Zwar haben wir während der Coronakrise so wenig Energie verbraucht wie seit Jahren nicht mehr. Ob dieser Trend aber anhält, entscheidet sich dadurch, ob und wie die Wirtschaftskrise gestemmt wird.

Mehr aktuelle Informationen zum Coronavirus finden Sie hier

Zumindest auf die Umwelt hat sich der Corona-Lockdown positiv ausgewirkt - ein Rückgang der weltweiten Emissionen ist nachweislich. Und auch die Prognose darüber, wie viel Treibhausgase im gesamten Jahr in die Erdatmosphäre abgegeben werden, ist so gut wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Um die in der Coronakrise geschwächte Wirtschaft wieder anzukurbeln, stecken allerdings viele Industrienationen Milliarden in Konjunkturpakete: Welche Branchen finanzielle Unterstützung bekommen und wie künftig Strom erzeugt wird, dürfte darüber entscheiden, ob die bisher niedrige CO²-Bilanz dieses Jahres ins Negative umgekehrt wird.

Das öffentliche Leben kam in vielen Teilen der Erde im Frühjahr aufgrund des Coronavirus zum Erliegen, die Welt stand während der Lockdowns still, wortwörtlich: Die vom Menschen verursachten Vibrationen unseres Planeten durch Verkehr und Industrie gingen laut einer im "Science Magazin" veröffentlichten internationalen Studie von März bis Mai durchschnittlich um 50 Prozent zurück.

Als weltweit Ausgangsbeschränkungen herrschten, bewegten sich Menschen deutlich weniger fort. Und auch die Produktion von Gütern ging global zurück. Das hatte zur Folge, dass der Stromverbrauch sank und weniger vom Treibhausgas Kohlenstoffdioxid (CO²) in die Atmosphäre ausgestoßen wurde.

CO2-Ausstoß für 2020 wird wohl so niedrig ausfallen wie zuletzt vor zehn Jahren

Die Internationale Energieagentur (IEA) hat berechnet, dass zur Hochzeit der Beschränkungen der Stromverbrauch international um rund ein Fünftel im Vergleich zum Vorjahr gesunken war. Der Energiebedarf war damit über einen längeren Zeitraum in etwa so wie normalerweise nur an Sonn- oder Feiertagen.

Die Nachfrage nach Kohle fiel um acht Prozent in den ersten drei Monaten, größtenteils, so die IEA in ihrem Bericht, weil Chinas Wirtschaft besonders stark beeinträchtigt war - Kohle ist dort nach wie vor häufiger in Gebrauch als zum Beispiel in Europa. Erdöl wurde um fünf Prozent weniger genutzt, hauptsächlich dadurch, interpretiert die IEA, weil Straßen- und Flugverkehr sich weltweit halbiert hatten.

Während der Finanzkrise sei der CO²-Ausstoß zwar auch gesunken, war aber immer noch sechsmal so hoch wie während der weltweiten Ausgangsbeschränkungen. Die IEA schätzt, dass die Menge an CO², die in die Atmosphäre abgegeben wird, dieses Jahr insgesamt auf globalem Niveau so niedrig sein wird, wie zuletzt vor zehn Jahren.

CO2-Einsparungen durch Konjunkturpakete gefährdet?

Dass die Luftverschmutzung durch die Verbrennung von fossilen Energieträgern abgenommen hat, sei zwar erfreulich, sagt Friederike Otto, geschäftsführende Direktorin des Environmental Change Instituts der Universität Oxford, gegenüber unserer Redaktion. Aber das bedeute nicht, dass sich langfristig dadurch etwas am Trend der Klimaerwärmung ändern wird, erklärt die Physikerin, deren Forschungsgebiet der menschengemachte Klimawandel ist.

Was passiert, wenn Staaten weltweit milliardenschwere Konjunkturprogramme aufsetzen, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln? Wenn die wirtschaftlichen Aktivitäten, die staatlich gefördert werden, langfristig auch dem Klima zugutekämen, sei das zu begrüßen, sagt Otto. "Aber es hat nicht viel gefehlt und wir hätten beinahe wieder - wie schon zur Finanzkrise - eine Abwrackprämie bekommen."

Ein Blick auf die Branchen, in die viele Industrienationen in der aktuellen Krise investieren, zeigt jedoch: Es fließen vornehmlich staatliche Hilfen beispielsweise in Form von Krediten und Kurzarbeitergeld in die Autoindustrie und Fluggesellschaften, wie das "Handelsblatt" jüngst in einem Artikel zusammenfasste.

Wo der Strom herkommt, der in den geförderten Industrien verwendet wird, ist entscheidend

Laut Statistik des Umweltbundesamtes verursachten 2018 allein Autos auf deutschen Straßen mehr als zwölf Prozent aller CO²-Abgase, der Straßenverkehr insgesamt 20 Prozent und in Deutschland startende Flüge immerhin vier Prozent des gesamten deutschen CO²-Ausstoßes.

Die IEA schloss ihren Ausblick für das Jahr 2020 damit ab, dass schon vergangene Krisenzeiten gezeigt haben: Es wurden zwar Treibhausgase eingespart, doch Konjunkturpakete für Unternehmen führen nun mal zu einem höheren Energieverbrauch. Dann könnte sogar noch mehr als das eingesparte CO² wieder ausgestoßen werden.

Deshalb, so die Experten von der IEA, sei besonders wichtig, dass die Wirtschaft Impulse bekommt und dabei erneuerbare Energien genutzt werden.

Über die Expertin: Dr. Friederike Otto ist Geschäftsführende Direktorin des Environmental Change Institut an der Universität Oxford. Die Physikerin beschäftigt sich in ihrer Forschung mit dem menschengemachten Klimawandel, welche sozialen Auswirkungen Extremwetterverhältnisse haben.

Verwendete Quellen:

  • Science Magazine: Global quieting of high-frequency seismic noise due to COVID-19 pandemic lockdown measures, 23.07.2020
  • Internationale Energieagentur: Global Energy Review 2020 - The impacts of the Covid-19 crisis on global energy demand and CO² emissions, April 2020
  • Handelsblatt: Coronahilfen weltweit: Wie die Staaten ihre Milliarden einsetzen, 28.05.2020
  • Umweltbundesamt: Trendtabellen für Treibhausgase mit Aufschlüsselung für mobile Quellen von 1990 bis 2018
Interessiert Sie, wie unsere Redaktion arbeitet? In unserer Rubrik "Einblick" finden Sie unter anderem Informationen dazu, wann und worüber wir berichten, wie wir mit Fehlern umgehen und woher unsere Inhalte kommen.

So schlimm ist Schifffahrt für das Klima

Flugzeuge, Autos, Kohlekraftwerke – wenn es um den Klimaschutz geht, haben viele Menschen eine genaue Vorstellung, welche Branchen für den Großteil der CO2-Emissionen verantwortlich sind. Die Schifffahrt bleibt dabei meist außen vor.