• Auf der neuen Internetplattform "sofort-impfen.de" werden Arztpraxen, Impfzentren und Impfwillige zusammengebracht und freie Impfkapazitäten vermittelt.
  • Damit soll verhindert werden, dass wertvoller Restimpfstoff verfällt.
  • Die Non-Profit-Initiative trifft damit einen Nerv. In kürzester Zeit registrierten sich Hunderttausende Interessierte.

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Das Impftempo in Deutschland hat enorm an Fahrt aufgenommen. Noch immer aber warten viele Menschen auf ihre Corona-Impfung.

Obwohl die Vakzine ein knappes Gut sind, kommt es immer wieder vor, dass Termine nicht wahrgenommen werden und Arztpraxen auf diesen Dosen sitzen bleiben. Wenn Impfstoff übrig bleibt, darf dieser an Menschen geimpft werden, die eigentlich noch nicht an der Reihe sind. Der Hausarzt oder das jeweilige Impfzentrum ruft dann potenzielle Impfkandidaten an. Wer spontan Zeit hat, kann seine Impfung mitunter noch am selben Tag erhalten.

Natürlich kann sich jeder auch selbst ans Telefon klemmen, Arztpraxen abtelefonieren und sich auf Wartelisten setzen lassen. Ein enormer Aufwand für Impfwillige sowie Ärztinnen und Ärzte und Impfzentren, die mit dem Anrufaufkommen oftmals überfordert sind.

"Sofort-Impfen.de": Vermittlungsportal matcht Impfwillige und Arztpraxen

Die neue Vermittlungsplattform "sofort-impfen.de" will das vereinfachen und Ärzte und ihre Mitarbeiter in der Koordination entlasten. Das Portal bringt Impfwillige mit niedergelassenen Ärzten oder Impfzentren zusammen, die noch über Corona-Impfstoffe verfügen und freie Termine haben.

Impfinteressenten können sich kostenfrei auf der Internetseite mit ihrer E-Mail-Adresse und der Postleitzahl ihres Wohnorts registrieren. Anmelden kann sich jeder, auch wenn er keiner Priorisierungsgruppe angehört. Insbesondere für junge Menschen, die keinen festen Hausarzt haben, könnte das Angebot von Interesse sein.

Auch Arztpraxen und Impfzentren registrieren sich und erhalten Zugang zu ihrer persönlichen Terminverwaltung. Sie können dort freie Impftermine veröffentlichen und diese für impfinteressierte Personen verfügbar machen. Für die Praxen bedeutet das Tool einen einfachen und schnellen Support, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu entlasten. Kurzfristige Termine zur COVID-19-Impfung können so effizient vergeben werden, ohne dabei den Prozess der Standard-Terminvergabe durcheinanderzubringen.

Freier Impftermin per E-Mail

Meldet ein registrierter Arzt aus der näheren Umgebung nun über das Portal, dass er noch über freie Impftermine verfügt, erhalten alle infrage kommenden Patientinnen und Patienten eine Benachrichtigung. Darin sind nicht nur alle verfügbaren Termine gelistet, sondern auch die zur Verfügung stehenden Impfstoffe. "Dann gilt das Prinzip: first come, first serve", erklärt Johannes Gerster, Co-Founder von "sofort-impfen.de", im Gespräch mit unserer Redaktion. "Die jeweilige Praxis oder das Zentrum wird sofort per E-Mail darüber informiert, wenn einer ihrer Termine von einem Impfwilligen ausgewählt und bestätigt wird. Der Interessent erhält ebenfalls eine Buchungsbestätigung."

Persönliche Daten werden dabei zu jedem Zeitpunkt vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. "Wir erheben nur minimale Daten (E-Mail-Adresse und Postleitzahl, Anm. d. Red.) für ein Match", betont Johannes Gerster. "24 Stunden nach einer erfolgreichen Vermittlung werden die Daten aus der Datenbank gelöscht."

Vermittlungsplattform stößt auf großes Interesse

"Sofort-impfen.de" hat mit der Idee offenbar einen Nerv getroffen. Das Projekt hat seit Start vor etwas mehr als einer Woche schnell große Bekanntheit erlangt: 800.000 Impfwillige und knapp 500 Arztpraxen haben sich inzwischen registriert (Stand: 14. Mai). Was für Arztpraxen erst mal wenig klingt, würde laut Gerster jedoch die reale Verteilung zwischen Hausärzten und Patienten widerspiegeln.

Bislang kann man sich auf dem Portal nur registrieren. "Im Laufe dieser Woche werden wir die Termin-Vermittlung freischalten", sagt Johannes Gerster. "Vorerst war es wichtig, genügend Impfwillige und Ärzte auf unsere Plattform zu bekommen, damit das Matching auch gut funktioniert kann."

Dass das so schnell ging, überrascht selbst die Gründer. "Als wir vor gut drei Wochen die Idee zur Website hatte, dachten wir schon, dass es funktionieren kann. Aber mit den Dimensionen haben wir nicht gerechnet", sagt Gerster. "Bis es funktioniert hat, wussten wir nicht, ob es funktioniert."

Impfdosen vor dem Wegwurf bewahren

Spricht Gründer Gerster, der die Spontanidee zum Portal hatte, von "wir", so meint er ein interdisziplinäres Team von sieben Mitwirkenden, die das Projekt gemeinsam initiiert haben. Sie gründeten die ehrenamtliche Non-Profit-Initiative aus der Motivation heraus, dabei zu helfen, möglichst viele Menschen in kurzer Zeit zu schützen und den Verlust wertvoller Impfdosen zu verhindern.

"Wir wollten eine zentrale Anlaufstelle schaffen, die sich sowohl an Arztpraxen als auch Impfinteressierte richtet", erzählt Gerster. "Es geht uns nicht darum, etwas anders oder besser zu machen. Unsere Initiative dient einzig dem Ziel, schnell so viele Menschen wie möglich zu impfen und keine weiteren COVID-19-Impfdosen zu verschwenden."

Impfpriorisierung beibehalten

Wichtig ist ihm dabei zu betonen, dass mit dem Portal nicht die Impfreihenfolge übergangen werden soll und sich Menschen Impfungen "erschleichen". Die vermittelten Ärztinnen und Ärzte müssen sich ebenfalls an die von der Bundesregierung festgelegte Impfpriorisierung halten. Im Vergleich zu den derzeit ebenfalls tätigen Impfzentren können sie allerdings deutlich flexibler handeln. Zum Beispiel dürfen sie von der offiziellen Reihenfolge abweichen, um weggeworfene Impfdosen zu vermeiden.

"Sofort-impfen.de" ist für jedermann kostenlos. Um die laufenden Kosten für den Betrieb der Plattform zu decken, ist das Team auf Spenden angewiesen. Die Bundesregierung unterstützt die Plattform, etwa mit Netzwerken wie Update Deutschland oder der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV).

Verwendete Quellen:

  • Gespräch mit Johannes Gerster, Co-Gründer "sofort-impfen.de"
  • Pressemitteilung "sofort-impfen.de"

Impfstoffe von Pfizer und Moderna wohl auch gegen indische Varianten wirksam

Die Corona-Impfstoffe von Pfizer/Biontech und Moderna sind wohl auch gegen die zwei indischen Virus-Varianten B.1.617 und B.1.618 hoch wirksam. Zu diesem Ergebnis kommt eine US-Studie der NYU Grossman School of Medicine und des NYU Langone Center. Sie wurde allerdings noch nicht durch mehrere Fachexperten unabhängig voneinander begutachtet.