• 11:25 Uhr: ➤ Warum infizieren sich manche Menschen nicht mit SARS-CoV-2? Forscher finden Hinweise
  • 08:45 Uhr: Mehr COVID-Tote in Bundesländern mit niedriger Impfquote
  • 06:24 Uhr: RKI registriert 73.209 Corona-Neuinfektionen, die Inzidenz sinkt weiter - Experten befürchten aber hohe Dunkelziffer
  • 04:45 Uhr: Wüst: Bei Bund-Länder-Runde keine halben Sachen gegen Corona machen

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➤ Warum infizieren sich manche Menschen nicht mit SARS-CoV-2? Forscher finden Hinweise

Während sich Anfang 2020 Millionen Menschen auf der ganzen Welt mit dem Coronavirus infizierten, gab es einige Personen, die dem Virus zwar prominent ausgesetzt waren – und ihm dennoch trotzten. Aber warum? Britische Forscher sind dem nachgegangen und haben eine mögliche Erklärung gefunden.

In einer Studie, die im Fachmagazin "Nature" veröffentlicht wurde, untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Proben von 58 Klinikmitarbeitern. Diese waren in ihrer Arbeit während der ersten Pandemie-Welle einem hohen Risiko ausgesetzt, sich zu infizieren. Während einige ihrer Kollegen sich ansteckten, wurden diese 58 Personen dennoch weder PCR-positiv auf SARS-CoV-2 getestet, noch gab es Anzeichen für Antikörper.

Die Untersuchung von Blutproben ergab, dass 20 der Studienteilnehmer einen erhöhten Wert an bestimmten T-Zellen aufwiesen, bei 19 von ihnen fanden die Forscher zudem das Immunprotein IFI 27. Dieses Protein könnte darauf hinweisen, dass die Personen zwar Kontakt mit SARS-CoV-2 hatten, die Infektion aber im Keim erstickt wurde.

Leo Swadling, ein an der Studie beteiligter Forscher, sagte laut BBC, dass das Immunsystem dieser Personen schon darauf "vorbereitet" war, die damals neuartige Krankheit zu bekämpfen. Den bestimmten Typ an T-Gedächtniszellen, den die Forscher bei den Studienteilnehmern gefunden hatten, entdeckten sie auch in vor der Pandemie entnommenen Blutproben. Sie vermuten deshalb, dass diese Personen bereits früher eine Infektion durchmachten – allerdings mit einem der anderen bereits bekannten Coronaviren, die im Normalfall nur eine Erkältung auslösen. Das könnte zu einer Kreuzimmunität geführt haben.

Alexander Edwards von der Universität Reading erklärt im Gespräch mit der BBC, warum die Erkenntnisse aus der Studie so interessant sind: sie könnten für die Entwicklung eines anderen Impfstofftyps von entscheidender Bedeutung sein. "Hoffentlich führt diese Studie zu weiteren Fortschritten in der Impfstoffentwicklung, da wir alle Arten von Impfstoffen benötigen, die wir bekommen können", sagt der Experte.

Im Moment steht die Studie noch auf dem Prüfstand, erst danach wird sie endgültig veröffentlicht.

Die weiteren Corona-News des Tages

Virologe Stöhr warnt vor voreiligen Schlüssen aus leicht sinkender Inzidenz

09:45 Uhr: Angesichts der wieder leicht sinkenden Corona-Inzidenz hat der Virologe Klaus Stöhr vor voreiligen Schlüssen gewarnt. Die Verwendung eines bundesweiten Mittelwertes sei "ein Anfängerfehler der Epidemiologie", sagte Stöhr der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Die große regionale Diversität der Pandemiesituation sollte nun aber auch dem Letzten auffallen." In Deutschland brauche es eine lokal spezifische Betrachtung bei der Risikoeinschätzung genau wie bei der Bekämpfung.

Die Corona-Lage werde sich ganz unterschiedlich entwickeln, prognostizierte der frühere Direktor der Weltgesundheitsorganisation (WHO). "In den Hotspot-Regierungsbezirken mit dünner Impfdecke sehen wir wie vorhergesagt bald eine leichte Entschärfung der Situation", sagte Stöhr. "Nach rasantem Anstieg flacht sich die Kurve ab, weil in der Region nicht mehr 'genügend' empfängliche Personen 'erreichbar' sind."

Dies sei aber kein Grund zur Entwarnung. Inzidenz und Hospitalisierung würden im Winter auf hohem Niveau verbleiben, weil Kontakte häufig und Mobilität hoch seien. Außerdem bräuchten die Impfkampagne und danach die Immunität Zeit, um Wirkung zu entfalten.

In den anderen Regionen werde sich der Anstieg "auf niedrigerem Niveau noch ein bis zwei Wochen fortsetzen und dann etwas verlangsamen", erwartete Stöhr. Auch dort aber bleibe der Infektionsdruck durch die Wintersituation weiter "sehr hoch".

Kurzfristig könnten die Kontaktbeschränkungen zur Abmilderung beitragen. Mittelfristig, bis Februar oder März, würden die gegenwärtigen Booster- und Erstimpfungen neben den Kontaktbeschränkungen über den weiteren Verlauf entscheiden. "Eine Impfpflicht ab diesem Zeitpunkt wäre deshalb für mich nicht geeignet, das aktuelle Problem effizient zu lösen", gab Stöhr in Bezug auf die Pläne von Ampel-Regierung und Bund und Ländern zu bedenken.

Spahn: Wichtig ist "quasi ein Lockdown für Ungeimpfte"

09:14 Uhr: Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat vor der Bund-Länder-Runde zu Corona-Maßnahmen die Notwendigkeit von Einschränkungen für Ungeimpfte betont. "Was tatsächlich wichtig ist, ist quasi ein Lockdown für Ungeimpfte", sagte der CDU-Politiker am Donnerstag im ZDF-"Morgenmagazin". Die große Zahl an Ungeimpften sei das, was "das Gesundheitssystem vor eine Herausforderung stellt". "Wenn Sie auf die Intensivstationen schauen, wenn Sie schauen: Wo ist die Dynamik überhaupt auch bei den Infektionen, dann ist das bei dieser zu großen Zahl an Ungeimpften."

Deswegen seien Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte wichtig. Zudem nannte der Minister 2G (also Zugang nur für Geimpfte und Genesene) "konsequent in fast allen Lebensbereichen", das Absagen oder deutliche Reduzieren von Großveranstaltungen sowie Schließungen von Bars, Clubs und Diskotheken. "Wir sehen ja, in den Regionen in Deutschland - in Sachsen, in Bayern - wo sehr weitgehende Maßnahmen ergriffen wurden, scheint sich die Lage zu stabilisieren und zu verbessern", sagte Spahn. "Die Maßnahmen wirken."

Man brauche "massive Kontaktbeschränkungen und Reduzierungen, um jetzt diese Dynamik auch rauszubringen". Er warnte zudem: "Selbst wenn es ab morgen keine Infektionen mehr in Deutschland gäbe, werden wir trotzdem wahrscheinlich über 6.000 COVID-19-Intensivpatienten in Deutschland noch den nächsten Tagen sehen."

Wüst zu Impfpflicht: Strafen am Ende der richtige Weg

08:58 Uhr: NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hofft weiter auf Einsicht bei bisher nicht gegen das Coronavirus geimpften Personen. Jeden Tag komme es noch zu neuen Erstimpfungen, sagte der derzeitige Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz im ZDF-"Morgenmagazin". Die sich weiter verschärfende Lage und die Debatte bringe "den ein oder anderen doch noch zur Vernunft", das müsse man anerkennen, meinte Wüst.

"Wir reden jetzt von einer Impfpflicht, nicht von einem Impfzwang", sagte Wüst. "Das heißt aber am Ende auch, dass das Bußgeld bewährt ist, dass man Strafen zahlen muss, wenn man sich nicht dran hält, das kennen wir auch bei anderen Pflichten in unserem Land. Und das ist, glaube ich, der richtige Weg."

Das Impfangebot sei stark ausgeweitet worden. So sei Köln von einer Kapazität von früher 3.000 Impfungen täglich nun auf dem Weg "in Richtung 15.000 Impfungen" pro Tag. Im Land werde "eine ganze Menge mehr gemacht als noch vor einigen Wochen".

Wüst zu Stadion-Zuschauern: "Signifikante Reduktion" der Zahlen

08:54 Uhr: Hendrik Wüst (CDU) von einer "signifikanten Reduktion" der Zuschauerzahlen in Fußballstadien aus. Hier gebe es weitgehende Einigkeit, sagte der derzeitige Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) im ZDF-"Morgenmagazin". Es gehe dabei um 50, 30 oder 25 Prozent. "Das ist Diskussionsstand heute." Wüst betonte: "Ich wünsche mir eine Zahl, die maximalen Gesundheitsschutz mit verhältnismäßigen Eingriffen in die Rechte der Geimpften (...) miteinander zusammenbringt."

Zuvor hatte Wüst - vor dem Bundesliga-Spitzenspiel zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München am Samstag - bereits gesagt, er halte er ein komplettes Verbot von Stadion-Zuschauern für wenig sinnvoll.

Mehr COVID-Tote in Bundesländern mit niedriger Impfquote

08:45 Uhr: In Bundesländern mit niedriger Impfquote sterben derzeit im Verhältnis zur Bevölkerung erheblich mehr Menschen an und mit Corona als im besser geimpften Norden Deutschlands. In Thüringen gab es demnach im Verhältnis zur Bevölkerung in den vergangenen sieben Tagen mehr als sechsmal so viele Corona-Tote wie in Bremen, dem Land mit der höchsten Impfquote (Datenstand 1.12.).

Nachzulesen ist das auf den "Corona Maps" des Instituts für Statistik der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. Grundlage sind die Daten des RKI und der Gesundheitsbehörden.

Es gebe hinreichend Evidenz, die zeige, dass eine höhere Impfquote zu einer niedrigeren Hospitalisierungsrate und zu einer geringeren Belegung der Intensivstationen führe und sich dann eben auch auf die Sterbewahrscheinlichkeiten auswirke, sagte Göran Kauermann vom LMU-Statistikinstitut der dpa. Das relative Risiko von Geimpften, auf einer Intensivstation zu landen, sei erheblich niedriger. "Es deutet alles in die gleiche Richtung", sagte der Wissenschaftler, auch wenn es nach Angaben des Wissenschaftlers keinen "knallharten kausalen Schluss" gibt.

In einem am Montag veröffentlichten Papier der Ständigen Impfkommission (Stiko) heißt es, die Zahl der COVID-19-Krankenhausaufnahmen sei bei Ungeimpften je nach Alter und Region 5- bis 15­fach höher als bei Geimpften.

In den vergangenen sieben Tagen wurden (Stand 1.12) in Thüringen 167 Corona-Tote gemeldet, in Bremen lediglich 8. Umgerechnet auf 100.000 Einwohner waren das im Schnitt 7,88 Tote in Thüringen und 1,18 in Bremen. Überdurchschnittliche Todesfälle meldeten demnach auch Sachsen (6,75), Bayern (3,90) und Brandenburg (3,87) - Bundesländer mit vergleichsweise niedrigen Impfquoten. Unterdurchschnittlich ist die Zahl der Corona-Toten dagegen auch in Schleswig-Holstein (0,82) oder in Hamburg (0,92), wo viele Menschen gegen Corona geimpft sind. Der Bundesschnitt liegt bei 2,46.

Betrachtet man die Rohdaten der Todesfallzahlen, sind die regionalen Diskrepanzen eklatant. So meldete Sachsen in den vergangenen sieben Tagen 274 Corona-Tote. Das waren neun Todesfälle mehr als in Nordrhein-Westfalen, obwohl NRW mehr als viermal so viele Einwohner zählt. In Sachsen sind weniger als 60 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft, in NRW dagegen knapp 72 Prozent.

Am Statistikinstitut der LMU dokumentiert und analysiert die COVID-19 Datenanalysegruppe Codag Infektions-, Patienten- und Todesfallzahlen auf regionaler Basis. "Derzeit sehen wir in Bundesländern mit einer niedrigeren Impfquote tatsächlich die höchsten Anstiege in der Sterblichkeit", sagte Kauermann. Das gilt nach seinen Worten auch, wenn man nicht nur die Todeszahlen ins Verhältnis zur Bevölkerung setzt, sondern auch die Unterschiede in der Bevölkerungsstruktur berücksichtigt.

"Man muss sich altersspezifische Sterbezahlen anschauen, weil wir in verschiedenen Bundesländern eine ganz unterschiedliche Altersstruktur haben", sagte Kauermann. Deswegen muss man das immer auf sogenannte standardisierte Mortalitäten herunterrechnen." So sind die Sachsen im Schnitt etwas älter als die Bayern. Auch unter Berücksichtigung dieser Faktoren liegt nach Analyse der Statistiker jedoch ein Zusammenhang zwischen niedriger Impfquote und den hohen Totenzahlen auf der Hand.

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Ist Ihr Landkreis dabei? Das sind die zehn Corona-Hotspots der Republik

In Deutschland schnellen die Inzidenzwerte in die Höhe. Wir listen die zehn Landkreise auf, wo die Sieben-Tage Inzidenz zur Zeit besonders hoch ist. Der unrühmliche Spitzenreiter liegt knapp unter der 2.000er-Inzidenz-Marke (Stand: 01.12.2021).

Söder will Impfpflicht ab zwölf Jahren diskutieren

08:26 Uhr: Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will über eine Impfpflicht bei Kindern ab zwölf Jahren sprechen. "Das muss man diskutieren", sagte er im Bayerischen Rundfunk. "Generell wäre es natürlich gut, wenn die Impfpflicht zumindest bei denen, bei denen der Impfstoff schon erprobt ist - ab zwölf - auch stattfinden würde." Das würde schnell gehen und die Schulen "absolut sicher machen". Zudem sei sein Gefühl bei den jungen Leuten: "Die wollen auch geimpft werden, weil sie sagen: 'Dann habe ich Freiheit'."

Bremer Regierungschef Bovenschulte plädiert für Hotspot-Strategie

08:01 Uhr: Vor der Bund-Länder-Runde zu schärferen Corona-Maßnahmen hat sich Bremens Regierungschef Andreas Bovenschulte für klare bundeseinheitliche Regeln und eine Hotspot-Strategie ausgesprochen. Das sei kein Widerspruch, sagte der SPD-Politiker am Donnerstag im ZDF-"Morgenmagazin". Bei Vorschlägen zu weiteren Schritten wie etwa flächendeckenden Restaurantschließungen sieht Bovenschulte die stark betroffenen Länder am Zug. "Das müssen die Länder sagen, in denen die Situation ganz besondes schwierig ist", sagte der Bremer Bürgermeister.

"Wogegen ich mich immer ausgesprochen habe, ist ein Lockdown für Geimpfte", betonte Bovenschulte. Geimpfte steckten sich viel seltener an und hätten, falls sie doch erkrankten, weit mildere Verläufe. Der eingeschlagene Kurs mit harten und klaren Regeln für Ungeimpfte sei richtig. "Wir haben einen Lockdown für Ungeimpfte, einen sehr weitgehenden." Er sei auch für eine allgemeine Impfpflicht für Erwachsene, allerdings bedeute die Ausgestaltung noch "ganz viel Arbeit im Detail".

Bund und Länder wollen an diesem Donnerstag härtere Maßnahmen im Kampf gegen Corona auf den Weg bringen. In der Schaltkonferenz der Ministerpräsidenten mit der geschäftsführenden Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem voraussichtlichen Nachfolger Olaf Scholz (SPD) geht es um ein umfangreiches Maßnahmenpaket.

Mohamed Ali: Mildere Mittel als Impfpflicht noch nicht ausgeschöpft

07:46 Uhr: Die Linke-Fraktionsvorsitzende Amira Mohamed Ali sieht eine allgemeine Impfpflicht gegen Corona zum gegenwärtigen Zeitpunkt kritisch. Es gebe gegen die Impfpflicht zum jetzigen Zeitpunkt "erhebliche verfassungsrechtliche Bedenken", sagte sie am Donnerstag im ZDF-"Morgenmagazin". "Und ein Grund dafür ist eben auch der, dass man sagt: Eine Impfpflicht ist ein starker Eingriff in Grundrechte. Der ist nur dann gerechtfertigt, wenn auch andere mildere Mittel ausgeschöpft worden sind. Und hier sehen wir, dass das nicht der Fall ist."

Zum jetzigen Zeitpunkt von einer Impfpflicht zu reden, "ich hab' das Gefühl, das lenkt ehrlich gesagt von den realen Problemen ab, die wir gerade haben", sagte die Fraktionsvorsitzende. "Wir haben im Moment die Probleme, dass Menschen, die gerne eine Impfung hätten, eine Booster-Impfung hätten, extrem große Schwierigkeiten haben, da überhaupt ranzukommen."

Der Parteivorstand der Linken hatte sich am Dienstag für eine allgemeine Impfpflicht ausgesprochen. Im Beschluss des Gremiums heißt es: "Die Linke steht an der Seite der Wissenschaft und fordert deshalb einen Lockdown sowie eine allgemeine Impfpflicht für Volljährige als Mittel zum Kampf gegen die herrschende Sars-CoV-2-Pandemie." Die Impfpflicht werde die vierte Corona-Welle nicht mehr brechen können, sei aber als Ultima Ratio ein entscheidendes Instrument, weitere Wellen zu verhindern und Menschenleben zu retten.

Mohamed Ali sagte, was die Linke beschlossen habe sei "ganz konkret, dass eine Impfpflicht nur als absolute Ultima Ratio in Betracht kommt". Mit Blick auf die von ihr angesprochenen "milderen Mittel" verwies sie auf Bremen, das bei der Impfquote im Vergleich der Bundesländer vorn liegt - das sei erreicht worden "durch Aufklärung, durch aufsuchende Impfkampagnen, auch durch Aufklärung in verschiedenen Sprachen". "Und das ist der richtige Weg. Diese Möglichkeiten sind noch nicht ausgeschöpft worden."

Wüst: Bei Bund-Länder-Runde keine halben Sachen gegen Corona machen

04:45 Uhr: NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hat vor der Bund-Länder-Runde an diesem Donnerstag konsequente Entscheidungen im Kampf gegen die dramatisch hohen Corona-Zahlen verlangt. "Wir dürfen heute in der Ministerpräsidentenkonferenz keine halben Sachen machen, sondern müssen die vierte Welle entschlossen brechen", sagte der aktuelle Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Berlin. "Die Länder brauchen dazu den bewährten Instrumentenkasten der Pandemiebekämpfung." Gerade Hotspots wie Sachsen und Bayern seien dringend darauf angewiesen. "Ein ausgedünnter Instrumentenkasten ist zu wenig", betonte Wüst.

Es sei richtig, "dass die Politik erkannte Fehler auch korrigiert - gerade, wenn es um unsere Gesundheit, um Leib und Leben geht", sagte Wüst mit Blick auf den voraussichtlichen Nachfolger von Angela Merkel (CDU) im Kanzleramt, Olaf Scholz (SPD). Er sei "dankbar, dass er zugesagt hat, dass er das Infektionsschutzgesetz erneut spürbar nachbessern möchte. Das muss jetzt aber auch konsequent geschehen."

Bund und Länder wollen am Donnerstag härtere Maßnahmen im Kampf gegen Corona auf den Weg bringen. Es geht etwa um umfangreiche Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte sowie die Vorbereitung einer allgemeinen Impfpflicht. Auch über die Reduzierung der Zuschauerzahl bei Großveranstaltungen wie Fußballspielen soll gesprochen werden.

RKI registriert 73.209 Corona-Neuinfektionen - Inzidenz bei 439,2

06:24 Uhr: Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist zum dritten Mal in Folge leicht gesunken. Das Robert-Koch-Institut (RKI) gab den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Donnerstagmorgen mit 439,2 an. Am Montag war ein Höchstwert von 452,4 erreicht worden, am Dienstag hatte der Wert bei 452,2 gelegen, am Mittwoch bei 442,9. Im Vormonat hatte der Wert bei 154,5 gelegen.

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 73.209 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 03:51 Uhr wiedergeben. Vor genau einer Woche waren es 75.961 Ansteckungen gewesen.

Bei der Bewertung des Infektionsgeschehens ist dabei zu bedenken, dass Experten derzeit von einer merklichen Untererfassung ausgehen. Gesundheitsämter und Kliniken kommen demnach mit der Meldung von Fällen zumindest in einzelnen Regionen nicht mehr hinterher.

Deutschlandweit wurden nach den neuen Angaben binnen 24 Stunden 388 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 351 Todesfälle. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 5.977.208 nachgewiesene Infektionen mit SARS-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Mittwoch mit 5,61 an (Dienstag: mit 5,73). Der Wert spielt eine wesentliche Rolle für die Beurteilung des Infektionsgeschehens. Bei Überschreitung der Grenzwerte 3, 6 und 9 in den Bundesländern können dort jeweils schärfere Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie verhängt werden.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI am Donnerstag mit 4.979.700 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit SARS-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 102.178.

Die Corona-Lage am 2. Dezember: Inzidenz sinkt dritten Tag in Folge

Zum dritten Mal in Folge ist die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz leicht gesunken. Das RKI gab den Wert am Donnerstagmorgen mit 439,2 an. (Teaser-Image: IMAGO / Rüdiger Wölk)

Patientenschützer warnen vor enormem Aufwand bei Impfpflicht

04:30 Uhr: In der Debatte um eine allgemeine Corona-Impfpflicht haben Patientenschützer auf einen enormen Aufwand bei der Umsetzung hingewiesen. "Bisher sagt die Politik nicht, wie das finanziell, logistisch und personell gestemmt wird", sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, der dpa. Es brauchte dann eine Infrastruktur, die allein 2022 halbjährlich Impfungen für Millionen Menschen gewährleiste, erläuterte er mit Blick auf mögliche Auffrischungsimpfungen.

Es sei lebensfremd zu glauben, die Hausärzte könnten das zusätzlich leisten. "Schon jetzt laufen die niedergelassenen Ärzte mit ihrem Impfangebot heiß", sagte Brysch. "Leidtragende sind aktuell die Patienten, die medizinische Grundversorgung brauchen. Die Situation verschärft sich Tag für Tag."

Ohne den Aufbau von mindestens 400 Impfzentren werde es nicht gehen. "Schließlich handelt es sich hier um ein Angebot, das sieben Tage die Woche vorgehalten werden muss." Wer also eine Impfpflicht durchsetzen wolle, müsse Milliarden-Mehrkosten verantworten. "Noch schwieriger wird es sein, Zehntausende Mitarbeiter für diese Aufgabe zu finden", sagte Brysch.

Bei der Ministerpräsidentenkonferenz am Donnerstag soll es auch um Vorbereitungen für die baldige Einführung einer allgemeinen Impfpflicht gehen. Scholz hatte sich dafür ausgesprochen, dass sie spätestens ab Anfang März kommt.

Mehr Kinder mit COVID-19 auf Intensiv? - Experte gibt Entwarnung

03:15 Uhr: Auf Kinderintensivstationen in Deutschland ist die Zahl der Corona-Fälle laut Divi-Intensivregister im November deutlich gestiegen - allerdings auf niedrigem Niveau. Fachleute geben jedoch Entwarnung: "Die allermeisten dieser Kinder sind wegen anderer Erkrankungen in Behandlung und haben keine COVID-19-Symptome", sagte der Kinder-Intensivmediziner Florian Hoffmann der dpa. Insgesamt wies das Divi-Intensivregister am Mittwoch 22 zur gleichen Zeit behandelte Corona-Fälle auf Kinderintensivstationen aus. "Es ist und bleibt so: Kinder sind von COVID-19 nicht schwer betroffen", sagte Hoffmann. Die zusätzliche Corona-Infektion der Kinder kann etwa bei Routinetests im Krankenhaus festgestellt werden.

Fehlgeleitete Immunreaktion: Wie das Coronavirus die Lunge zerstört

03:00 Uhr: Eine schwer verlaufende COVID-19-Erkrankung geht oft mit einer starken Vernarbung des Lungengewebes einher. Womöglich bringt SARS-CoV-2 die Fresszellen des Immunsystems dazu, Vernarbungsprozesse zu befeuern, berichtet ein deutsches Forscherteam um Leif-Erik Sander von der Berliner Charité im Fachmagazin "Cell". Das habe letztlich zur Folge, dass die COVID-19-Patienten außergewöhnlich lange unterstützend mit Sauerstoff versorgt oder sogar über eine künstliche Lunge - die ECMO - beatmet werden müssten.

Bei einem schweren Verlauf von COVID-19 entwickelt sich bei vielen Patienten ein akutes Lungenversagen, kurz ARDS genannt (Acute Respiratory Distress Syndrome). Die Forschenden um Sander gingen in ihrer Studie der Vermutung nach, dass dabei das Lungengewebe der Patienten vernarbt, verdickt und unelastisch wird. Ganz ähnliche Vorgänge laufen bei einer bisher unheilbaren Form der Lungenvernarbung ab, der idiopathischen Lungenfibrose.

Anne Spiegel: Schulen so lange wie möglich offen halten

01:00 Uhr: Die designierte Bundesfamilienministerin Anne Spiegel hat vor den Bund-Länder-Beratungen zur Corona-Pandemie vor Schulschließungen gewarnt. "Wir müssen alles daran setzen, dass die Bildungseinrichtungen so lange wie möglich offen bleiben", sagte die Grünen-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstag). Schutzmaßnahmen für Kinder und Jugendliche müssten verstärkt werden. Sinnvoll wäre, das Tragen von Masken auszuweiten und mehr zu testen. "Ich wünsche mir dringend, dass wir nicht als erstes über die Schließung von Schulen und Kitas sprechen, sondern als allerletztes."

"Es geht nicht nur um Lernrückstände. Schulen und Kitas sind ein wichtiges System, das den Kindern auch Halt, Geborgenheit und Sicherheit gibt in dieser schwierigen Zeit. Viele Kinder leiden psychisch unter der Pandemie", sagte Spiegel.

Die Grünen haben die rheinland-pfälzische Ministerin für Umwelt und Klimaschutz als Bundesfamilienministerin für die neue Ampel-Regierung in Berlin nominiert. Spiegel kündigte in den Funke-Zeitungen an, sich umgehend um die Förderung ärmerer Kinder kümmern zu wollen. "Für den Start ist wichtig, dass 2,7 Millionen Kinder in Deutschland einen Sofortzuschlag bekommen, der ein deutliches Plus im Geldbeutel bringt."

Auch die geplante Kindergrundsicherung werde sie sofort angehen, sagte Spiegel - allerdings sei das "ein so großer Wurf, dass die Kindergrundsicherung nicht in den ersten 100 Tagen das Licht der Welt erblicken wird". Zu einem Schwerpunkt will sie zudem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf machen. "Es ist mir wichtig, dass wir die Betreuungssituation für Familien verbessern."

Spiegel kündigte an, dass sie mit ihrer gesamten Familie von Speyer nach Berlin umziehen werde. "Nachdem klar war, wohin die Reise geht, habe ich erst mit meinem Mann und dann mit den Kindern gesprochen. Der Familienrat hat sich eindeutig dafür ausgesprochen, dass wir alle zusammen nach Berlin ziehen."

Kinderärzte lehnen weiterhin Maskenpflicht an Schulen ab

Kinder- und Jugendärzte in Deutschland fordern weiterhin ein Ende der Maskenpflicht an Schulen. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt, sagte der Verbandssprecher. Vorschaubild: picture alliance/dpa/Guido Kirchner

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Mit Material von dpa, afp, sid, reuters und apa.