Rötungen um den Mund, entzündete Pusteln und Ausschlag: Nutzer in Sozialen Netzwerken teilen aktuell abschreckende Fotos, die Folgen des Tragens eines Mund-Nasen-Schutzes zeigen sollen. Tatsächlich sind die meisten Bilder aber alt und zeigen verschiedene Krankheiten, darunter Windpocken.

CORRECTIV.Faktencheck - Fakten für die Demokratie
Eine Kolumne
von CORRECTIV.Faktencheck - Fakten für die Demokratie

Führt das Tragen von Masken zu Ausschlägen und Entzündungen im Gesicht? Als angeblicher Beleg dafür werden derzeit in Sozialen Netzwerken Fotos verbreitet, die teils schwere Hautprobleme abbilden. Die Bilder haben jedoch keine Verbindung zum Tragen einer Maske, die meisten entstanden lange vor der COVID-19-Pandemie. Sie zeigen verschiedene Krankheiten, wie eine Recherche von CORRECTIV.Faktencheck verdeutlicht.

Solche Collagen werden auf Facebook verbreitet, um den Menschen Angst vor dem Tragen von Masken zu machen.

Woher stammen die Bilder wirklich?

Die Bilder wurden offenbar von verschiedenen Webseiten kopiert und zusammengestellt. Mit einer Bilder-Rückwärtssuche bei Suchmaschinen wie Google lässt sich der Ursprung eines Fotos herausfinden, und somit auch, was es zeigt:

Die ersten zwei Bilder oben links in der Collage zeigen Männer mit dem sogenannten Seborrhoischen Ekzem, einer häufigen Hautkrankheit. Das linke Bild wurde am 8. September 2018 in der Bilddatenbank Shutterstock hochgeladen, das rechte am 15. Juli 2013 auf Wikipedia veröffentlicht.

Vier Fotos (3. und 4. Foto obere Reihe, 1. und 3. Foto mittlere Reihe) zeigen Fälle von perioraler Dermatitis, auch Mundrose genannt.

  • Das obere Foto der Frau erschien unter anderem im Jahr 2008 in einem Online-Artikel der Deutschen Apotheker-Zeitung.
  • Das obere Bild des Mannes wurde 2010 in einem Blog-Artikel über die Krankheit veröffentlicht. Das Foto wurde zudem bearbeitet: Die Rötungen sind in der Collage intensiver als auf dem Originalfoto.
  • Das zweite Foto eines Mannes taucht in einem Artikel auf der englischsprachigen Webseite Medicine vom 19. Januar 2020 auf, der sich mit perioraler Dermatitis beschäftigt.
  • Das letzte Bild der jüngeren Frau ist in zwei verschiedenen Bilddatenbanken hochgeladen worden (hier und hier). Ein Datum ist nicht angegeben, allerdings ist in beiden Bildbeschreibungen vermerkt, dass es sich um eine Frau mit perioraler Dermatitis handele.

Das zweite Bild in der mittleren Reihe und das letzte Bilder in der unteren Reihe zeigen dieselbe Frau mit der chronischen Hautkrankheit Rosazea. Das mittlere Bild ist bei Adobe Stock veröffentlicht worden. Das untere, das nur ihren Mund zeigt, ist ein Ausschnitt eines Fotos, das in der Bilddatenbank Shutterstock zu finden ist. Der Fotograf Milan Lipowski hat mehrere Fotos der Frau veröffentlicht, eines davon erschien im November 2018 in einem Blogbeitrag des Bundesverbands der Krankenkasse AOK.

Das Bild in der untersten Reihe ganz links zeigt mutmaßlich ein Kleinkind mit der Hautkrankheit Eczema herpeticum. Das Foto führt bei einer Bilder-Rückwärtssuche über Google zu einem englischsprachigen Wikipedia-Artikel über diese seltene, aber schwere Infektion, die in der Folge einer Herpeserkrankung auftreten könne.

Das dritte Bild in der untersten Reihe zeigt ein Kind mit Windpocken. Das Originalfoto wurde bereits am 21. Mai 2016 in einer Bilddatenbank veröffentlicht.

Nur ein Foto hat einen Bezug zu COVID-19

Das Foto von der Frau mit den dunklen Druckstellen im Gesicht (zweites Bild, unterste Reihe) ist das einzige, das nachweislich einen Bezug zur COVID-19-Pandemie hat: Wie auch die DPA in einem Faktencheck schrieb, zeigt es die italienische Krankenpflegerin Valeria Zedde. Sie hat das Foto am 13. März auf ihrem Instagram-Profil veröffentlicht und ihre Arbeitssituation in einem Krankenhaus in Mailand beschrieben.

Das Foto wurde jedoch für die Collage nachträglich bearbeitet, sodass die Abdrücke, die ihrer Erläuterung nach von einer Maske stammen, viel dunkler aussehen.

Das Originalfoto der italienischen Krankenpflegerin von Instagram (links) wurde nachträglich bearbeitet (rechts).

Fazit: Grundsätzlich ist es möglich, dass das Tragen von Masken Hautirritationen verursacht. Es kann beispielsweise die Entwicklung von Pickeln fördern. Die von CORRECTIV überprüften drastischen Fotos, die aktuell in Sozialen Netzwerken geteilt werden, haben damit jedoch nichts zu tun.

Fast alle Bilder der Collagen wurden lange vor der COVID-19-Pandemie veröffentlicht. Sie zeigen bekannte Hautkrankheiten, die keinen Zusammenhang mit dem Tragen von Masken aufweisen. Die Behauptung, Gesichtsmasken hätten diese Ausschläge verursacht, ist daher falsch.

Nur bei einem Foto eines Mädchens (zweite Reihe ganz rechts) konnten wir das Originalbild per Bilder-Rückwärtssuche nicht finden. Es ist daher unklar, was es zeigt.

Lesen Sie auch: Die wichtigsten Fragen zum Maskentragen im Überblick - Bilden sich unter der Maske gefährliche Pilze und Bakterien?

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Teaserbild: © Instagram, Screenshot und Collage: CORRECTIV