Eine Schäferhündin büxt beim Tierarzt aus - und kommt ein halbes Jahr später mit dem Notarztwagen für Menschen doch noch ins Krankenhaus. Dazwischen liegen rund 400 Kilometer und eine abenteuerliche Reise.

Rapunzel wollte nicht zum Tierarzt. Was folgte, war eine monatelange Odyssee. Nun ist die Schäferhündin, die im August nahe Frankfurt ausgebüxt war, in Zürich gerettet worden.

Sanitäter entdeckten die schwer verletzte neun Jahre alte Hündin in der Nacht zum Freitag an einem Autobahnrand nahe Zürich, wie der Sprecher von Schutz & Rettung, Roland Portmann, am Dienstag sagte. Schutz & Rettung ist der Notdienst der Stadt Zürich.

Sanitäter brachten Rapunzel selbst in die Tierklinik

Nach Angaben des Sprechers fuhren die Sanitäter die Hündin in einem normalen Krankenwagen selbst zur Tierklinik - die alarmierte Tierambulanz hätte zu lange gebraucht.

"Sie haben ihr über eine Sauerstoffmaske Sauerstoff gegeben und sie in wärmende Decken gewickelt", sagte Portmann. So einen Einsatz habe es noch nie gegeben.

"Sie standen mitten in der Nacht vor der Entscheidung: Stirbt der Hund oder nehmen wir ihn mit?", sagte der Sprecher. Der ungewöhnliche Einsatz sei beim Rettungsdienst wie in sozialen Netzwerken durchweg positiv beurteilt worden.

Das Tierspital der Universität Zürich bestätigte, dass die Hündin dort behandelt wurde. Sie sei inzwischen mehrfach wegen Knochenbrüchen und inneren Blutungen operiert worden, sagte Portmann.

"Sie ist noch nicht über den Berg, aber sie hat gute Chancen zu überleben." Die Besitzerin hofft, ihren Hund in wenigen Wochen nach Hause holen zu können.

Hündin war seit August vermisst

Die Hündin trug einen Chip, so dass die Besitzerin schnell hätten ausfindig gemacht werden können. Sie wurde seit August vermisst.

Jasmin Ehret-Väth aus Hösbach bei Aschaffenburg hat das Tier bereits am Wochenende in der Schweiz besucht. Über das Wiedersehen mit Rapunzel sagte sie: "Sie war vollkommen zugedröhnt mit Schmerzmitteln, aber hat mich sofort erkannt."

Das Tier könne selbstständig Türen öffnen und sei am 15. August 2017 bei einem Tierarzt zwischen Aschaffenburg und Frankfurt abgehauen. "Sie ist vorher noch nie weggelaufen."

Rapunzel habe Beobachtern zufolge zuerst sogar die richtige Himmelsrichtung nach Hause eingeschlagen, sei dann aber zu spät abgebogen. In welchem Ort genau die Hündin sich auf den Weg machte, wollte Ehret-Väth nicht sagen.

Zwischen Frankfurt und Zürich liegen 400 Kilometer

Die Besitzer suchten per Internet und Zeitung nach ihrem Familienhund von einem Züchter aus Erlensee bei Frankfurt - und konnten so seine Wanderung durch Deutschland verfolgen.

"Immer, wenn wir den Hund eigentlich aufgegeben haben, wurde er wieder gesehen", sagte die 41-Jährige. Bei ihrem Besuch in der Schweiz sei Rapunzel nur noch Haut und Knochen gewesen, aber: "Wenn man nur auf den Kopf schaute, sah sie aus wie immer."

Zwischen Frankfurt und Zürich liegen 400 Kilometer. Dass Rapunzel die lange Reise geschafft hat, hat ihr Frauchen am meisten überrascht. "Sie ist eigentlich total unsportlich und stinkend faul". (dpa/ank)

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