• 18:55 Uhr: ➤ Hausärzte beklagen "enormen Mehraufwand" durch Empfehlung zur Kreuzimpfung
  • 16:01 Uhr: Mediziner kritisiert Stiko: "Impfungen bei Kindern sind überfällig"
  • 14:36 Uhr: Russland verzeichnet Tageshöchstwert bei Corona-Toten
  • 12:16 Uhr: Ärzte warnen vor Aufhebung von Corona-Maßnahmen in England Mitte Juli
  • 10:23 Uhr: Italien: Polizei nimmt Netzwerk für gefälschte Corona-Pässe hoch
  • 08:06 Uhr: RKI meldet niedrigste Corona-Inzidenz seit fast einem Jahr

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➤ Hausärzte beklagen: Kreuzimpfung verursacht "enormen Mehraufwand"

Die neue Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) zur sogenannten Kreuzimpfung gegen Corona stellt die Hausärzte nach eigenen Angaben vor Probleme. "Die Ad-hoc-Anpassung der Empfehlung hat bereits am ersten Tag in vielen Praxen für einen enormen Mehraufwand gesorgt", sagte der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt, den RND-Zeitungen vom Samstag. Die Stiko empfiehlt nun, nach einer Erstimpfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff bei der zweiten Spritze ein mRNA-Vakzin zu verwenden.

"Patientinnen und Patienten sind verunsichert, erfragen, welchen Impfstoff sie nun bei der Zweitimpfung erhalten werden, und wollen auch ihren Termin entsprechend vorziehen", sagte Weigeldt. Für die Betroffenen mache es gerade mit Blick auf die anstehenden Sommerferien "einen großen Unterschied, ob sie neun bis zwölf Wochen auf ihre Zweitimpfung warten oder nur vier".

Das stelle Ärzte und Praxisteams vor enorme logistische Herausforderungen. Schließlich seien die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna "nur begrenzt verfügbar", sagte Weigeldt. Auch der Beratungsaufwand sei deutlich höher, insbesondere für Hausärzte, "die sich fleißig für die Impfungen mit Astrazeneca eingesetzt haben und somit sowieso schon einen deutlich höheren Aufklärungsaufwand hatten", kritisierte der Verbandschef.

Natürlich müssten die Impfempfehlungen dem aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisstand angepasst werden, sagte Weigeldt. "Das spricht aber nicht gegen eine klare Kommunikation und die frühzeitige Einbindung derer, die letztlich die Empfehlungen umsetzen", kritisierte er.

Außerdem wirft die Mitteilung der Stiko laut Weigeldt noch viele Fragen auf, etwa was die Empfehlung für bereits zweimal mit Astrazeneca geimpfte Patientinnen und Patienten bedeute und was bei der Kreuzimpfung mit zwei verschiedenen Vakzinen der maximale Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung sei. Den Mindestabstand hatte die Stiko in ihrer jüngsten Empfehlung auf vier Wochen verkürzt.

Die Bundesländer hatten am Freitag zugesagt, die am Vortag veröffentlichte neue Stiko-Empfehlung sofort umzusetzen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nannte die Kreuzimpfung "besonders wirksam". Außerdem kann wegen des kürzeren Abstands zwischen erster und zweiter Dosis früher ein Schutz gegen die sich ausbreitende Delta-Variante des Coronavirus erreicht werden, die besonders ansteckend ist.

Die weiteren Corona-News des Tages:

Mediziner kritisiert Stiko: "Impfungen bei Kindern sind überfällig"

16:01 Uhr: In der Debatte um Corona-Impfungen bei Kindern hat der Biomediziner Gerhard Ehninger die Ständige Impfkommission kritisiert. Sie blockiere "unverantwortlich den Einsatz von zugelassenen Medikamenten", schrieb der Hämatologe, Onkologe und Krebsforscher in einer Kolumne der "Dresdner Neuesten Nachrichten" (Samstag).

"Die Impfungen bei Kindern sind überfällig." Angesichts der Delta-Variante, die in Israel und Großbritannien das Infektionsgeschehen trotz Impfrate über 50 Prozent wieder verstärkt hat, müssten alle vorhandenen Impfdosen rasch verabreicht und eine Quote von über 90 Prozent erreicht werden.

Ehninger appellierte zudem, den Sommer zu nutzen, um die Sicherheit für Kinder und Jugendliche zu erhöhen. An Schulen fehle es an Infrastruktur wie Klimageräten und Informationstechnologie, Ausweichräumen und virensicheren Belüftungsanlagen.

"Die Delta-Variante hat unter diesen Bedingungen in kleinen Klassenräumen mit 25 ungeimpften Schülerinnen und Schülern leichtes Spiel", warnte er. Das Schuljahr dürfe nicht "mit der gleichen Blauäugigkeit" beginnen wie im Herbst 2020.

Hamburger Fischmarkt öffnet wieder nach langer Corona-Zwangspause

17:52 Uhr: Nachtschwärmer und Touristen können am frühen Sonntagmorgen (5:00 Uhr) erstmals seit mehr als einem Jahr wieder eine beliebte Hamburger Attraktion besuchen: den Fischmarkt. Nach mehr als 15-monatiger coronabedingter Zwangspause können viele der Verkäufer wieder ihre Rollläden hochziehen und ihre Kunden begrüßen.

Der Start ist allerdings als Testbetrieb deklariert, es gibt einige Corona-Auflagen. Marktschreier und Musiker sind noch nicht erlaubt. Besucher müssen eine medizinische Maske tragen und dürfen nur außerhalb des Geländes essen. Auf einer Länge von 250 Metern und einer Breite von 30 Metern dürfen zudem derzeit nur rund 60 Händler in zwei Reihen ihre Waren anbieten. Üblicherweise sind dort etwa 120 Marktstände aufgebaut.

Der 300 Jahre alte Hamburger Fischmarkt startet wie gewohnt gleich am frühen Morgen und ist bis 9:30 Uhr geöffnet. Auf spätere Öffnungszeiten wollten sich die Markthändler nicht einlassen, weil damit das Image des Marktes nicht gewahrt werden könne. Vor Corona waren an einem normalen Sonntag bis zu 70.000 Menschen auf dem Fischmarkt unterwegs.

Tokio besorgt über steigende Infektionen: Olympia am Ende doch ohne Zuschauer?

17:36 Uhr: Drei Wochen vor Beginn der Olympischen Spiele in Tokio bereitet die Infektionslage in der Hauptstadt den Behörden weiter Kopfschmerzen. Am Samstag wurden innerhalb von 24 Stunden 716 Neuinfektionen gemeldet und damit erstmals seit drei Tagen wieder mehr als 700 Fälle.

Das sind zugleich 182 Fälle mehr als am Samstag vergangener Woche. Damit liegt die Zahl der Neuinfektionen seit nunmehr 14 Tagen jeweils über dem Wert des gleichen Tages der Vorwoche. Die Zahl der Infektionen steige derzeit weiter ziemlich an, wurde ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung vom Sender NHK zitiert. Die meisten Neuinfektionen gab es demnach unter Menschen in ihren 20ern.

Tokio befindet sich derzeit noch bis zum 11. Juli in einem Quasi-Notstand, nachdem am 20. Juni der Notstand mit strengeren Regeln nach rund zwei Monaten aufgehoben worden war. Seither verzeichnet Tokio jedoch wieder zunehmende Neuinfektionen. Dies schürt die Sorge bei vielen Menschen, die befürchten, dass die Olympischen Spiele zu einem Superspreader-Event werden könnten. Die Verantwortlichen beteuern jedoch, dass alles "sicher" sein werde.

Japans Verantwortliche und das Internationale Olympische Komitee halten denn auch an den Plänen fest und haben sogar bis zu 10:000 einheimische Zuschauer bei allen Wettkämpfen erlaubt. Allerdings wird angesichts der aktuellen Infektionslage nun diskutiert, die Spiele am Ende eventuell doch ohne Zuschauer in den Arenen abzuhalten. Ausländische Fans dürfen nicht zu den Spielen nach Japan einreisen.

Kolonialismus-Forscher fordert deutsche Impfstoffhilfe für Namibia

17:07 Uhr: Angesichts der sich zuspitzenden Corona-Lage in Namibia fordert der Hamburger Historiker und Kolonialismus-Forscher Jürgen Zimmerer schnelle Impfstoff-Hilfen aus Deutschland. Das sei ein "Gebot historischer Gerechtigkeit", sagte Zimmerer dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND, Samstagsausgaben).

In Namibia treffe die Pandemie auf ein Land, "dessen Gesundheitssystem auch aufgrund der kolonialen Geschichte und der bis zur Unabhängigkeit 1990 andauernden Apartheid in der Fläche völlig unzureichend ausgebaut ist".

Namibia habe keinen Impfstoff mehr und keinen Zugang zum kostenlosen Programm der globalen Impfallianz Covax, "da es als Land mittleren Einkommens klassifiziert ist".

Namibia werde aufgrund des Durchschnittseinkommens zwar in die mittlere Gruppe eingestuft, das Land sei aber aufgrund der nach wie vor kolonialen Wirtschaftsstruktur Spitzenreiter in der Schere zwischen Arm und Reich, sagte Zimmerer.

In Namibia sind nach Angaben der in der US-Stadt Baltimore ansässigen Johns-Hopkins-Universität erst knapp 1,5 Prozent der Bevölkerung vollständig gegen das Coronavirus geimpft.

Britische Stars werben in Musical-Video fürs Impfen

16:29 Uhr: Britische Stars wollen mit einer Musical-Einlage Werbung fürs Impfen gegen das Coronavirus machen. In einem knapp zweiminütigen Video des britischen National Health Service (NHS) sind Schauspieler wie Jim Broadbent ("Game of Thrones") und Derek Jacobi sowie der Comedian David Walliams zu dem Song "The Rhythm of Life" aus dem Musical "Sweet Charity" zu sehen.

Eingestreut in die Sing- und Tanzperformance, bei der auch zahlreiche Tänzerinnen und Tänzer aus dem Londoner West End mitwirken, sind klare Appelle. "Hol dir einfach eine Impfung", sagt Broadbent, der die Show halb mittanzend aus dem Publikum verfolgt. Die Botschaft: Nur mit Impfungen kann der Rhythmus des Lebens wieder in Fahrt kommen.

Im Vereinigten Königreich haben fast 86 Prozent der erwachsenen Bevölkerung bereits eine erste Impfdosis erhalten.

Indonesien verhängt Teil-Lockdown im Kampf gegen Anstieg der Corona-Fallzahlen

15:37 Uhr: In Indonesien sind wegen eines alarmierenden Anstiegs der Corona-Neuinfektionen neue Beschränkungen in Kraft getreten. Seit Samstag gilt in der Hauptstadt Jakarta, auf der Hauptinsel Java und auf der Urlaubsinsel Bali ein Teil-Lockdown.

Schulen, Moscheen, Restaurants und Einkaufszentren müssen geschlossen bleiben. Der Unterricht für Schüler findet vorerst nur noch online statt. Unternehmen wurden aufgerufen, ihre Mitarbeiter ins Homeoffice zu schicken.

Auch der öffentliche Nahverkehr wurde eingeschränkt. Inlandsreisen per Bus, Bahn oder Flugzeug sind nur jenen erlaubt, die mindestens eine Impfdosis erhalten haben.

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Indonesien hatte sich zuletzt in weniger als einem Montag vervierfacht. Am Freitag wurden mit mehr als 25.000 Ansteckungen und 539 Todesfällen binnen 24 Stunden neue Höchstwerte verzeichnet.

Die Krankenhäuser in Jakarta und einigen Teilen Javas mussten in den vergangenen Wochen massenweise neue Patienten aufnehmen, die unter anderem auch mit der hochansteckenden Delta-Variante des Virus infiziert waren. Einige Kliniken arbeiten wegen der Überlastung bereits mit zusätzlichen Zelten oder müssen Patienten ablehnen.

Nach offiziellen Zahlen hat Indonesien bislang 2,2 Millionen Ansteckungen mit dem Virus verzeichnet. Es wird allerdings eine hohe Dunkelziffer vermutet. Indonesien plant, bis Anfang nächsten Jahres 180 Millionen seiner 270 Millionen Einwohner gegen das Coronavirus zu impfen. Bislang haben aber erst rund fünf Prozent der Indonesier zwei Impfspritzen erhalten.

Mallorca hofft trotz steigender Corona-Zahlen auf gute Sommersaison

15:12 Uhr: Trotz wieder zunehmender Corona-Infektionen hoffen die Politik und die Tourismusbranche auf der Deutschen liebsten Ferieninsel Mallorca auf eine gute Sommersaison.

"Die Lust aufs Reisen ist groß. Wir hoffen auf eine Saison, die weit bis in den Herbst hinein anhält", zitierte die "Mallorca Zeitung" Regionalpräsidentin Francina Armengol.

Auch die Managerin von Hotels der Gruppe Melía in Magaluf, Belén Sanmartín, äußerte sich vorsichtig optimistisch. Sie hoffe in diesem Sommer auf eine Auslastung von 50 bis 60 Prozent, berichtete die Zeitung "Diario de Mallorca" am Samstag.

Magaluf, sozusagen der Ballermann der Briten, erwacht gerade zu neuem Leben, nachdem Großbritannien die Balearen auf die grüne Liste der Regionen gesetzt hat, die bei der Rückkehr in die Heimat keine Quarantänepflicht auslösen. Allerdings müssen Briten anderes als Deutsche einen negativen PCR-Test vorlegen, um zu der Inselgruppe im Mittelmeer zu reisen.

Aber alle, die auf Mallorca und den anderen Baleareninseln Menorca, Ibiza und Formentera leben, treibt die Sorge um, dass sich der vergangene Sommer wiederholen könnte, als die Pandemie zunächst unter Kontrolle schien, die Zahlen dann aber im Laufe des Sommers wieder in die Höhe schossen.

Mehr infizierte junge Leute, viel weniger Tote, auf diese Formel lässt sich die Corona-Entwicklung in Spanien derzeit bringen. Seit April waren die Corona-Zahlen stetig gesunken, jetzt steigen sie wieder deutlich. Auch auf den den Balearen kletterte die Sieben-Tage-Inzidenz wieder auf 94, auch wegen einer Massenansteckung spanischer Schüler auf Abiturreisen.

Zwangsquarantäne auf Mallorca: Schüler protestieren gegen "Entführung"

Mehr als 250 Schüler stehen in Palma de Mallorca unter Zwangsquarantäne – das sorgt auf der Baleareninsel für Ärger. Am Dienstag protestierten die Jugendlichen auf den Balkonen ihres Hotels gegen die angebliche "Entführung".

Russland verzeichnet Tageshöchstwert bei Corona-Toten

14:36 Uhr: Russland hat in der Corona-Pandemie einen neuen Höchststand bei den Todesfällen innerhalb eines Tages verzeichnet. 697 Patienten seien mit dem Coronavirus gestorben, teilte der Krisenstab am Samstag in Moskau mit.

Die Zahl der erfassten Neuinfektionen stieg demnach auf 24.439. Das war der höchste Wert seit dem 16. Januar. Im flächenmäßig größten Land der Erde grassiert vor allem die hochansteckende und gefährliche Delta-Variante. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat Russland deshalb als Virusvariantengebiet eingestuft.

Besonders betroffen sind die russische Hauptstadt Moskau und die Touristenmetropole St. Petersburg, in der am Freitag das letzte von sieben Spielen der Fußball-Europameisterschaft ausgetragen worden war. Auf Bildern von den Fan-Zonen der Stadt waren viele Menschen ohne den vorgeschriebenen Mund- und Nasenschutz zu sehen.

In Moskau gab es den Angaben vom Samstag zufolge 116 Todesfälle und 7.446 Neuinfektionen; in St. Petersburg 110 Tote und 1.733 neue Corona-Fälle. Erwartet werden neue Tageshöchststände auch in den kommenden Tagen.

Trotz der hohen Zahlen sei kein landesweiter Lockdown geplant, hatte der Kreml mitgeteilt. Allerdings gibt es in einzelnen Regionen zunehmende Einschränkungen des öffentlichen Lebens wegen der hohen Infektionszahlen und der Überlastung der Krankenhäuser - wie etwa in Burjatien am Baikalsee.

In Moskau dürfen Menschen nur noch mit einem negativen PCR-Test oder als Geimpfte mit einem QR-Code ins Restaurant. Arbeitgeber vieler Bereiche sind in der Hauptstadt verpflichtet, Impfungen ihrer Mitarbeiter durchzusetzen.

Slowakei führt Pflichtquarantäne für ungeimpfte Einreisende ein

12:48 Uhr: Aus Sorge vor neuen Corona-Varianten verschärft die Slowakei ihre Einreiseregeln drastisch. Vom 9. Juli an müssen alle Ungeimpften für 14 Tage in Quarantäne, wie am Samstag aus einer neuen Verordnung der Regierung des EU-Mitgliedstaats hervorging.

Das gilt unabhängig vom Herkunftsland. Frühestens am fünften Tag ist ein freier Test mit einem PCR-Corona-Test möglich. Reisende, die seit mindestens 14 Tagen einen vollständigen Impfschutz haben, sind von der Quarantäne ausgenommen.

Die Änderung sorgte vor allem in Tschechien für Enttäuschung, denn die Slowakei mit dem Hochgebirge Hohe Tatra ist im Nachbarland als Urlaubsziel beliebt. Transitreisende, die zum Beispiel von Deutschland über Tschechien und die Slowakei nach Ungarn fahren wollen, sind von der Quarantäne ausgenommen. Sie müssen sich indes an vorgegebene Straßenrouten halten.

Ärzte warnen vor Aufhebung von Corona-Maßnahmen in England Mitte Juli

12:16 Uhr: Wegen der rapiden Ausbreitung der Delta-Variante haben Mediziner vor einer baldigen Aufhebung aller Corona-Maßnahmen in England gewarnt.

"Da die Fallzahlen wegen der hohen Ansteckungsrate der Delta-Variante weiterhin alarmierend ansteigen und mehr Menschen sich treffen, macht es keinen Sinn, die Beschränkungen in etwas mehr als zwei Wochen vollständig aufzuheben", sagte Chaand Nagpaul von der British Medical Association dem Sender BBC am Samstag.

Die britische Regierung will nach derzeitigem Stand am 19. Juli die meisten verbleibenden Corona-Maßnahmen in England aufheben. So könnten dann Nachtclubs wieder öffnen und Menschen sich in unbegrenzt großen Gruppen treffen und feiern. Sogar die Aufhebung der Maskenpflicht steht zur Debatte.

Der Medizinerverband fordert, Masken in Innenräumen wie Geschäften oder Bahnen und Bussen weiterhin verpflichtend zu machen. Außerdem solle bessere Lüftungstechnik eingesetzt werden.

In der vergangenen Woche ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Großbritannien um fast 75 Prozent gestiegen, wie aus offiziellen Zahlen hervorgeht. Die Inzidenz lag zuletzt bei 181.

Berliner DRK-Präsident wirbt für Impfterminschwänzer-Abgabe

11:27 Uhr: Mario Czaja, Präsident des Berliner Roten Kreuzes (DRK), wirbt dafür, Impfterminschwänzer zur Kasse zu bitten. Wer etwa seinen Termin für die Zweitimpfung in einem der Impfzentren ohne Absage verstreichen lasse, könne mit einer Strafzahlung von 25 bis 30 Euro belegt werden, schlug Czaja im Interview mit dem RBB vor. Das sei teilweise auch bei niedergelassenen Ärzten gängige Praxis.

"Wir erleben leider seit einigen Wochen, dass zunehmend Menschen sich nicht abmelden, obwohl sie einen Termin in den Impfzentren haben. Das ist ziemlich unsolidarisch denen gegenüber, die schneller einen Termin haben wollen", sagte der DRK-Präsident. Inzwischen würden seinen Angaben nach fünf bis zehn Prozent der Termine nicht wahrgenommen.

DRK-Präsident Czaja wirbt für Impfterminschwänzer-Abgabe

Viele Menschen fiebern ihrer Impfung gegen das Coronavirus entgegen. Doch nicht immer werden die Termine wahrgenommen. Könnten Impfterminschwänzer bald zur Kasse gebeten werden?

Gewerkschaft der Polizei: Grenzkontrollen wegen Delta-Variante nicht machbar

11:08 Uhr: Sollte sich die pandemische Lage im Zuge des Rückreiseverkehrs verschärfen, "dann müssten wir an den Landesgrenzen verstärkt Kontrollen durchführen – das ginge aber bloß stichpunktartig", sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) für die Bundespolizei, Andreas Roßkopf, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Samstagsausgaben).

Er verwies in diesem Zusammenhang auf die Kontrollen, die es wegen der Pandemie an den Grenzen zu Polen und Tschechien gegeben habe. "Schon das war eine personelle und logistische Herausforderung", sagte er dem RND.

"Wegen der Delta-Variante flächendeckend Grenzkontrollen einzuführen, wäre deshalb gar nicht machbar", sagte der GdP-Chef. Ohnehin müsste diese Maßnahme vom Bundesinnenministerium angewiesen werden, in Absprache mit der Bundespolizei und den Ländern.

Der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Jörg Radek, äußerte auch prinzipielle Bedenken. "Grenzkontrollen greifen tief in die Freizügigkeit der Menschen und in den Warenverkehr ein", sagte er dem RND. "Man muss sehr behutsam sein, wenn man zu solchen Maßnahmen greift." Radek riet stattdessen dazu, die Schleierfahndung zu verdichten.

Wegen Delta-Variante: Kommt Quarantäne für alle Reise-Rückkehrer?

Immer mehr Regionen Europas vermelden steigende Infektionen mit der Delta-Mutation. Um deren Ausbreitung in Deutschland zu bremsen, mehren sich Forderungen nach Quarantäne und konsequenten Doppel-Tests bei der Rückkehr.

Opposition fordert von Regierung bessere Vorbereitung auf Corona-Herbst

10:42 Uhr: Die Oppositionsparteien Grüne, Linke und FDP drängen die Bundesregierung, das Land besser auf möglicherweise steigende Corona-Infektionszahlen im Herbst vorzubereiten.

"Jetzt müssen die Vorbereitungen für den Herbst getroffen werden und insbesondere die Schulen auf möglicherweise wieder steigende Infektionszahlen vorbereitet werden", sagte die Linken-Vorsitzende Janine Wissler der neuen Ausgabe des "Spiegel". Im vergangenen Sommer sei dies komplett versäumt worden.

"Mehr Tests nach den Ferien, Luftfilter, mehr Schulbusse für den Herbst" forderte Wissler. Es müsse alles getan werden, um eine weitere Welle zu verhindern. Das Impfen müsse dringend beschleunigt werden, zudem müsse mit der Notwendigkeit einer dritten Impfung im Herbst gerechnet werden. "Deshalb halten wir die geplante Schließung der Impfzentren für falsch und verfrüht", sagte die Linken-Chefin.

Auch Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt befürchtet eine weitere Corona-Welle im Herbst. "Bei der Deltavariante darf sich das Planungsversagen der Bundesregierung nicht erneut wiederholen", sagte sie. Die Bundesregierung dürfe sich auf den aktuell niedrigen Infektionszahlen nicht ausruhen, sondern müsse "diesmal endlich vorausschauende Politik machen".

Göring-Eckardt fordert, "jetzt sofort" Teststationen an den Grenzen einzurichten und alle Urlaubsrückkehrer zu Tests zu verpflichten. Ebenso müsse die Impfkampagne gezielt Menschen adressieren, die bisher beim Impfen noch unschlüssig waren oder ihre Termine für die Zweitimpfung haben verstreichen lassen.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Marco Buschmann, drängt ebenfalls auf eine veränderte Impfkampagne. "Wir benötigen auch mehr mobile Impfteams in der Fläche, um Unentschlossene besser aufzuklären und zu erreichen. Das gilt insbesondere für soziale Brennpunkte", sagte Buschmann.

Überdies forderte er die Bundesregierung auf, "Impfstoffkapazitäten aus den Ländern aufkaufen, in denen die Impfbereitschaft nachlässt. Das ist derzeit etwa in den USA der Fall." Es dürfe "nicht wieder zu spät und zu wenig Impfstoff für Nachimpfungen bestellt werden", sagte der FDP-Politiker.

"Planungsversagen nicht wiederholen": Opposition fordert bessere Vorbereitung auf den Herbst

In Deutschland wird weiter fleißig geimpft, was auch zu einem Sinken der Corona-Infektionszahlen führt. In Anbetracht der sich ausbreitenden Delta-Variante ist die Opposition allerdings in Sorge. Sie fordert die Regierung daher auf, eine Verschlechterung der Lage im Herbst zu verhindern. (Teaserbild: imago images/Bihlmayerfotografie)

Italien: Polizei nimmt Netzwerk für gefälschte Corona-Pässe hoch

10:23 Uhr: Italienische Ermittler haben mehrere Kanäle und Konten der Chat-App Telegram beschlagnahmt, über die Kriminelle digitale Zertifikate für den sogenannten Grünen Pass anboten. Insgesamt habe es sich um zehn Kanäle und Accounts gehandelt, die die Nutzer zu anonymen Konten auf Marktplätzen im Dark Web führten, teilte die Finanzpolizei am Samstag in Rom mit.

Auf den Online-Handelsplätzen hätten Verkäufer Fälschungen für das digitale Zertifikat gegen eine Bezahlung in Kryptowährungen angeboten. Der Nachweis bescheinigt den vollständigen Impfschutz gegen COVID-19 und ist für Reisen etwa innerhalb der EU wichtig.

Der Preis dafür lag der Guardia di Finanza zufolge umgerechnet zwischen 110 und 130 Euro. Tausende Nutzer hätten sich auf den Telegram-Kanälen registriert, hieß es weiter. Dort wurden auch Ampullen mit einem angeblichen Impfstoff gegen Corona zum Kauf angeboten.

RKI meldet niedrigste Corona-Inzidenz seit fast einem Jahr

8:06 Uhr: Erstmals seit rund elf Monaten ist die Corona-Inzidenz unter fünf gefallen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) gab den bundesweiten Wert am Samstagmorgen mit 4,9 an (Vortag 5,0; Vorwoche 5,9). Zuletzt hatte der Wert am 30. Juli 2020 mit 4,8 unter der 5er-Schwelle gelegen.

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten zudem binnen eines Tages 671 Corona-Neuinfektionen, wie aus Zahlen vom Morgen hervorgeht, die den Stand des RKI-Dashboards von 05:01 Uhr wiedergeben. Zum Vergleich: Vor einer Woche waren 592 Ansteckungen registriert worden.

Deutschlandweit wurden nach diesen Angaben binnen 24 Stunden 16 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 68 Tote gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.730.353 nachgewiesene Infektionen mit SARS-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit rund 3.627.800 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit SARS-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 91.023.

Intensivmediziner: Nicht mehr nur auf Inzidenz schauen

07:03 Uhr: Intensivmediziner sprechen sich dafür aus, bei der Pandemiebekämpfung nicht mehr ausschließlich die Inzidenzwerte in den Fokus zu stellen. "Mit steigender Impfquote ist der Inzidenzwert alleine weniger aussagekräftig, um die potenzielle Gefahr für das Gesundheitssystem messen zu können", sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN), Christian Karagiannidis, der "Rheinischen Post" (Samstag). "Wir rechnen damit, dass die Inzidenzwerte im Herbst, wie in England aktuell schon der Fall, stärker steigen werden als die Zahl der Intensivpatienten", so der Intensivmediziner.

Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) äußerte sich am Freitag ähnlich: Die Inzidenzwerte würden weiter eine wichtige Rolle spielen, "weil sie natürlich eine Aussage darüber treffen, wie viele Leute sich neu mit Corona infizieren", sagte er. "Aber wenn wir jetzt in der Situation sind, dass eine hohe Zahl von Bürgern geimpft ist, müssen wir natürlich weitere Faktoren einbeziehen." Ganz wichtig sei die Frage, wie gut die Impfung gegen neue Varianten wie Delta wirke.

Südafrika meldet neuen Höchststand der täglichen Corona-Neuinfektionen

03:21 Uhr: Südafrika hat einen neuen Höchststand der täglichen Corona-Neuinfektionen registriert. Binnen 24 Stunden seien 24.270 neue Corona-Fälle gemeldet worden, teilte das Nationale Institut für ansteckende Krankheiten am Freitag mit. Damit seien mittlerweile 2.019.826 Ansteckungen in Südafrika nachgewiesen worden. Der bisherige Tageshöchststand war im Januar mit 21.980 Neuansteckungen erreicht worden.

Die Zahl der Corona-Toten stiegt am Freitag mit 303 weiteren Opfern auf 61.332. Das Land befinde sich "im Auge des Sturms der dritten Corona-Welle", sagte Vize-Gesundheitsminister Joe Phaahla bei einer Pressekonferenz. Die Zahlen der täglichen Neuinfektionen hätten in den vergangenen zwei Wochen das Ausmaß während der ersten beiden Pandemie-Wellen überschritten. Auch in Südafrika wird der Anstieg der Neuinfektionen auf die hochansteckende Delta-Variante zurückgeführt.

Südafrikas Staatschef Cyril Ramaphosa verhängte vergangene Woche zweiwöchige Restriktionen zur Eindämmung der Pandemie, darunter ein Alkoholverbot, die Schließung von Schulen und ein Verbot von Menschenansammlungen.

Die Corona-Impfkampagne kommt in Südafrika nur schleppend voran. Seit Februar wurden erst rund 3,2 Millionen der 59 Millionen Einwohner immunisiert.

Hausärzte: Großer Mehraufwand wegen Stiko-Empfehlung zu Astrazeneca

00:05 Uhr: Die Hausärzte beklagen, dass die neue Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) zur Kreuzimpfung mit Astrazeneca sie vor enorme Herausforderungen stellt. "Patientinnen und Patienten sind verunsichert, erfragen, welchen Impfstoff sie nun bei der Zweitimpfung erhalten werden und wollen auch ihren Termin entsprechend vorziehen. Für sie macht es natürlich - gerade mit Blick auf die anstehenden Sommerferien - einen großen Unterschied, ob sie neun bis zwölf Wochen auf ihre Zweitimpfung warten oder nur vier", sagte der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND/Samstag). Die Anpassung der Empfehlung habe bereits am ersten Tag in vielen Praxen für einen "enormen Mehraufwand" gesorgt.

Die Impfkommission hatte am Donnerstag überraschend mitgeteilt, dass Menschen, die eine erste Dosis des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca erhalten haben, künftig unabhängig vom Alter als zweite Spritze einen mRNA-Impfstoff wie den von Biontech oder Moderna erhalten sollen.

Natürlich sei es Aufgabe der Wissenschaft, Empfehlungen dem aktuellen Erkenntnisstand anzupassen, sagte Weigeldt. "Das spricht aber nicht gegen eine klare Kommunikation und die frühzeitige Einbindung derer, die letztlich die Empfehlungen umsetzen. Wenn wir ins Schlingern kommen, dann auch die gesamte Impfkampagne."

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Mit Material von dpa, afp, sid und apa.
Teaserbild: © Oliver Berg/dpa