Seit Jahren schon steigen die Strompreise für die meisten Privathaushalte in Deutschland. Laut offizieller Statistiken sogar schneller als die sonstigen Verbraucherpreise. Eigentlich sollte die Liberalisierung des Strommarktes, die 1998 veranlasst wurde, durch mehr Konkurrenz auf dem Strommarkt das Gegenteil bewirken. Doch offenbar haben andere Faktoren die Strompreisentwicklung in Deutschland bis heute deutlich stärker beeinflusst. Welche das sind und wie die Prognose für das Jahr 2016 lautet, erfahren Sie in diesem Artikel.

WEB.DE Energie: Jetzt zu WEB.DE Strom wechseln und sparen!

Wohin entwickelt sich der Strompreis in Deutschland?

Wer wissen will, in welche Richtung sich die Strompreise in Deutschland entwickeln, der sollte auf den sogenannten Strompreisindex schauen. Der Index dient dazu, die Strompreisentwicklung grafisch zu veranschaulichen und wird für jedes Netzgebiet unter Berücksichtigung der Einwohnerzahl berechnet. Weitere Faktoren, die bei der Berechnung des Strompreisindex miteinbezogen werden, sind:

  • Der jeweilige Grundversorgungstarif
  • Der günstigste Alternativtarif des Grundversorgers
  • Die zehn günstigsten Stromtarife der Konkurrenz

Als Grundlage der Berechnung dient ein Vier-Personen-Haushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 5000 Kilowattstunden (kWh). Ist der aktuelle Strompreisindex ermittelt, kann die Strompreisentwicklung im Vergleich zu den restlichen Verbraucherpreisen abgebildet werden, die vom Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamtes erfasst werden. In dessen Berechnung fließen die Strompreise ebenso ein.

Wie hat sich der Strompreis in den letzten Jahren entwickelt?

Stellt man den Strompreisindex und den Verbraucherpreisindex gegenüber, dann zeigt sich ein klarer Trend. Der Strompreis ist zwischen 2008 und 2015 gegenüber den restlichen Verbraucherpreisen überdurchschnittlich stark gestiegen – insgesamt um 37 Prozent. So eine enorme Preissteigerung kann allein durch Energiesparmaßnahmen kaum aufgefangen werden, weshalb viele Haushalte in Deutschland über seit Jahren steigende Stromrechnungen klagen. Allerdings muss man dazu sagen, dass der Strompreis seit 2013 nicht mehr so stark ansteigt wie zuvor. Die Einsparmöglichkeiten machen sich bisher jedoch in den meisten Fällen nur geringfügig bemerkbar.

Hier erfahren Sie alles Wissenswerte zu WEB.DE Strom.

Promotion

Der direkte Stromkostenvergleich offenbart ein ähnliches Bild. Für einen Vier-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 5.000 kWh betrug die Jahresstromrechnung 2007 im Durchschnitt 992 Euro. 2014 kosteten 5.000 kWh bereits 1.422 Euro. Das ist ein Plus von 430 Euro und somit ein enormer Anstieg von 43 Prozent. Im Vergleich dazu stieg der Verbraucherpreisindex im gleichen Zeitraum nur um 11 Prozent.

Darüber hinaus muss man wissen, dass die Strompreisentwicklung in Deutschland sehr stark von regionalen Unterschieden geprägt ist. Das führt dazu, dass man den günstigsten Anbieter nie pauschal, sondern nur durch einen Vergleich benennen kann.

Warum steigen seit Jahren die Strompreise in Deutschland?

Im europäischen Vergleich belegt Deutschland beim Strompreis mittlerweile einen der vorderen Plätze. Dabei ist der signifikante Anstieg der Strompreise in den letzten Jahren auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Steuern, Abgaben und Umlagen sind zum größten Teil für die Preiserhöhungen verantwortlich. Vor allem die sogenannte EEG-Umlage, die den Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland finanzieren soll, wurde bis ins Jahr 2014 stetig erhöht. Zu den weiteren Gründen für den Strompreisanstieg gehören:

Steigende Kosten für fossile Brennstoffe, die Stromkraftwerke für ihren Betrieb benötigen

Abgaben für den europäischen CO2-Emissionshandel, die Stromanbieter mit einer Feuerungswärmeleistung von mehr als 20 Megawatt entrichten müssen

Im Vergleich zu den Privathaushalten gestaltet sich die Strompreisentwicklung für die Industrie deutlich günstiger. Dennoch belegt Deutschland auch hier im europäischen Vergleich einen der Spitzenplätze. Zunächst einmal ist es so, dass Stromanbieter Großabnehmern bessere Konditionen einräumen: Das heißt, die Großabnehmer erhalten einen niedrigeren Kilowattstundenpreis.

Weist der Großabnehmer zusätzlich noch einen besonders hohen Stromverbrauch auf, dann kann er sich außerdem von der EEG-Umlage befreien lassen. Hintergrund dieser Möglichkeit ist, dass die Politik so die Wettbewerbsfähigkeit international tätiger Unternehmen stärken will. So kommt es, dass Betriebe in Relation erheblich weniger für Strom zahlen als Privathaushalte.

Strompreisentwicklung: Weitere Erhöhungen sind wahrscheinlich

Aufgrund der vielen Faktoren, welche die Strompreisbildung beeinflussen können, ist eine langfristige Prognose nur schwer zu stellen. Im Jahr 2015 sind die Stromkosten im Vergleich zu 2014 etwas stabiler geblieben, was unter anderem auf die EEG-Umlage zurückzuführen ist, die 2015 niedriger als im Vorjahr war. Sie sank erstmals seit ihrer Einführung auf 6,17 Cent pro kWh. 2016 stieg die EEG-Umlage, die von den Stromanbietern gerne als Begründung für die steigenden Stromkosten für Privathaushalte genutzt wird, allerdings wieder auf 6,35 Cent pro kWh.

Neben der EEG-Umlage fließen auch weitere Abgaben in die Berechnung der Strompreise mit ein. 2014 kam zum Beispiel zum ersten Mal die Umlage für abschaltbare Lasten zum Tragen. Außerdem machen sich auch die KWK-Abgabe, die Offshore-Umlage und die Paragraph-19-Umlage in der Stromkostenabrechnung bemerkbar.

Hinzu kommt, dass die Netzentgelte vielerorts erhöht wurden, um unter anderem den Ausbau der Stromnetze in Deutschland zu finanzieren. Da diese für die Energiewende auch weiterhin modernisiert und ausgebaut werden müssen, ist künftig mit weiteren Netzentgelten zu rechnen, die den Strompreis nach oben treiben werden.

Wie viele Privathaushalte in Deutschland von den bevorstehenden Preiserhöhungen betroffen sein werden, hängt wesentlich davon ab, in welchem Umfang die Stromanbieter die Preissteigerungen an ihre Endkunden weitergeben. Im ersten Halbjahr des aktuellen Jahres waren 17 Millionen Privathaushalte von Strompreiserhöhungen von durchschnittlich 3 Prozent betroffen.© 1&1 Mail & Media