Millionen Amerikaner reisen nach dem Erntedankfest durchs Land, trotz aller Viruswarnungen: Experten erwarten zeitversetzt eine dramatische Infektionswelle – rund um Weihnachten.

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Thanksgiving, das amerikanische Erntedankfest, ist traditionell ein Termin, an dem Familien zusammenkommen – und einer der reise-intensivsten Feiertage überhaupt. Das war auch in diesem Jahr so, trotz Corona-Warnungen. Millionen Amerikaner haben sich mitten in der Pandemie in Flugzeuge, Züge und Busse gesetzt, Transportmittel also, in denen ein erhebliches Ansteckungsrisiko herrschen dürfte.

Nun fürchten die Krankenhäuser zeitversetzt eine weitere Verschärfung der Lage durch das lange Feierwochenende. Am Sonntag hatte die Johns-Hopkins-Universität in Baltimore 109.671 neue Coronafälle gemeldet, dazu 731 Todesopfer binnen eines Tages. Eine weitere Zahl sorgt bei Experten für Unbehagen: 93.238 Menschen waren am Sonntag wegen Covid-19 zur Behandlung im Krankenhaus – ein neuer Höchstwert.

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Corona-Welle? In den Krankenhäusern droht eine Eskalation der Lage

Menschen, die sich an Thanksgiving angesteckt haben, dürften in etwa zwei bis drei Wochen in den Statistiken auftauchen und, bei schwerem Krankheitsverlauf, in den Krankenhäusern. "Das ist wie eine Naturkatastrophe in allen 50 Bundesstaaten gleichzeitig", zitiert CNN die Analystin Dr. Megan Ranney von der Brown University in Rhode Island: "Es gibt nicht genug Betten. Es gibt nicht genug Personal. Und weil wir uns auf Bundesebene nicht vorbereitet haben, gibt es nicht genug Ausrüstung."

Deutliche Warnungen kommen auch aus dem Dunstkreis von Noch-Präsident Donald Trump. Deborah Birx, Koordinatorin der Corona-Taskforce im Weißen Haus, sagte dem Sender CBS: "Es sah aus, als würde sich die Lage in den nördlichen Flächenstaaten entspannen. Aber nun haben wir wegen Thanksgiving Angst, dass das alles zunichtegemacht wird." Die Fallzahlen, so Birx, seien "drei, vier und zehnmal" so hoch wie bei der letzten Eskalation nach dem Memorial-Day-Wochenende Ende Mai.

Die Warnungen waren deutlich – viele haben sie dennoch ignoriert

Auch Anthony Fauci sitzt in der Corona-Arbeitsgruppe, er hat sich in der Krise zu einem der prominentesten Virus-Experten der USA entwickelt. Was er dem Sender NBC sagte, klingt nicht weniger düster als bei Birx und Ranney: "Was wir mit Blick auf die nächsten Wochen im Dezember erwarten, ist leider, dass wir eine neue Welle haben könnten – zusätzlich zu der Welle, in der wir uns schon befinden." Es sei zwar zu spät gegenzusteuern, dennoch sollten Reisende unbedingt die Empfehlungen zum Abstand zu Mitreisenden und dem Tragen von Gesichtsmasken beachten.

Die US-Gesundheitsbehörde CDC hatte vor Thanksgiving dringend von den sonst üblichen Reisen quer durch die USA zu Familienangehörigen abgeraten, doch ließen sich Millionen US-Bürger davon nicht abhalten.

Die USA sind das am schwersten von der Pandemie betroffene Land weltweit. Insgesamt verzeichneten die Vereinigten Staaten bereits mehr als 13 Millionen Corona-Fälle. Mehr als 266.000 Infizierte starben. (jok/dpa)  © DER SPIEGEL

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