Während in Deutschland das Coronavirus die Menschen in Schach hielt, war auf der Trauminsel Mauritius Anfang März die Welt noch in Ordnung. Lisa Kühn und ihre zwei Freunde entschlossen sich, ihren Urlaub wahrzunehmen und nicht abzusagen - mit ungeahnten Folgen.

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"Wir flogen am 14. März in Frankfurt los mit der Auskunft, dass eine Einreise in Mauritius unbedenklich sei und es keinen Grund zu Sorge gebe. Daraufhin freuten wir uns natürlich auf einen schönen Urlaub im Paradies. Aber bereits nach drei Tagen auf der Insel entwickelte sich unser Traumurlaub zum absoluten Albtraum.

Als bekannt wurde, dass es in Mauritius nun auch drei Fälle des Coronavirus gab, wurde die gesamte Insel lahmgelegt und eine sofortige Ausgangssperre verhängt. Als wir das erfuhren, wurde uns schnell klar, dass sich auch hier die Situation schnell zuspitzen wird. Wir beschlossen also, unsere Reise schon nach einer Woche statt der geplanten zwei Wochen zu beenden und buchten direkt unseren Flug um.

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Chaos wegen Corona am Flughafen von Mauritius.

Unsere Fluglinie bestätigte uns, dass dieser Flug wie geplant stattfinden wird und wir sicher nach Hause kommen werden. Keine 24 Stunden vor Abflug bekamen wir die Nachricht, dass unser Anschlussflug von Dubai nach Deutschland nicht stattfinden wird und auch keine weiteren Flüge geplant waren. Langsam begann sich ein ungutes Gefühl breitzumachen und wir machten uns große Sorgen.

In Verbindung mit Familie und Freunden in Deutschland begannen wir, zu telefonieren. Tag und Nacht machten wir Anrufe, um irgendeine Auskunft von offizieller Stelle zu bekommen. Wir bekamen aber nur wenig bis gar keine Infos. Wir verstanden natürlich auch die Situation der Behörden und Fluggesellschaften, jedoch wussten wir nicht mehr, was wir tun sollten. Schnell wurde bekannt, dass es ein Rückholprogramm und verschiedene Listen für gestrandete Urlauber geben soll und dass man sich eintragen sollte - was wir auch taten.

Sonderflüge von Condor sollten Urlauber nach Deutschland bringen

Wir bekamen dann eine E-Mail der Deutschen Botschaft aus Südafrika, dass am 23., 24. und 25. März Sonderflüge von Condor fliegen werden und wir uns um 6 Uhr morgens am Flughafen einfinden sollen, um mit viel Glück einen Platz zu ergattern. Also fuhren wir um 3 Uhr morgens aus unserer Unterkunft los, die Nerven lagen blank. Schlaf war für uns zu einem Fremdwort geworden. Als wir am Flughafen ankamen, waren wir geschockt über die Menschenmenge, die wir dort antrafen. Jedoch machte sich ein vertrautes Gefühl breit, als wir sahen, wie die Urlauber zusammenhielten und sich austauschten. Also stellten wir uns hinten an und warteten.

Als wir an der Reihe waren, bekamen wir die Auskunft, dass wir uns zur Seite stellen sollten. Wir mussten warten, bis ausgezählt wurde, wie viele Plätze im Flugzeug noch verfügbar sind. Dann kam es zu einer Durchsage in der einige Namen aufgerufen wurden - leider nicht unsere. Wir sahen Familien mit Kindern, die weinten und mit ihren Nerven am Ende waren. Es brach einem das Herz.

Wir fuhren enttäuscht zurück in unsere Unterkunft und mussten wieder warten. Wir setzten auf die anderen zwei Tage, an denen die sogenannten Rettungsflüge eintreffen sollten. Leider auch hier ohne Erfolg. Am Abend erreichte uns die Nachricht, dass zu der Ausgangssperre auch die Supermärkte sieben Tage lang schließen werden. Die Angst stieg, viele Menschen waren nicht mehr einkaufen.

Hoffnung auf den vorerst letzten möglichen Rettungsflug

Am Mittwoch, den 25. März stand der letzte bekannte Rettungsflug an und wieder machten wir uns auf den Weg zum Flughafen. Diesmal war das Bild noch schrecklicher als die Tage zuvor. Panik machte sich breit und jeder wollte nach Hause. Einige Menschen weinten, brüllten einander an und versuchten, ihre Kinder auf ihren Koffern schlafen zu legen. Man sagte uns, es gebe zehn verfügbare Plätze. Im "Sir Seewoosagur Ramgoolam International Airport" warteten mindestens 150 bis 200 Menschen auf zehn Plätze auf beengtem Raum.

Dann kam die Durchsage, dass auch das letzte Flugzeug voll sei. Wir waren am Boden zerstört, müde, wütend und hatten Angst. Dazu kam die Nachricht, dass auch der Flughafen am Samstag, den 28. März schließen soll. Die Situation wurde unübersichtlich und chaotisch. Ein Mann neben uns kaufte am Flughafen sechs Flaschen Wasser für 50 Euro, um die nächsten Tage etwas zu trinken zu haben. Andere waren plötzlich ohne Schlafplatz, weil die Hotels schlossen. Eltern mit Kindern saßen auf ihren Koffern und weinten und wussten nicht mehr weiter.

Zusammenhalt zahlt sich aus

Dann nahm sich eine deutsche Urlauberin das Mikrofon eines geschlossenen Schalters und ein Gänsehaut-Moment begann. Wir mussten gemeinsam etwas tun und schlossen uns zusammen, um unsere eigene Liste noch einmal zusammenzufassen, mit allen übrig gebliebenen Urlaubern. Diese Liste sollte bei den richtigen Menschen ankommen und etwas bewirken. Und das tat es: Nachdem sich einige Medienfirmen und der Bundestagsabgeordnete Kai Whittaker (CDU) bei uns meldeten, erreichte uns tatsächlich eine E-Mail von der Botschaft mit der Mitteilung, dass am Freitag, dem 27. März, ein Flugzeug kommen solle, das uns über Zürich nach München brächte. Uns wurde bestätigt, dass alle, die diese E-Mail erhalten haben und sich in die Liste 'rueckholprogramm.de' eingetragen hatten, einen sicheren Platz in der Maschine hätten. Wir hoffen natürlich, dass alles klappt und wir das Land verlassen können. Auch in Mauritius selbst tut sich etwas: Es werden Lieferservices angeboten und die Mauritier teilen ihr Essen mit anderen Menschen."

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