Wenn man der deutschen Energiewende eine Definition verpassen wollte, könnte diese in etwa so lauten: Die Energiewende ist ein gewaltiges politisches und wirtschaftliches Projekt, das die Bereiche der Innen- und Außenpolitik ebenso berührt wie die der Umwelt- und Sozialpolitik.

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Ihr Ziel ist nicht mehr und nicht weniger als die Abkehr von der konventionellen Energieerzeugung aus Kohle, Gas, Öl und Kernkraft – bei gleichzeitigem Ausbau von Anlagen, die grüne Energie aus regenerativen Quellen wie Wind, Wasser, Sonne, Erdwärme und Biomasse gewinnen.

Dabei steht im Fokus, nachhaltig Energie zu erzeugen und zu nutzen. Das bedeutet zum einen, umwelt- und klimafreundlich mit Ressourcen umzugehen anstatt weiterhin fossile Brennstoffe zu verfeuern, die große Mengen Kohlendioxid abgeben. Zum anderen heißt es auch, die wirtschaftlichen Abhängigkeiten von externen Rohstofflieferanten zu reduzieren, die sich häufig auch politisch als problematisch erweisen.

Auch der deutsche Atomausstieg ist inzwischen längst beschlossene Sache. Er gilt als wichtiger Meilenstein in der Geschichte der Energiewende. Es folgen einige Daten und Zahlen zum Projektverlauf und zum heutigen Stand der Energiewende in Deutschland.

  • 1. Januar 1991: Das deutsche Stromeinspeisungsgesetz, entworfen von Matthias Engelsberger (CSU) und Wolfgang Daniels (Grüne) tritt in Kraft. Es gilt als das weltweit erste Gesetz, das die Einspeisung von Ökostrom in ein Stromnetz regelt. Die Netzbetreiber werden verpflichtet, den grünen Strom abzunehmen und den Erzeugern eine Mindestvergütung zu zahlen.
  • 1. April 2000: Das rot-grüne Kabinett unter Bundeskanzler Gerhard Schröder beschließt den schrittweisen Atomausstieg. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ersetzt das deutsche Stromeinspeisungsgesetz. Die Vergütungssätze für den Ökostrom werden reformiert und differenziert; das Vorrangprinzip für grünen Strom bei der Netzeinleitung wird im Gesetz verankert.
  • 28. Oktober 2010: Das schwarz-gelbe Kabinett unter Bundeskanzlerin Angela Merkel beschließt eine Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke und bremst den Atomausstieg damit zugunsten der Atomwirtschaft aus.
  • 11. März 2011: Die Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima macht weite Landstriche aufgrund radioaktiver Strahlung unbewohnbar und hochradioaktiv kontaminiertes Wasser fließt in den Pazifik.
  • 14. März 2011: Bundeskanzlerin Angela Merkel verhängt ein Atom-Moratorium. Alle 17 deutschen Kernkraftwerke werden einer dreimonatigen Sicherheitsprüfung unterzogen. Das AKW Krümmel und die sieben ältesten deutschen Kernkraftwerke werden vorübergehend abgeschaltet.
  • 27. März 2011: Die Grünen gewinnen die Landtagswahlen in Baden-Württemberg; Winfried Kretschmann wird der erste grüne Ministerpräsident eines deutschen Bundeslandes. Laut Umfragen steigt der Anteil der Kernkraftgegner in Deutschland auf über 70 Prozent.
  • 30. Juni 2011: Bundestag und Bundesrat beschließen mit deutlicher Mehrheit, die acht abgeschalteten Kernkraftwerke stillzulegen. Alle übrigen deutschen Kernkraftwerke sollen bis 2022 folgen.
  • 2015: Die regenerative Energieerzeugung überholt anteilmäßig alle anderen Stromquellen in Deutschland und wird zur wichtigsten Energiequelle. Fast ein Drittel der erzeugten Strommenge kommt aus erneuerbaren Quellen wie Windkraft, Photovoltaik (Sonnenenergie) oder Biomasse.

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Das kennzeichnet die Energiewende aktuell

Auch heute ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz untrennbar mit der fortschreitenden Energiewende in Deutschland verknüpft. Es fördert den Ausbau von Anlagen, die aus Sonne, Wind, Wasser, Erdwärme und Biomasse elektrische Energie gewinnen. Es bestimmt nach wie vor die Höhe der Einspeisevergütung und sorgt beim Einleiten ins Stromnetz für den Vorrang der grünen Energie aus regenerativen Quellen vor konventionell erzeugter Energie aus Kohle-Verstromung oder Kernkraft.

Andererseits gehört Deutschland heute im Vergleich der Industrieländer zu den Standorten mit dem höchsten Preis pro Kilowattstunde Strom – und das obwohl es große Mengen grüne Energie gibt und der Börsenpreis für Strom auf Rekordtief verharrt. Wie passt das zusammen?

Dass so viel Ökostrom fließt, verdeutlicht: Die Energiewende verzeichnet weitreichende Erfolge. Dazu sind die Börsenpreise niedrig und es gibt immer mehr dezentrale Energieerzeuger jenseits der großen Netze. Dass sich dies bei vielen Verbrauchern aber noch nicht positiv auf die Stromrechnung auswirkt, liegt in erster Linie an der derzeit hohen Besteuerung und Abgabenlast, die zusammen mit dem Netzentgelt etwa 50 Prozent des Strompreises ausmacht.

Hinzu kommen Subventionen wie die EEG-Umlage, die an die Netzbetreiber fließt. Sie dient als Ausgleich dafür, dass die Netzbetreiber den Erzeugern grüner Energie einen garantierten Mindestpreis für die Einspeisung des Ökostroms ins Stromnetz zahlen müssen, der deutlich über dem Börsenpreis für Strom liegt. Zudem haben viele Kunden immer noch teure Grundversorgungstarife. Wer verschiedene Anbieter und Tarife vergleicht, kann oft viel Geld bei der Stromrechnung sparen.

Da der Strompreis ein wichtiger Standortfaktor ist, genießen energieintensive Industriebetriebe häufig Sonderkonditionen und sind beispielsweise von der Zahlung der EEG-Umlage befreit, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit nicht zu gefährden.

Fazit zur Energiewende

Bis heute ist die Energiewende in Deutschland weit gekommen. Sie sorgt für einen großen Anteil klimafreundlichen Stroms, verringert wirtschaftliche und politische Abhängigkeiten bei der Beschaffung konventioneller Energieträger und schafft Arbeitsplätze in nachhaltigen Technologiefeldern. Damit der Großteil der Verbraucher auch mit der Stromrechnung finanziell von den Erfolgen der Energiewende profitieren kann, ist es an der Politik, Preisgestaltung und Subventionen anzupassen.© 1&1 Mail & Media