Ein bisschen mehr Freiheit dank Selbsttests? Bei Aldi waren die wenigen Kits für Laien schnell ausverkauft. Nun wollen andere Ketten nachziehen. Ein Überblick.

Die erste Fuhre war in Rekordzeit vergriffen. In vielen Aldi-Filialen waren die ersten Corona-Selbsttests am Samstag binnen einer Viertelstunde ausverkauft, beim Discounter Lidl brach wegen der großen Nachfrage zeitweise die Internetseite zusammen. Nachschub ist bisher nicht gekommen. Stattdessen versuchen manche, ihre Corona-Testkits vom Discounter auf Ebay Kleinanzeigen zu Wucherpreisen weiterzuverkaufen – obwohl die Plattform rigoros dagegen vorgeht.

Der Hype um die Laientests verwundert kaum. Schließlich weckt die Nasenschleimprobe für zu Hause Hoffnungen auf ein wenig mehr Freiheit. Statt mit einem latent unguten Gefühl und schlechtem Gewissen vor die Tür zu gehen, können sich Bürgerinnen und Bürger nun theoretisch mit wenig Zeit- und Geldaufwand selbst testen, ehe sie die Verwandtschaft besuchen, Freunde zum Kaffee treffen oder statt im Homeoffice doch wieder einmal im Büro arbeiten.

Die Selbsttests geben zwar keine absolute Sicherheit, dass man sich nicht doch mit Coronavirus infiziert hat – aber zumindest eine relative: Sie zeigen, dass man im Moment des Tests höchstwahrscheinlich kaum ansteckend ist. Das immerhin ist weit besser, als zum Beispiel einfach so die 79-jährigen, noch ungeimpften, womöglich besonders gefährdeten Eltern zu besuchen. Die gängigen Abstands-, Händewasch- und Maskenregeln sollte man allerdings auch nach dem Selbsttest weiter einhalten, und man sollte den Selbsttest nach spätestens 24 Stunden wiederholen, sobald man sich erneut mit Leuten trifft.

Trotz dieser Einschränkungen war der Run auf die ersten Testkits enorm. Umso größer ist der Frust vieler Verbraucherinnen und Verbraucher, weil der Verkaufsstart gefühlt ähnlich holprig verläuft wie zuvor schon viele andere Maßnahmen gegen die Coronakrise. Erhältlich sind die Testkits momentan nur noch in manchen Apotheken – meist zu deutlich höheren Preisen als beim Discounter.

Eine alte Weisheit unter Einzelhandelsexperten lautet: »Kundenzufriedenheit ist die Differenz zwischen dem Erwarteten und dem Erhaltenen.« Was bedeutet: Man darf Kunden nicht nur heiß auf die eigenen Produkte machen, sondern muss dann auch liefern. Sonst vergrätzt man manche Kunden vielleicht nachhaltig.

Nun ist das Enttäuschungspotenzial besonders groß, wenn man Kunden nach drei Monaten Shutdown ein Produkt in Aussicht stellt, das ihnen ein bisschen mehr Freiheit verspricht. Entsprechend nervös sind die großen Drogerien und Discounter, die Selbsttests bald bundesweit verkaufen möchten. Und entsprechend bedeckt halten sich viele von ihnen.

Welche Tests sie genau anbieten, was diese genau kosten sollen und wie viele Tests jeder maximal bekommt, teilen nur die wenigsten vorab mit. Manche Firmen, wie die Drogeriekette Budni, der Discounter Netto oder Edeka, stapeln tief. Man werde Corona-Selbsttests »mit Verfügbarkeit« anbieten, schreiben sie auf Anfrage lediglich. Andere, wie die Drogerien Rossmann oder Müller, legen sich immerhin auf ein Datum für den Verkaufsstart fest. Wieder andere, wie das Unternehmen DM, haben offenbar zu viel versprochen – und müssen den geplanten Verkaufsstart bereits verschieben.  © DER SPIEGEL