• Bereits seit Mitte Dezember ist Deutschland in einem Lockdown, dennoch steigen die Infektionszahlen weiter und mit ihnen auch die Sorge um die aufgetauchten Coronavirus-Mutationen.
  • Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, will Bundeskanzlerin Angela Merkel den Lockdown in Deutschland weiter verschärfen.
  • Vor allem in der Arbeitswelt sollen die Zügel wohl noch einmal deutlich angezogen werden - auch um den immer noch überfüllen Öffentlichen Nahverkehr zu entlasten.

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Angesichts weiterhin hoher Infektionszahlen und großer Sorge um die aufgetauchten Coronavirus-Mutationen hat die Diskussion über zeitnahe Verschärfungen des Lockdowns gewaltig an Fahrt aufgenommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will schon am Dienstag und nicht erst wie geplant am 25. Januar mit den Ministerpräsidenten der Länder über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie beraten. Das teilte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag mit

Merkel mach Beratungsbedarf deutlich - Wettlauf mit der Zeit

Seibert sagte, die Zahl der Neuinfektionen sei weiterhin viel zu hoch. Dazu komme das neue Risiko einer Virus-Mutation, die in Irland und Großbritannien zu einem extremem Anstieg der Fälle geführt habe. Nötig sei, noch mehr zu tun, um Kontakte zu reduzieren.

Merkel machte den Beratungsbedarf am Donnerstagabend in Sitzungen zur Vorbereitung des Wahlparteitags der CDU am Freitag und Samstag nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur von mehreren Teilnehmern deutlich. Es gebe derzeit keinen Spielraum für Öffnungen.

Die in Großbritannien aufgetauchte Variante des Coronavirus verbreite sich viel schneller als die ursprüngliche Form, Wissenschaftler seien in großer Sorge. Die Mutation des Virus sei nach Ansicht aller sehr aggressiv, deren Verbreitung müsse verlangsamt werden. Man müsse jetzt handeln. Merkel wurde mit den Worten zitiert, man sei in einem Wettlauf mit der Zeit und könne nicht bis zum 25. Januar warten.

Ganz ähnlich äußerte sich Sachsens Regierungschef im ZDF. Die Infektionszahlen seien durch den derzeitigen Lockdown nicht so zurückgegangen, "wie wir es gewollt haben und wie wir es brauchen". Kretschmer verwies an dieser Stelle auch auf die womöglich ansteckenderen Virus-Mutationen, die die Infektionszahlen weiter in die Höhe treiben könnten.

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ÖPNV soll nicht eingestellt, aber entlastet werden

Einen Bericht der "Bild"-Zeitung, wonach im Kanzleramt über die Einstellung des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs nachgedacht werde, wies Merkel nach Angaben mehrerer Teilnehmer der Online-Sitzung des CDU-Präsidiums zurück. In der Vorstandssitzung sagte die Kanzlerin nach weiteren Informationen, keiner wolle den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) schließen. Vielmehr müsse der ÖPNV entlastet werden, indem Arbeitnehmer mehr im Homeoffice arbeiteten und so die Kontakte weiter reduziert werden könnten.

Nach Angaben der "Bild" warnte auch Kanzleramtschef Helge Braun vor den möglichen Auswirkungen der Corona-Mutation auf das Infektionsgeschehen. Das Kanzleramt habe zwar "keine Beweise, aber Indizien" für die Gefahr der neuen Variante des Virus. Man müsse jetzt handeln, erklärte Braun demnach weiter. Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans sagte nach "Bild"-Informationen: "Wir müssen auf die Mutation reagieren. Sonst werden uns die Bürger das nicht verzeihen."

Von Kauf bis Reinigung: Was Sie über FFP2-Masken wissen müssen

Ab dem 18. Januar gilt in Bayern im öffentlichen Nahverkehr und beim Einkaufen eine FFP2-Maskenpflicht. Beim Kauf, Tragen und Reinigen gibt es einige Punkte zu beachten.

Braucht es einen kompletten Lockdown?

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt forderte im "Spiegel" angesichts der Pandemielage eine Sondersitzung des Bundestags in der kommenden Woche. "Solange die Infektionszahlen nicht runtergehen, können die Lockdown-Maßnahmen nicht beendet werden und es werden weitere Maßnahmen nötig sein, besonders in der Arbeitswelt", so die Grünen-Politikerin. "Wir sollten uns die Frage stellen, ob letztlich nicht ein kompletter Lockdown von zwei bis drei Wochen besser ist als eine endlose Hängepartie", sagte Thorsten Frei, stellvertretender Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag, dem "Spiegel".

Auch der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, machte erneut deutlich, dass die bisherigen Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus aus seiner Sicht nicht ausreichen. In den ARD-"tagesthemen" appellierte er zudem daran, die aktuellen Maßnahmen konsequenter umzusetzen.

"Wir brauchen mehr Teststellen, die die Mutation erkennen können", forderte derweil Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitag). "Außerdem helfen FFP2-Masken und eine konsequente Umsetzung des jetzigen Lockdowns", so Söder, dessen Regierung für Bayern eine FFP2-Maskenpflicht im ÖPNV und im Einzelhandel ab Montag auf den Weg gebracht hat. Ob ein harter Lockdown bis Ostern nötig sei, wollte Söder nicht prognostizieren. Aber: "Auch ich bleibe im Team Vorsicht."

Auch Lauterbach spricht sich für Verschärfungen aus

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach bei "maybrit illner" von einem Wettrennen, die jetzige Welle schnell genug in den Griff zu bekommen, bevor sich die neuen Virus-Mutationen stärker ausbreiten. Wenn das nicht gelinge, "dann kommen wir aus dem Lockdown so schnell gar nicht mehr raus". Ohne Verschärfungen werde dies nicht gelingen. Lauterbach erläuterte, das Durchschnittsalter in den großen Intensivstationen liege derzeit bei 60 Jahren. Darunter seien viele Jüngere, wobei sich Übergewicht als immer stärkerer Risikofaktor für schwerste Verläufe zeige.

Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, brachte in den Zeitungen der Funke Mediengruppe eine mögliche Zielmarke von weniger als 1.000 COVID-19-Intensivpatienten als Bedingung für Lockerungen ins Spiel. "In Ampelfarben gesprochen: In 11 von 16 Bundesländern ist die Ampel rot, dort gibt es weniger als 15 Prozent freie Intensivbetten", sagte Marx. Lockerungen dürften erst kommen, wenn sich die Lage deutlich entspannt hätte. "Die Zahl der intensivmedizinisch versorgten Covid-19-Kranken muss dafür bundesweit stabil klar unter 1.000 Patienten liegen." Aktuell werden demnach fast 5.200 COVID-19-Patienten in ganz Deutschland intensivmedizinisch behandelt. (dpa/ska/mgb)

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