Bereits vor Monaten angekündigt, nun ist sie endlich da: Seit Dienstagmorgen steht die offizielle Corona-Warn-App des Bundes zur Verfügung. Wir haben die Android-Version der Software getestet. Das größte Problem zeigte sich dabei gleich ganz am Anfang.

Eine Kritik
von Marco Fieber

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Nach diversen Verzögerungen ist nun auch die Corona-Warn-App des Bundes gestartet. Die App soll die Kontaktverfolgung von Infizierten ermöglichen und dadurch die Infektionsketten verkürzen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Innenminister Horst Seehofer und Verbraucherschutzministerin Christine Lambrecht (SPD) haben die App am Dienstagvormittag offiziell vorgestellt. Bereits seit den frühen Morgenstunden steht sie Smartphone-Nutzern zur Verfügung.

Die Anwendung soll Nutzer warnen, wenn sie bedenklichen Kontakt zu einem Corona-Infizierten hatten. Diese Warnung können die Nutzer dann für Menschen freigeben, mit denen sie Kontakt hatten. Die App wurde im Auftrag der Bundesregierung entwickelt. Die Nutzung ist freiwillig, allerdings wirbt die Regierung intensiv dafür, die Anwendung herunterzuladen und auch zu aktivieren.

Wir haben uns aus Nutzersicht ausführlich die Android-Version der App angeschaut, die Funktionsweise und der Aufbau der App für iPhones ist allerdings gleich. Der Test zeigt, wie nutzerfreundlich die App ist und wo es noch hakt.

Auffinden

Im App-Store von Google konnte die Corona-Warn-App bereits seit kurz nach 2 Uhr morgens heruntergeladen werden, bei Apple war sie erst später verfügbar.

Die größte Hürde gibt es allerdings gleich zu Beginn: Denn wer in Googles App-Store nach "Corona", "Corona App", "Corona Warn App" oder selbst unter dem offiziellen Namen "Corona-Warn-App" sucht, findet die Software nicht – sie taucht dort etwa nur bei "Coronawarnapp" auf. Auch im Apple-Store ist die App ähnlich schwer zu finden. Dort erscheint die App immerhin, wenn man nach dem offiziellen Namen sucht.

Hinweis: Mindestens seit Mittwochmorgen taucht die App prominent in Googles App-Store unter Suchbegriffen wie "Corona" oder "Corona App" auf. Die im ursprünglichen Artikel geäußerte Kritik trifft deshalb nicht mehr zu.

Trotzdem: Potentielle Nutzer könnten aufgrund dieser Startschwierigkeiten die App möglicherweise nicht installieren. Das Problem sollte also schnellstens behoben werden. Auch, weil es diverse andere Corona-Apps gibt, beispielsweise von der Weltgesundheitsorganisation, des Universitätsklinikums Freiburg, oder privater Unternehmen. Zu zusätzlicher Verwirrung könnte noch beitragen, dass das Robert-Koch-Institut neben der Corona-Warn-App auch die App "Corona-Datenspende" anbietet.

Sucht man in Googles App-Store nach "Corona App", tauchen etliche Apps auf – nur nicht die offizielle Corona-Warn-App des Bundes.

Installation

Die App benötigt mindestens iOS 13.5 beziehungsweise Android 6.0 oder höher, was sehr alte Smartphone-Modelle ausschließt.

Die Android-Version ist knapp 17 Megabyte groß, auf dem Handy selbst verbraucht sie 38 Megabyte Speicherplatz – das ist verhältnismäßig schlank. Die Installation geht – je nach Internetverbindung und Alter des Smartphones – flott und schnell. Für den Betrieb ist kein dauerhafter Internetzugang nötig, allerdings muss Bluetooth angeschaltet werden.

Dienstagmorgen um 7 Uhr hatten die Android-Version bereits mehr als 5.000 Menschen installiert, knapp zwei Stunden später waren es laut Googles App-Store bereits über 10.000.

Start und Anmeldung

Wer bisher noch nichts über die Funktionsweise der Corona-Warn-App weiß, bekommt gleich auf dem Einstiegsbildschirm in wenigen Sätzen erklärt, wie die Software funktioniert.

"Mit der Corona-Warn-App durchbrechen wir Infektionsketten schneller. Machen Sie Ihr Smartphone zum Corona-Warn-System", heißt es dort. Große Worte, angesichts der Tatsache, dass das System insgesamt nur dann funktionieren kann, wenn die Mehrheit der Bevölkerung mitmacht. Doch selbst in Island, wo die Durchdringungsrate der dortigen Corona-App so hoch wie nirgendwo anders ist, hat nur jeder Vierte die Software auf seinem Handy.

Nach einem Klick auf "Los geht's" erwartet die Nutzer der Bundes-Corona-App eine umfassende Datenschutzerklärung. Kaum jemand wird sich die Mühe machen, sich durch die zwölf Punkte durchzuscrollen. Im Kern werden noch einmal detailliert die Funktionen und die Arbeitsweise der App erklärt sowie welche Daten wo gespeichert beziehungsweise eben gerade nicht gespeichert werden. Das Wichtigste: "Alle in der App gespeicherten Daten werden gelöscht, sobald sie für die Funktionen der App nicht mehr benötigt werden." Dazu zählen etwa die durch die Software gesammelten Kontakte nach 14 Tagen.

Nach langen Texten wird es anschließend praktischer. Der Nutzer wird nun aufgefordert, die Risiko-Ermittlung zu aktivieren. Ohne diese fundamentale App-Funktion hat die Nutzung der Software keinen Sinn. Zudem wird noch einmal in wenigen Absätzen die Funktionsweise erläutert. Deutlich länger ist die nachfolgende Einwilligungserklärung zur Aktivierung der Risiko-Ermittlung, der man gleich zweimal zustimmen muss. Sowohl Datenschutz- als auch Einwillungserklärung können später innerhalb der App erneut gelesen werden.

Im nächsten Schritt wird der Nutzer gebeten, positive Corona-Tests der Corona-App "freiwillig und sicher" mitzuteilen. Nur so können die Kontaktpersonen gewarnt werden. Die App selbst verlangt weder die Eingabe eines Namens, eines Alters noch einer E-Mail-Adresse.

Die Funktionen der Corona-Warn-App

Nachdem man sich bisher vor allem durch mal kürzere, mal längere Texte gekämpft hat, erreicht man die eigentliche App. Diese ist sehr übersichtlich:

  • Ein Icon zeigt an, ob die Risko-Ermittlung aktiv ist. Dazu muss am Handy Bluetooth eingeschaltet sein.
  • Darunter wird das täglich aktualisierte Risiko des jeweiligen Nutzers angezeigt. Aufgrund der anfangs noch wenigen verfügbaren Informationen ist dieses "unbekannt", nach einiger Zeit wird sich die Risiko-Anzeige entweder grün ("niedriges Risiko") oder rot ("erhöhtes Risiko") färben. Mit einem Klick auf das Feld gibt die App Verhaltenshinweise – wenig überraschend zählen dazu Abstandhalten, regelmäßiges waschen der Hände oder niesen in die Armbeuge
  • Ein zweites Dialogfeld erläutert, wie bei bestätigten Infektionen zu verfahren ist.
  • Und am Ende der zentralen Ansicht befindet sich ein Verweis auf häufig gestellte Fragen – die Antworten sind allerdings nicht in der App selbst integriert sind, sondern es wird lediglich auf die Webseite der Bundesregierung verwiesen. Das hätte man schöner lösen können.

Genauso schlank wie die App selbst sind auch die verfügbaren Einstellungen. Hier gibt es nur drei Optionen:

  • Risiko-Ermittlungen an/aus
  • Push-Benachrichtigungen an/aus
  • Anwendung zurücksetzen, alle gesammelten Daten werden in der App gelöscht.

Fazit

Aus Nutzersicht fällt sofort auf: Die App ist sehr textlastig. Vor allem die Erklärungen zur Funktionsweise der App hätte man mit Icons oder Animationen einfacher und anschaulicher erklären können. Ein Großteil der Nutzer wird die Informationen aus diesem Grund wohl nur überfliegen und sich schnell durch allerlei Datenschutzinformationen und den notwendigen Bestätigungen scrollen und klicken.

Die App selbst ist übersichtlich, einfach strukturiert und für gewöhnliche Smartphone-Benutzer selbsterklärend. Das mit Abstand größte Problem ist aber die schwierige Auffindbarkeit der Software in den App-Stores selbst. Das könnte noch zu einem bedeutenden Hindernis bei der Verbreitung werden. Zudem kann erst ein Langzeit-Test zeigen, wie stark der Akku durch die ständig eingeschaltete Bluetooth-Verbindung (auch wenn dabei nur die Funktechnologie Bluetooth Low Energy genutzt wird) belastet wird.

Update 17. Juni: Mittlerweile taucht die App prominent in Googles App-Store unter Suchbegriffen wie "Corona" oder "Corona App" auf. Die im ursprünglichen Artikel geäußerte Kritik trifft deshalb nicht mehr zu.

Die deutsche Corona-Warn-App steht zum Download bereit

Seit den frühen Morgenstunden des 16. Juni 2020 steht die deutsche Corona-Warn-App interessierten Menschen zum Download auf das Smartphone zur Verfügung. Ihre Verwendung erfolgt auf freiwilliger Basis und dient der Nachverfolgung möglicher Infektionsketten.
Teaserbild: © imago images/teamwork