Alle müssten in der Coronakrise Opfer erbringen, sagte Vizegouverneur Dan Patrick. Aber die Wirtschaft müsse weiterlaufen. Er selbst sei bereit, dafür sein Leben zu geben.

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Wohl kaum eine andere Frage wird derzeit so stark debattiert: Wie lautet die richtige Strategie im Umgang mit der Coronakrise? Während Regierungen auf der ganzen Welt auf strikte Isolation von Infizierten und Ausgangssperren setzen, fordert der amerikanische Vizegouverneur Dan Patrick nun einen anderen Weg - und vertritt eine absurde These.

Es könne nicht sein, dass die Wirtschaft der Coronakrise geopfert werde, sagte der Politiker aus Texas in einem Fernsehinterview auf Fox News. Man müsse wenigstens diskutieren, ob nicht die älteren Bürger geopfert werden sollten. "Ich denke, es gibt da draußen viele Großeltern wie mich, ich habe sechs Enkel. Ich will nicht, dass das ganze Land geopfert wird", so Patrick.

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Es habe ihn als älteren Bürger niemand gefragt, ob er sein Leben im Tausch gegen das Amerika riskieren würde, das alle liebten - um es für seine Enkel zu erhalten. Er selbst sei bereit, sein Leben zu geben.

Der Moderator hakte nach: "Sie sagen, dass dieses Virus Ihnen das Leben nehmen könnte. Aber es gibt für Sie etwas, das schlimmer ist als der Tod?" Patricks Antwort darauf war kurz. "Ja", sagte er.

Patricks These deckt sich in Teilen mit der Sicht von US-Präsident Donald Trump auf die Corona-Pandemie. Schon bald, sehr bald, werde diese Krise vorüber sein, verkündete der Präsident im Weißen Haus. Dann werde Amerika wieder "geöffnet"- und die Wirtschaft werde florieren. Das sei für ihn keine Frage von Monaten, sondern eher von Wochen, so Trump. "Unser Land ist nicht dafür gemacht, geschlossen zu bleiben."

Das Coronavirus hat auch die USA fest im Griff, die Lage verschlechtert sich von Tag zu Tag. Die Rate der Infizierten steigt rasant an. Mehr als 42.000 Amerikaner sind inzwischen offiziell infiziert, 540 Menschen gestorben. Allein in der Metropole New York sind 13.000 Menschen erkrankt. Die Kliniken dort geraten bereits an ihre Kapazitätsgrenzen.

"Lasst uns wieder zur Arbeit gehen, lasst uns wieder leben"

Texas' Vizegouverneur Dan Patrick scheint das nicht zu schrecken. "Wir, die 70 Jahre oder älter sind, wir können schon auf uns selbst aufpassen", sagte er. Jeder, mit dem er momentan spreche, sage ihm, dass man diese Krise aufhalten müsse. "Meine Botschaft ist: Lasst uns wieder zur Arbeit gehen, lasst uns wieder leben."

Auf Twitter brachten Nutzer ihr Unverständnis für den Vorschlag zum Ausdruck. "Lieber Dan Patrick, Corona tötet auch Menschen im Erwerbstätigenalter. Ihr Verständnis ist genauso falsch wie Ihre Moral", lautete ein Kommentar.

Ein anderer Nutzer machte auf den Widerspruch zur Pro-Life-Bewegung aufmerksam. Aktivisten setzen sich dabei gegen Abtreibungen ein, meist ordnen sie sich selbst dem konservativen Spektrum zu. Auch der Republikaner Dan Patrick ist Anhänger der Bewegung. Ihr Motto: Jedes Leben ist schützenswert.

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels hieß es, Dan Patrick sei texanischer Gouverneur. Tatsächlich ist Patrick Vizegouverneur des US-Bundesstaats.
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