Die NRW-Landesregierung kommt am Sonntag zusammen und berät über weitere Vorgehensmaßnahmen im Fall Tönnies. Ministerpräsident Armin Laschet will sich vor Ort ein Bild von der Lage machen. Die Reihentestungen der Mitarbeiter auf das Coronavirus sollen derweil weitergehen.

Mehr aktuelle Informationen zum Coronavirus finden Sie hier

Das nordrhein-westfälische Landeskabinett beschäftigt sich am Sonntagmittag in einer Sondersitzung mit dem Corona-Ausbruch bei Tönnies. Die Landesregierung will dabei die Lage erneut bewerten, hatte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Freitag angekündigt. Einen regionalen Lockdown hatte er ausdrücklich nicht ausgeschlossen.

Die Reihentestungen der insgesamt 6.500 Mitarbeiter auf dem Werksgelände der Fleischfabrik in Rheda-Wiedenbrück werden am Sonntag fortgesetzt. Bis Samstagmittag waren rund 5.800 Proben genommen worden.

3.127 Befunde lagen vor: Bei 1029 Beschäftigen wurde das Coronavirus nachgewiesen, in 2.098 Fällen war das Ergebnis negativ. 65 Bundeswehrsoldaten helfen bei der Probenentnahme.

Quarantänezone in Verl nach Corona-Ausbruch bei Tönnies eingerichtet

Wichtiges Thema bleibt die Einhaltung der Quarantäne durch die infizierten Mitarbeiter. Nach positiven Corona-Tests bei zahlreichen Tönnies-Mitarbeitern hatte die Stadt Verl (Landkreis Gütersloh) am Samstag in einem Stadtteil eine Quarantänezone eingerichtet.

Mehrere Mehrfamilienhäuser, in denen Werkvertragsarbeiter der Firma Tönnies untergebracht sind, wurden unter Quarantäne gestellt - auch wenn sie nicht zu den Tönnies-Beschäftigten gehören. Der gesamte Bereich wurde mit Bauzäunen abgeriegelt.

In Verl wurde ein Stadtteil mit Bauzäunen abgeriegelt.

In den betroffenen Häusern leben in drei Straßenzügen insgesamt knapp 670 Menschen.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund warnte angesichts der Corona-Ausbrüche der vergangenen Tage vor möglichen sozialen Konflikten. "Wir dürfen Menschen nicht diskriminieren oder benachteiligen, die zum Beispiel im Niedriglohnbereich unter schlechten Wohnverhältnissen die preiswerte Fleischproduktion in bestimmten Betrieben gewährleistet haben", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Landsberg: Menschen darf kein Vorwurf gemacht werden

Landsberg betonte, man dürfe Menschen, die in beengten Verhältnissen wohnen, keinen Vorwurf machen, weil es dort eher zu Infektionen kommen kann. Hier seien insbesondere die Betriebe gefordert.

Diese sollten nicht nur für anständige Löhne und Arbeitsbedingungen sorgen, sondern insbesondere auch für Wohnverhältnisse, in denen ausreichende Hygienestandards gewährleistet werden könnten. Laschet will sich am Sonntag vor Ort ein Bild von der Lage machen.

Clemens Tönnies weist Rücktritts-Spekulationen zurück

Wie es in der Unternehmensführung derweil weitergeht, ist offenbar klar: Clemens Tönnies wies Rücktritts-Spekulationen zurück. "Ich werde dieses Unternehmen aus dieser Krise führen", sagte der 64-Jährige am Samstag bei einer Pressekonferenz in Rheda-Wiedenbrück.

Im seit Jahren geführten Streit um Deutschlands größten Schlachtbetrieb hatte zuvor Robert Tönnies seinen Onkel Clemens in einem persönlichen Brief vom 19. Juni aufgefordert, den Weg frei zu machen. Dessen Sohn Max Tönnies solle die Arbeit in der Geschäftsführung übernehmen. Außerdem forderte Robert die Einberufung einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung. (msc/dpa)