Ein Video der “Ärzte für Aufklärung" erweckt den Anschein einer professionellen Pressekonferenz. Tatsächlich enthält es teils falsche Behauptungen zu Gesichtsmasken, PCR-Tests und einem möglichen COVID-19-Impfstoff. CORRECTIV.Faktencheck hat die Behauptungen geprüft.

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Eine Kolumne
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Drei Männer sitzen in weißen Kitteln und Hemden an langen Tischen, vor ihnen jeweils ein Glas Wasser, hinter ihnen nichts als eine graue Wand, die Kamera filmt sie frontal. Das Video, das die Gruppierung "Ärzte für Aufklärung" am 5. August auf ihrem YouTube-Kanal hochgeladen haben, erweckt den Anschein einer professionellen Pressekonferenz.

Das Originalvideo der "Ärzte für Aufklärung" wurde am 5. August auf YouTube veröffentlicht.

Tatsächlich verbreiten die "Ärzte für Aufklärung" in dem Video jedoch irreführende Behauptungen über das Tragen von Masken, PCR-Tests und einen möglichen Impfstoff gegen COVID-19. Ein vierminütiger Ausschnitt der Videokonferenz verbreitet sich derzeit rasant auf Facebook (hier, hier und hier). Insgesamt wurde er bereits mehr als 40.000 Mal geteilt. CORRECTIV hat die Behauptungen darin geprüft.

Wer sind die "Ärzte für Aufklärung"?

Vier Hamburger Ärzte bezeichnen sich als Gründer der Initiative "Ärzte für Aufklärung": Walter Weber, Heiko Schöning, Marc Fiddike und Olav Müller-Liebenau. Drei davon sind im Video zu sehen. Die Herren sind in den vergangenen Wochen durch Kritik an den Corona-Maßnahmen aufgefallen und haben bereits irreführende Behauptungen zu Impfungen verbreitet, die wir in einem Faktencheck geprüft haben.

Die Ärzte sind nach unseren Recherchen unter anderem auf dem Gebiet der Psychosomatik und Krebstherapie, als Hausarzt und Homöopath, teils mit Spezialisierung auf Naturheilverfahren tätig. Heiko Schöning trat laut Medienberichten auf Demonstrationen von Gegnern der Corona-Maßnahmen auf und stellte das Coronavirus auf seiner Webseite in einen Zusammenhang mit "Bioterror".

Erste Behauptung: Masken schützten nicht vor dem Coronavirus

Walter Weber behauptet in dem kurzen Videoausschnitt, dass Masken nicht vor dem Coronavirus schützen würden (ab Minute 01:00). Auf Grundlage der bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse ist die Behauptung nicht ganz richtig – sie lässt wichtigen Kontext aus.

Zwar schützen Mund-Nasen-Bedeckungen den Träger nicht zwingend vor einer Ansteckung. Zumindest fehlt es dafür bisher an wissenschaftlichen Belegen, schreibt das Robert-Koch-Institut (RKI).

Eine Metaanalyse kam kürzlich jedoch zu dem Ergebnis, dass einfache OP-Masken das Risiko einer Infektion des Trägers deutlich reduzieren könnten (PDF, S. 1.973). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte diese Studie in Auftrag gegeben. Allerdings betonen die Forschenden, dass die Aussagekraft der Analyse begrenzt sei und keine der untersuchten Maßnahmen (Schutzmasken, Abstand halten, Augenschutz) einen vollständigen Schutz biete (PDF, S. 1.982).

Bisherige Studien zeigen: Masken schützen vor allem andere

Weitgehend sicher sind sich Forschende mittlerweile aber, dass Masken zumindest andere schützen. Denn sie halten einen Teil der größeren Speicheltröpfchen, die beim Sprechen entweichen können, auf und bremsen kleinere Aerosole, also Schwebeteilchen in der Luft, zumindest ab – sodass sie nicht mehr so weit umherfliegen. Selbst gebastelte Masken seien dabei zwar lange nicht so effektiv wie OP-Masken, aber immerhin besser als gar kein Schutz, hieß es in der Studie von 2013.

Eine erst im Juni veröffentlichte Studie aus Deutschland kam außerdem zu dem Ergebnis, dass das Tragen von Masken die Verbreitung von COVID-19 in Deutschland eingeschränkt habe.

Die Datenlage zur Wirksamkeit von Masken ist jedoch weiterhin beschränkt. Klar ist auch, dass Masken sonstige Hygienemaßnahmen keinesfalls ersetzen. Der beste Schutz vor einer Virusübertragung sei weiterhin, konsequent Abstand zu halten, schreibt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte.

Zweite Behauptung: Bis zu 85 Prozent der PCR-Tests seien falsch positiv

Walter Weber behauptet in dem Video zudem, dass der sogenannte PCR-Test, mit denen Personen auf eine COVID-19-Infektion getestet werden, in bis zu 85 Prozent der Fälle falsch positiv sein könne (ab Minute 02:03). Dadurch könne man "jede Pandemie, jeden Hotspot herbeitesten", wenn man das so wolle, sagt er (Minute 02:20). Auch dieser Behauptung fehlt wichtiger Kontext.

PCR steht für Polymerase-Ketten-Reaktion ("polymerase chain reaction") und wird zur Diagnostik von Infektionskrankheiten eingesetzt. Sogenannte "falsch positive Tests" sind Tests, die ein positives Ergebnis zeigen, obwohl der Patient gar nicht infiziert ist.

Die Behauptung zu falsch positiven PCR-Tests kursiert seit Monaten in den Sozialen Netzwerken. Auch der Mitgründer der "Ärzte für Aufklärung", Heiko Schöning, hat die Behauptung verbreitet. CORRECTIV hat dazu bereits einen Faktencheck und einen ausführlichen Hintergrundartikel veröffentlicht. Es stimmt zwar, dass je nach Gegebenheiten die Wahrscheinlichkeit für falsch positive Tests steigt, Webers Aussage ist in ihrer Pauschalität aber irreführend.

Um das zu verstehen, muss man ein bisschen ausholen.

Sensitivität und Spezifität der PCR-Tests sind sehr hoch

Allein bezogen auf die Sensitivität und Spezifität der PCR-Tests ist die Behauptung falsch. Sensitivität ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Test Infizierte als infiziert erkennt, und Spezifität die Wahrscheinlichkeit, dass er Gesunde als gesund erkennt. Beide Wahrscheinlichkeiten seien sehr hoch (95 Prozent oder höher), schrieben uns bereits im April drei Uniklinik-Labore unabhängig voneinander.

Es gibt jedoch noch eine andere große Fehlerquelle: die Vortestwahrscheinlichkeit. Selbst wenn Corona-PCR-Tests hoch spezifisch und sensitiv sind, können sie je nachdem, wie viel getestet wird und wie viele Menschen infiziert sind, viele falsche Ergebnisse liefern. Die Vortestwahrscheinlichkeit bezeichnet die Häufigkeit, mit der eine Krankheit in der Bevölkerung vorkommt.

Deutlich wird das anhand einer interaktiven COVID-19-Simulation, die das British Medical Journal zur Verfügung stellt. Dort kann jeder ausprobieren, wie sich die Spezifität, die Sensitivität und die Vortestwahrscheinlichkeit auf die Testergebnisse von 100 Personen auswirken. In unserem Faktencheck zeigen wir anhand eines Rechenbeispiels, dass der Anteil falsch positiver an den positiven Testergebnissen je nach Vortestwahrscheinlichkeit völlig unterschiedlich sein kann – trotz hoher Spezifität und Sensitivität.

Kurz gesagt: Kommt eine Krankheit in einer getesteten Gruppe kaum vor, sinkt die Wahrscheinlichkeit, bei einem positiven Testergebnis auch tatsächlich infiziert zu sein, extrem. Pauschale Aussagen zu einer Fehlerquote von "bis zu 85 Prozent" sind aber verkürzt und ohne Kontext irreführend, weil sie suggerieren, der Test sei ungenau. Das ist nicht der Fall.

Dritte Behauptung: Bei einer Corona-Impfung würden Menschen "gentechnisch manipuliert"

Eine dritte Behauptung von Walter Weber im Video bezieht sich auf auf einen möglichen Impfstoff gegen COVID-19. Weber sagt, diese Impfung sei "in einem höchstwahrscheinlichen Maße eine neuartige Impfung, also nicht, dass man gegen abgeschwächte Erreger impft, sondern es ist eine gentechnische Manipulation. [...] Wir werden dabei gentechnisch manipuliert" (ab Minute 02:35).

Weber spielt offenbar auf ein neuartiges Impfverfahren an, zu dem unter anderem mRNA-Impfstoffe gehören. Wir erklären das Verfahren hier anhand dieser mRNA-Impfstoffe.

Wie das Science Media Center und das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) schreiben, enthalten mRNA-Impfstoffe Teile des Erbmaterials der Viren, genauer gesagt die Baupläne für Proteine oder Proteinabschnitte des Erregers. Die genetische Information des Virus kann demnach durch die Impfung in einige Körperzellen des Geimpften gelangen. Die menschlichen Zellen produzieren dann die entsprechenden Proteine des Erregers. Das Immunsystem reagiert auf diese Proteine und bildet Abwehrstoffe gegen das Virus.

"Während bei vielen herkömmlichen Impfstoffen das Antigen selbst injiziert wird, wird also beim mRNA-Impfstoff die genetische Information gespritzt, sodass der Körper das Antigen selbst bildet", schreibt das PEI. Es werde zwar an mRNA-Impfstoffen geforscht, aber es sei noch keiner für Menschen zugelassen worden.

Paul-Ehrlich-Institut: "Nein, genetische Manipulation ist nicht möglich"

Werden Menschen bei diesem Verfahren nun "gentechnisch manipuliert"? Das PEI antwortet auf die Anfrage von CORRECTIV per E-Mail: "Nein, eine genetische Manipulation durch Impfstoffe auf der Basis von ungefährlichen Abschnitten des Viruserbmaterials ist nicht möglich." Auch das Science Media Center schreibt auf seiner Webseite bezogen auf mRNA-Impfstoffe: "Nach der Impfung besteht keine Gefahr, dass sich die eingeschleuste RNA langfristig in den Zellen manifestiert."

Zudem sei das Impfkonzept, anders als behauptet, nicht völlig neu, schreibt das PEI. Der erste zugelassene Impfstoff gegen Ebola sei ein Vektorimpfstoff gewesen – auch bei diesem Impfverfahren wird Genmaterial des Erregers injiziert, als Träger dienen allerdings im Gegensatz zu mRNA-Impfstoffen keine Fetttröpfchen, sondern für den menschlichen Körper harmlose "Trägerviren". Der COVID-19-Impfstoff aus Russland, der aktuell für Aufsehen sorgt, ist ebenfalls ein solcher Vektorimpfstoff.

Ob ein solches Impfverfahren das Rennen machen wird, ist, anders als Walter Weber im Video behauptet, noch nicht klar.

Wie ein Überblick der WHO zeigt, liefen am 13. August bei zahlreichen Impfstoff-Kandidaten bereits klinische Studien an Menschen. Nur einige davon verfolgen das beschriebene Konzept, bestimmte Geninformationen des Virus zu injizieren, damit der menschliche Körper Antigene bildet. Bei anderen Ansätzen, beispielsweise Tot- oder Lebendimpfstoffen, wird der Erreger selbst injiziert. Welcher Impfstoff in Deutschland zugelassen wird, ist noch offen.

Die Aussage, es werde "höchstwahrscheinlich" ein neuartiges Impfverfahren zum Einsatz kommen, ist demnach unbelegt.

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