccines fades over time
  • Ema.europa.eu: Comirnaty and Spikevax: EMA recommendations on extra doses and boosters
  • Medrxiv.org: Protection Across Age Groups of BNT162b2 Vaccine Booster against Covid-19
  • Who.int: Interim statement on booster doses for COVID-19 vaccination
  • Ndr.Info: Coronavirus-Update
  • Material der dpa
  • eigene Recherchen

Corona-Update: Experten gehen von hoher Dunkelziffer bei Inzidenzen aus

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz am Freitagmorgen mit 427,8 angegeben. Am Vortag hatte der Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche bei 480,0 gelegen. Experten glauben an eine höhere Dunkelziffer.


Dieser Artikel wurde am 22.06.22 aktualisiert.

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