Wegen der Grippe haben wir unser Leben noch nie so eingeschränkt wie jetzt wegen Corona. Warum? Und beeinflusst die Grippeimpfung das COVID-19-Risiko? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

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COVID-19 mit der Grippe zu vergleichen, ist nicht immer eine gute Idee. Schnell wirkt es, als wolle man eine der Krankheiten verharmlosen - oder die andere übertrieben gefährlich darstellen.

Nun steht jedoch ein Winter bevor, in dem beide Infektionskrankheiten auftreten, da hilft es, sie gemeinsam zu betrachten. Ein Überblick.

Wir leben schon so lange mit der Grippe, ohne dass das Leben massiv eingeschränkt wird. Warum ist das beim Coronavirus anders?

COVID-19 und die Grippe haben eine große Gemeinsamkeit: Beide können zu einer gefährlichen, bei manchen Patientinnen und Patienten auch lebensbedrohlichen Lungenentzündung führen.

Gegen die Grippe existiert jedoch eine Impfung. Außerdem zeigen immer mehr Studien, dass COVID-19 bei vielen Patienten im Krankenhaus schwerer verläuft als die Influenza.

So verglichen Forscher des Robert Koch-Instituts (RKI) Krankenhausdaten von COVID-19-Patientinnen und -Patienten aus dem Frühjahr mit Daten der fünf vergangenen Grippewellen:

  • Während von den Grippekranken nur rund 14 Prozent künstlich beatmet werden mussten, waren es 22 Prozent bei COVID-19.
  • Zusätzlich hingen die Corona-Kranken viel länger an den Beatmungsmaschinen. Im Mittel konnten sie erst nach zehn Tagen entwöhnt werden, bei den Grippekranken war dies im Mittel schon nach vier Tagen der Fall.
  • Der schwerere Krankheitsverlauf zeigte sich auch bei den Todesfällen: Von den Corona-Kranken im Krankenhaus starben 21 Prozent - also gut jeder Fünfte. Bei der Influenza traf dieses Schicksal mit zwölf Prozent rund jeden Achten.

Internationale Studien, etwa aus einem Krankenhaus in Boston, bestätigen das Ergebnis. Auch dort benötigten COVID-19-Patienten deutlich häufiger eine künstliche Beatmung als Influenza-Patienten und hatten ein höheres Risiko zu sterben.

Um einschätzen zu können, wie gefährlich ein Virus ist, braucht es jedoch noch einen anderen Wert: die sogenannte Infektionssterblichkeit. Sie besagt, wie groß der Anteil der Verstorbenen unter allen Infizierten ist, bezieht also auch diejenigen mit ein, die sich zwar anstecken, aber keine Beschwerden entwickeln.

Für eine noch nicht veröffentlichte Metaanalyse verglich ein internationales Forscherteam diesen Wert bei COVID-19 und der Grippe:

  • Den Berechnungen zufolge starben bei der Grippewelle 2018 bis 2019 in den USA rund 0,05 Prozent der Infizierten, also fünf von 10.000.
  • Bei COVID-19 wäre der Anteil, wenn sich die Krankheit über alle Altersgruppen gleichmäßig verteilt, den Berechnungen zufolge bei 0,8 Prozent, also acht von 1000.

Die Metaanalyse enthält jedoch auch eine gute Nachricht: Werden ältere Menschen vor einer Ansteckung mit COVID-19 geschützt, lässt sich die Infektionssterblichkeit von den 0,8 auf 0,3 Prozent senken - also mehr als halbieren.

Bei schweren Grippewellen sterben in Deutschland mehr als 25.000 Menschen. In der Corona-Pandemie wurden in Deutschland bislang knapp 10.000 Tote gezählt. Wie passen diese Zahlen zusammen, wenn COVID-19 viel gefährlicher sein soll als die Grippe?

Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Grippe beziehungsweise mit COVID-19 lassen sich nur bedingt vergleichen, weil sie unterschiedlich ermittelt werden.

  • Wenn jemand stirbt, der durch einen Labortest bestätigt mit Sars-CoV-2 infiziert war, wird er als Covid-19-Todesfall gezählt. Es werden also auch Todesfälle erfasst, bei denen nicht eindeutig geklärt werden kann, ob die Coronavirus-Infektion der entscheidende Auslöser war.
  • Bei der Grippe reicht es nicht aus, die ans RKI übermittelten Todesfälle von Infizierten zu zählen. Denn die Grippe werde auf dem Totenschein oft nicht eingetragen, selbst wenn es eine per Labortest nachgewiesene Infektion gab und diese auch wesentlich zum Tod beigetragen habe, wie das RKI schreibt.

Daher wird in Deutschland geschätzt, wie viele Menschen in einem Winter an der Grippe gestorben sind, so ist es auch international üblich. Dazu wird zunächst mit statistischen Verfahren eine sogenannte Hintergrundmortalität ermittelt.

Also: Wie viele Menschen sterben in einem Zeitraum voraussichtlich ohne Grippewelle? Bei starken Grippewellen gibt es einen deutlichen Anstieg an Todesfällen. Diese werden dann als Grippetodesfälle gezählt.

Im Jahr 2015/2016 beispielsweise gab es keine sogenannte Übersterblichkeit durch die Grippe, im Winter 2017/2018 hingegen starben demnach etwa 25.100 Menschen im Zusammenhang mit Influenza.

Vor allem hinkt der Vergleich der Todeszahlen aber aus folgendem Grund: Deutschland hat bislang in keiner Grippewelle derartige Maßnahmen erlassen wie jetzt in der Corona-Pandemie, die Kontaktbeschränkungen, die Abstandsregeln, der Mund-Nasen-Schutz, das Absagen von Großveranstaltungen, die Corona-App.

Im Vergleich zu SARS-CoV-2 konnten sich die Influenzaviren bislang also - trotz der für Risikogruppen empfohlenen Impfung - immer relativ stark ausbreiten. So gab es zum Beispiel im Winter 2017/18 laut RKI rund sechs Millionen Arztbesuche wegen Grippe-Erkrankungen (hier auf Seite 40).

Dies waren bei Weitem nicht alle Betroffenen: Ebenso wie bei Coronavirus-Infektionen gibt es auch asymptomatische Grippeinfektionen. Also Menschen, die sich mit dem Virus anstecken, ohne krank zu werden. Ihr Anteil wird laut der EU-Seuchenschutzbehörde mit bis zu 75 Prozent beziffert.

Insgesamt sind während einer schweren Grippewelle in Deutschland also deutlich mehr Menschen mit Influenza infiziert als bislang in der Corona-Pandemie mit SARS-CoV-2.

Dementsprechend fordert die Grippe auch viele Todesopfer. Könnte sich das Coronavirus so gut verbreiten, wie es Grippeviren in früheren Wintern gelungen ist, dann würde die Zahl der Todesfälle dramatisch steigen.

Grippeviren und Coronavirus: Kann man sich gleichzeitig infizieren?

Ja, das ist möglich. "Dass solche parallelen oder rasch aufeinanderfolgenden Infektionen auftreten, ist nicht wirklich überraschend", sagt Marcus Panning vom Institut für Virologie am Universitätsklinikum Freiburg.

Man wisse von anderen, herkömmlichen Atemwegsviren, dass sie einen Patienten durchaus zu zweit oder dritt befallen können. "Bei einigen Kindern haben wir sogar bis zu fünf unterschiedliche Erreger nachgewiesen."

Doppelinfektionen bedeuten nicht automatisch, dass die Betroffenen schwerer erkranken. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass die erste Infektion den Körper bereits in Alarmbereitschaft versetzt.

"Wenn ein Erreger eindringt, erkennt das Immunsystem ihn als fremd", sagt Panning. Der Körper beginnt, das Virus beispielsweise mit Fieber zu bekämpfen. "Kommt dann noch ein zweiter Erreger obendrauf, kann es sein, dass der Körper auch mit ihm besser fertig wird, weil die Abwehr bereits aktiviert ist." Auf diesem Weg könnte eine Infektion möglicherweise sogar vor weiteren schützen.

Bei SARS-CoV-2 zeigen zwar verschiedene Fallberichte von Patientinnen und Patienten, die sich zusätzlich mit Grippeviren angesteckt haben, dass diese doppelten Infekte den Krankheitsverlauf nicht verschlimmern müssen.

Allerdings kommt eine vorveröffentlichte Studie aus Großbritannien auch zum Schluss, dass Patientinnen und Patienten mit einer solchen Doppelinfektion ein deutlich höheres Risiko hatten, zu sterben oder beatmet werden zu müssen als Patienten mit nur einer der beiden Infektionen.

Eindeutig beantworten lässt sich die Frage nach der Gefährlichkeit also noch nicht, das werden erst weitere Untersuchungen zeigen.

Wie kann ich unterscheiden, ob ich die Grippe oder COVID-19 habe?

Die Grippe beginnt meist schlagartig mit hohem Fieber und schwerem Krankheitsgefühl. Viele COVID-19-Patienten fühlen sich noch einige Tage relativ gut, ehe die Krankheit einen schwereren Verlauf nimmt.

Ein relativ sicheres Zeichen für COVID-19 ist außerdem, wenn jemand plötzlich nichts mehr schmecken oder riechen kann, auch unabhängig von einer verstopften Nase.

Doch eindeutig lassen sich beide Krankheiten nicht anhand der Symptome abgrenzen - dafür bedarf es etwa eines PCR-Tests auf Corona- oder Influenzaviren.

Wie gefährdet sind Kinder?

Eine Grippe ist unangenehm, für die meisten Kinder aber nicht gefährlich. "Bei ansonsten gesunden Kindern wie auch bei Erwachsenen, die nicht zu den sogenannten Risikogruppen gehören, verläuft die Grippe oft ohne Komplikationen und ähnlich einem grippalen Infekt", schreibt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

"Allerdings kann der trockene Husten über Wochen bestehen bleiben und sehr quälend sein." Kommt es zu einem schweren Verlauf, betrifft dies insbesondere kleine Kinder. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt alle Kinder bis 59 Monaten zur Influenza-Risikogruppe.

Eine SARS-CoV-2-Infektion verläuft nach derzeitigem Kenntnisstand bei ansonsten gesunden Kindern meist noch glimpflicher als die Grippe, oft merken sie nichts oder entwickeln lediglich leichte Beschwerden.

Auch das Risiko für Komplikationen ist in ihrer Gruppe bei COVID-19 niedriger als bei der Grippe. Allerdings haben Ärzte bei einigen wenigen Kindern schwere Entzündungsreaktionen beobachtet, die im Zusammenhang mit COVID-19 stehen könnten. Das Risiko gilt als extrem gering.

Haben Kinder hingegen Vorerkrankungen, steigt das Risiko für einen schweren Verlauf bei beiden Erregern an. Aus diesem Grund sollten Kinder mit chronischen Erkrankungen, etwa mit Diabetes, einer Herzschwäche oder Asthma, gegen die Grippe geimpft werden.

Der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, Johannes Hübner, forderte Ende August sogar laut einem Bericht, alle Kinder gegen die Grippe impfen zu lassen.

Dabei argumentierte er unter anderem mit der Rolle der Kinder bei der Verbreitung von Influenzaviren. Vor allem kleine Kinder sind mitunter länger ansteckend als Erwachsene.

Bei der Verbreitung von SARS-CoV-2 ist die Rolle der Kinder noch nicht abschließend geklärt. Mehrere Untersuchungen kamen zum Ergebnis, dass Kinder das Virus kaum übertragen.

Eine aktuelle, umfangreiche Analyse widerspricht dem jedoch. Demnach stecken infizierte Kinder zwar nur selten Erwachsene an, geben das Virus aber vergleichsweise häufig an Gleichaltrige weiter.

Wann beginnt die Grippewelle?

In den meisten Jahren beginnt die Grippewelle zwischen Ende Dezember und Mitte Januar, sie dauert meist bis März oder April an. Dies ist jedoch von Jahr zu Jahr unterschiedlich.

Wie stark die Grippewelle in diesem Jahr ausfällt, ist schwer vorherzusagen. Ein Grund, auf eine milde Saison zu hoffen: Auf der Südhalbkugel fiel die Grippewelle dieses Jahr nahezu aus. Die Infektionskrankheit verbreitet sich dort in unserem Sommer - der Verlauf gilt deshalb als eine Art Grippe-Orakel für die Nordhalbkugel.

"Die diesjährige Grippewelle ist in Australien kaum vorhanden", sagt Virologe Panning. Grund dafür seien wahrscheinlich auch die Corona-Maßnahmen.

"Wenn man das im Hinterkopf behält, ist es vorstellbar, dass auch in Deutschland die Grippesaison leichter verlaufen wird als vorherige - ganz einfach, weil wir Abstand halten und Masken tragen. Ich sage das aber mit äußerster Vorsicht."

Wem wird die Grippeimpfung empfohlen?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) rät einigen Personengruppen, sich jährlich gegen die Grippe impfen zu lassen, weil sie ein besonders hohes Risiko haben, schwer zu erkranken.

Das gilt für alle ab 60-Jährigen und für viele chronisch Kranke, also unter anderem für Menschen mit Diabetes, mit Herz-, Leber- oder Nierenkrankheiten sowie für Menschen mit chronischen Atemwegskrankheiten.

Außerdem wird die Impfung allen Schwangeren ab dem 4. Monat, chronisch kranken Schwangeren bereits vor dem 4. Monat empfohlen. Des Weiteren wird die Impfung auch Menschen nahegelegt, die ein größeres Risiko haben, im Krankheitsfall andere anzustecken, medizinisches Personal zum Beispiel.

Es dauert etwa zwei Wochen, bis der Immunschutz nach der Impfung voll aufgebaut ist. Das RKI empfiehlt, sich im Oktober oder November impfen zu lassen. Aber auch ein späterer Zeitpunkt kann noch sinnvoll sein.

Wovor schützt die Grippeimpfung - und wovor nicht?

Bei der Impfung gegen die jährliche Grippe handelt es sich um einen sogenannten quadrivalenten Impfstoff: Er enthält Bestandteile von vier verschiedenen Grippeviren.

Zwei davon zählen zu den Influenza-A-Viren, zwei zu den Influenza-B-Viren. Welche Varianten dieser Viren im Impfstoff enthalten sind, wählen Expertinnen und Experten jährlich neu aus, abhängig davon, welche Grippeviren zirkulieren.

Die Impfung schützt am effektivsten vor diesen vier Grippevirus-Typen. Vor anderen Viren, egal ob Coronavirus oder Rhinovirus, schützt sie nicht direkt.

Könnte sich die Grippeimpfung auf Coronavirus-Infektionen auswirken?

Zwei vorveröffentlichte Studien, in denen Impfquoten und COVID-19-Statistiken verschiedener Länder miteinander verglichen wurden, kommen zum Schluss, dass die Impfung möglicherweise das Risiko eines schweren COVID-19-Verlaufs steigern könnte.

Allerdings können solche Studien allein nicht beweisen, dass tatsächlich ein ursächlicher Zusammenhang besteht, dass also wirklich die Impfung das Risiko erhöht.

André Karch, Epidemiologe an der Universität Münster, schätzt die Arbeiten so ein: "Die Studien versuchen, Impfquoten mit der Häufigkeit von Sars-CoV-2-Infektionen und -Todesfällen auf der Ebene von Ländern miteinander in Bezug zu setzen.

In solchen Studien gibt es keine Informationen darüber, welche Personen in diesen Ländern geimpft sind und ob diese Personen auch die sind, die ein erhöhtes Risiko für eine SARS-CoV-2-Infektion haben. Sie sind daher sehr anfällig für systematische Verzerrungen."

Denkbar sei zum Beispiel, dass sich in Ländern, in denen es häufig schwere Grippewellen gebe, auch mehr Menschen impfen ließen, erklärt Karch weiter. "Wenn nun Länder, die stärker von Grippewellen betroffen sind, aufgrund ihrer geografischen Lage, ihren Klimabedingungen oder ihrer Bevölkerungsstruktur auch stärker von der SARS-CoV-2-Pandemie betroffen sind, ist die beobachtete Assoziation vollständig erklärt, ohne dass ein kausaler Zusammenhang vorliegt."

Sein Fazit: "Insgesamt gibt es aktuell keine überzeugende Evidenz dafür, dass eine Impfung gegen saisonale Influenza das Risiko für eine Sars-CoV-2-Infektion beziehungsweise einen schweren Krankheitsverlauf nach Infektion erhöht."

Eine weitere Studie schien zunächst ebenfalls die Befürchtung zu stützen, die Grippeimpfung könnte das Risiko für Coronavirus-Infektionen steigern. In der Untersuchung wurde geprüft, ob gegen Grippe geimpfte Mitarbeitende des US-Verteidigungsministeriums in den Jahren 2017 und 2018 häufiger oder seltener Atemwegsinfekte hatten als Beschäftigte ohne Influenza-Impfung.

Eines der Ergebnisse der Studie lautete: Wer geimpft war, fing sich eher Coronaviren ein. Zwar nicht SARS-CoV-2 - denn der Erreger kursierte ja noch gar nicht -, aber seine nahen Verwandten.

Studienautor Greg Wolff betonte später selbst, dass seine Arbeit nichts über COVID-19 aussage. Dennoch war sie ein wissenschaftlicher Hinweis, den man sich angesichts der Coronavirus-Pandemie genau anschauen musste.

Dies ist passiert: Die Arbeit enthalte einen methodischen Fehler, der für diesen scheinbaren Zusammenhang verantwortlich ist, rechnete eine Forschergruppe nach. Sie prüfte zusätzlich anhand mehrjähriger Daten aus Kanada, ob die Grippeimpfung Menschen empfänglicher für das Coronavirus machen könnte und gab Entwarnung: kein erhöhtes Coronavirus-Risiko für gegen Influenza Geimpfte.

In einer vorveröffentlichten Studie kommen Autorinnen und Autoren sogar zum Ergebnis, dass die Grippeimpfung in Brasilien mit einer geringeren Sterblichkeit unter COVID-19-Patienten verknüpft war.

Das Team betrachtete in der Untersuchung viele weitere wichtige Faktoren - und verglich etwa nur Patienten direkt miteinander, die im selben Krankenhaus behandelt wurden. Da die Studie noch nicht endgültig publiziert ist, ist dieses Ergebnis noch mit Skepsis zu betrachten.

Wird der Grippeimpfstoff in diesem Jahr knapp?

Deutschland verfügt für diese Grippesaison über rund 26 Millionen Impfdosen gegen Influenzaviren, das sind sechs Millionen mehr, als normalerweise eingeplant waren. Das reicht nicht, um jede und jeden zu impfen. Die Ständige Impfkommission empfiehlt deshalb weiterhin vor allem Risikogruppen die Impfung. Ob der Impfstoff knapp wird oder reicht, lässt sich aktuell noch nicht sagen.

Wie kann man sich - abgesehen von einer Impfung - vor einer Grippeinfektion schützen?

Die Grippe verbreitet sich vergleichbar mit SARS-CoV-2 vor allem über Tröpfchen, die Infizierte beim Husten oder Niesen aus Mund und Nase schleudern und an die Schleimhäute einer anderen Person gelangen.

Aus diesem Grund schützen vor beiden Infektionen auch dieselben Vorsichtsmaßnahmen: Abstand halten, Maske tragen, in den Ellenbogen husten oder niesen.

Wie gut die Maßnahmen greifen, zeigte sich im März. Nachdem große Veranstaltungen abgesagt wurden, Schulen schließen mussten und ein umfangreiches Kontaktverbot galt, kam es zu einem abrupten Rückgang aller Atemwegserkrankungen in der deutschen Bevölkerung. Auch die Grippewelle endete früher als in vergangenen Jahren.

Mit diesem Wissen kann jeder Einzelne dazu beitragen, dass Deutschland den Winter trotz Grippe und Corona gut übersteht. "Wir müssen akzeptieren, dass wir weiterhin ein Grundrauschen an Basishygiene benötigen und Maskentragen keine Freiheitsberaubung darstellt", sagt Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI).

"Ich sehe es sogar als freiheitsschaffend. Erst recht, wenn es dazu beiträgt, einen weiteren Lockdown zu verhindern."  © DER SPIEGEL

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