Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus ist in Deutschland weiter auf einem hohen Niveau. Ein Hausmittel soll nun Abhilfe schaffen. Bei Versuchen zeigt sich, dass medizinische Mundspülungen ein wirksames Mittel gegen die Pandemie sein können. Verschiedene Substanzen würden die Viren stark eliminieren.

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Innerhalb eines Tages haben die Gesundheitsämter in Deutschland nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom frühen Donnerstagmorgen 2.194 neue Corona-Infektionen gemeldet. Ein geeigneter Impfstoff ist noch immer nicht in Sicht.

Laut Experten könnte allerdings auch ein Hausmittel bei der Eindämmung der weiteren Verbreitung des Coronavirus helfen.

Professor Klaus-Dieter Zastrow vom Hygiene-Institut in Berlin bringt Mundspülungen ins Spiel. Er rät Betroffenen, sich nach einem Corona-Test den Mund mit einem Schleimhaut-Desinfektionsmittel zu spülen.

Im Falle einer Infektion werde so die Viruslast im Rachenraum deutlich gesenkt und eine Ansteckung anderer Personen unwahrscheinlicher. Der Hygiene-Experte erklärt gegenüber der "Bild", dass Mundspülungen nachweislich wirksam und getestet seien. "Viren, Bakterien oder Pilze werden zuverlässig abgetötet. Coronaviren inklusive", sagte der Mediziner der "Bild"-Zeitung.

Die Wirkung von Mundspülungen gegen das Coronavirus wurde bereits wissenschaftlich belegt. Ein Team der Ruhr-Universität Bochum hatte bei Laborversuchen herausgefunden, dass medizinische Mundspülungen innerhalb von 30 Sekunden das Coronavirus zerstören können. Ihre Ergebnisse hatten die Forscher im "Journal of Infectious Diseases" veröffentlicht.

SARS-CoV-2 verbreitet sich im Rachen und in den Speicheldrüsen

Die Studie erklärte den Effekt damit, dass sich SARS-CoV-2 im Frühstadium einer COVID-19-Erkrankung vor allem im Rachen und in den Speicheldrüsen verbreite. Bei den Tests im Labor wurden Coronaviren mit Substanzen vermischt, um Nasenschleim nachzuahmen.

Den Forschern zufolge zeigte sich dabei deutlich, dass verschiedene SARS-CoV-2-Stämme hochem­pfind­lich gegenüber Mundspülungen sind. Die Studie kam zu dem Schluss, dass "Mundspülungen die Viruslast im Speichel reduzieren und dadurch die Verbreitung von SARS-CoV-2 verringern".

Quelle: The New England Journal of Medicine.

Dr. Susanne Hugget, eine Hygieneexpertin der Asklepios Kliniken, sagte der "Bild", dass sie neben der Anwendung bei einer bereits bestehenden Infektion auch eine prophylaktische Anwendung, beispielsweise nach einer Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel, befürworte.

Sie machte jedoch deutlich, dass eine einmalige Mundspülung nicht alle Viren abtöten kann: "Wer das glaubt, würde sich in falscher Sicherheit wiegen. Die verbliebenen aktiven Viren können sich wieder explosionsartig vermehren."

Mundspülung kein Heilmittel gegen COVID-19-Erkrankung

Laut Zastrow seien Mundspülungen jedoch kein Heilmittel gegen eine COVID-19-Erkrankung. Sie könnten lediglich die Infektiosität mindern und den Krankheitsverlauf lindern. Damit stimmt er der Studie der Ruhr-Universität zu.

Nach ihren Labortests im Reagenzglas hatten sich die Forscher aus Bochum für weitere klinische Untersuchungen an Patienten ausgesprochen, um die Wirksamkeit von Mundspülungen auch in der Praxis sicher bestätigen zu können.

Zastrow hingegen ist bereits von der Wirksamkeit von Mundspülungen überzeugt. Corona-Patienten sei empfohlen worden, auch zu Hause für acht Tage Mundspülungen anzuwenden. "Keiner von ihnen hat einen schweren Verlauf von COVID-19 entwickelt“, berichtete Zastrow.

Der Pharmazie-Experte Dr. Martin Allwang warnte hingegen vor einem breiten Einsatz von Mundspülungen zur Vorbeugung gegen Corona-Infektionen. "Das Mittel verfärbt die Schleimhaut. Weil es auch die guten Bakterien der Mundflora abtötet, sollte man es nicht ohne ärztlichen Rat auf Dauer anwenden. Nicht geeignet ist das Mittel unter anderem für Patienten mit Schilddrüsenerkrankungen", sagte er der "Bild".

Auch Zastrow betonte, dass trotz der Wirksamkeit von Mundspülungen eine Mund-Nasen-Schutzmaske weiterhin das erste Mittel der Wahl im Kampf gegen die Pandemie sei. (lh)

Verwendete Quellen:

  • n-tv.de: "Mundspülung hilft gegen Coronaviren"
  • mdr.de: "Mit Mundspülung Gurgeln gegen Coronavirus?"
  • bild.de: "Gurgeln schützt vor Corona-Ansteckung"

Impfkommission erwartet mehrere Corona-Impfstoffe

Die Ständige Impfkommission beim Robert Koch-Institut geht davon aus, dass es in Deutschland mehrere unterschiedliche Corona-Impfstoffe geben wird. Das könnte allerdings noch einige Monate dauern.
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