Wenn in einer Beziehung die Lust am Sex nachlässt, muss das nicht der Anfang vom Ende sein. Denn es gibt Möglichkeiten, mit einigen "Lustkillern" im Alltag umzugehen. Welche das sind, erklärte die Paartherapeutin Sigrid Sonnenholzer im Gespräch mit unserer Redaktion.

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Dass in einer Beziehung die Lust aufeinander mit den Jahren abnimmt, ist wahrscheinlich normal. Wann sollte man sich aber Gedanken machen, ob man nicht vielleicht doch ein bisschen zu wenig körperlichen Kontakt hat?

Sigrid Sonnenholzer: Entscheidend ist da weniger der Sex an sich, also wie oft man Sex miteinander hat, sondern der Grad an Intimität. Wenn man es zum Beispiel schon vermeidet, dem anderen nackt zu begegnen, etwa im Badezimmer, sollte man sich Gedanken machen.

Oder wenn man nicht mehr Hand in Hand spazieren geht, sondern jeder für sich ist. Dass es in Beziehungen immer wieder Phasen gibt, in denen man wenig Sex hat, ist übrigens normal. Wenn man zum Beispiel gerade Eltern geworden ist. Da herrscht dann oft für längere Zeit Flaute im Bett. Diese Zeit kann man aber überbrücken.

Was kann man tun, wenn man merkt, dass man gerade keine Lust mehr aufeinander hat?

Wichtig ist, dass man trotzdem Zärtlichkeiten austauscht. Dass man einander küsst, einander umarmt, beim Spazierengehen eben doch Hand in Hand geht. Gerade mit kleinen Kindern ist man als Eltern abends oft müde und oft auch zu müde zum Sex.

Insbesondere Frauen neigen dann dazu, gar keine Zärtlichkeiten zuzulassen, um dem Mann nicht zu signalisieren: Ich möchte jetzt mit dir Sex haben. Wenn die Partner aber darüber sprechen, dass Zärtlichkeiten gar nicht unbedingt zum Sex führen müssen, sondern auch für sich stehen können, ist schon einiges gewonnen.

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Die sogenannte Flaute im Bett betrifft ja aber nicht nur Paare mit Kindern. Was sind denn ganz allgemein die Faktoren, dass die Partner plötzlich keine Lust mehr auf Sex mit dem anderen haben?

Die sind bei Männern und Frauen ein bisschen unterschiedlich. Einer der größten "Lustkiller" bei Männern ist, wenn die Frau viel an ihnen kritisiert. Dass sie ihre Frau nicht mehr attraktiv finden und deswegen keine Lust auf sie haben, kommt hingegen sehr selten vor.

Männer sind da tatsächlich sehr tolerant. Für Frauen wirkt es abtörnend, wenn sie das Gefühl haben, mit ihren Aufgaben im Alltag alleingelassen zu werden und sich überfordert fühlen. Für beide gilt: Fehlende Wertschätzung ist auf jeden Fall ein Lustkiller.

Das sind nun alles Faktoren innerhalb der Beziehung, gibt es auch äußere?

Natürlich. Viele Frauen finden es nicht besonders gut, wenn ihr Mann seine Freizeit mehr mit seinen Freunden als mit ihr verbringt, vielleicht sogar mit ihnen die Urlaube verbringt. Auch wenn das Verhältnis zur Familie des Anderen schlecht ist, kann das zu Streit und damit zu weniger Lust aufeinander führen.

Aber Streit kann doch auch etwas lösen, oder? Am Ende steht vielleicht "Versöhnungssex"?

Ja, aber dann muss am Ende tatsächlich eine Lösung stehen. Ein leidenschaftlicher Streit kann in Sex münden, allerdings wird dadurch kein einziges Problem gelöst. Ein offener Konflikt ist immer eher eine Belastung für die Beziehung.

Angenommen einer von beiden oder beide merken, dass es in ihrer Beziehung keine oder kaum Intimität mehr gibt. Wie spricht man das an?

Wichtig ist, dass derjenige, der das Thema anspricht, bei sich bleibt und sagt, dass er oder sie den fehlenden Sex oder die fehlende Intimität als Defizit empfindet. Es sollte auf jeden Fall vermieden werden, dass das als Vorwurf rüberkommt.

Deswegen sollte man lieber sagen "Ich habe da ein Bedürfnis, wie können wir es schaffen, dass wir beide wieder zufriedener sind?" statt zu sagen "Du hast ja nie Lust, was ist da los?"

Kann man denn verhindern, dass man überhaupt an diesen Punkt kommt?

Ja, indem man sich immer wieder Freiräume als Paar schafft. Das gilt nun insbesondere wieder für Eltern: Sie sollten versuchen, die Großeltern oder andere Menschen, denen sie vertrauen, einzuspannen, damit sie wieder Zeit füreinander haben.

Da geht es gar nicht nur um Sex und auch nicht nur um ein gemeinsames Abendessen, sondern darum, gemeinsame Erlebnisse zu schaffen. Denn auch wenn die Zeit mit dem Kind sehr wichtig ist, sollte man nie vergessen: Die stabilste Komponente für ein Kind ist ein Liebespaar, kein Elternpaar.

Sigrid Sonnenholzer hat Betriebspsychologie studiert und sich auf Paarberatung, Sexualtherapie, Familientherapie und Business-Coaching spezialisiert. Gemeinsam mit ihrem Mann betreibt sie eine Beratungspraxis in der Nähe von München.
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