Mancher Zauberkünstler kann sich einen Löffel scheinbar an die Nase kleben. Dass das funktioniert, liegt an der sogenannten Adhäsion oder Anhangskraft. In mehreren Videos im Netz wird aber suggeriert, es sei ungewöhnlich, wenn Magnete nach der COVID-19-Impfung am Arm haften. Das stimmt nicht, auch hier wirkt die Adhäsion.

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Eine Kolumne
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Eine Person hält sich einen Magneten an den Oberarm und der bleibt haften. Weltweit ist dieser Trick in sozialen Netzwerken in Videos zu sehen. Es wird behauptet, der Magnet bleibe wegen der COVID-19-Impfung hängen (wie hier, hier oder hier). Angeblich würden Mikrochips oder irgendwelche Substanzen die Impfstoffe magnetisch machen, wird dort teilweise sogar behauptet. Das ist falsch, wie CORRECTIV.Faktencheck erklärt.

Dass ein Magnet auf der Haut haften bleibt, hat mit Magnetismus nichts zu tun. Es wirkt Adhäsion, eine physikalische Anziehungskraft, die jeder Mensch testen kann. Ein funkfähiger Mikrochip würde zudem gar nicht durch die Kanüle einer Impfspritze passen und der Impfstoff ist auch nicht magnetisch.

Magnet-Trick im Selbstversuch: Der Magnet hält bei geimpften und nicht geimpften Personen

Zwei Personen haben für uns getestet, ob ein Magnet an ihrem Arm haften bleibt. Eine Person war geimpft, die andere nicht. Bei beiden funktionierte der Trick, nachdem sie den Magneten leicht befeuchtet hatten. Das bedeutet aber nicht, dass alle Menschen "magnetisch" sind, bei denen das funktioniert.

Es ist dasselbe Prinzip wie beim Löffel-Trick: Adhäsion. Adhäsion nennt man die physikalischen Anhangskräfte, die zwischen unterschiedlichen Teilchen entstehen können. Mit Magnetismus hat das nichts zu tun.

Um einen Löffel "schweben" zu lassen, legt man ihn mit der eingedellten Seite auf die Nasenspitze, mit dem Stiel nach unten. Dann schiebt man ihn hin und her, bis er von alleine hängen bleibt. Der Wissenschaftsautor Mick West zeigt das in einem Video auf seiner Website "Metabunk" mit einer Münze.

Auf angefeuchteter Haut funktioniert das besonders gut, weil Wasser eine stark polare Flüssigkeit ist. Das bestätigte uns auch Gerhard Samulat von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG). "Die Wassermoleküle haben relativ stark ausgeprägte elektrische Plus- respektive Minuspole – wohlgemerkt elektrische. Nicht magnetische!"

Nein, bei der Corona-Impfung werden keine magnetischen Stoffe injiziert

Auch gibt es keine Hinweise darauf, dass mit der COVID-19-Impfung metallbasierte oder magnetische Stoffe injiziert werden würden (Inhaltsstoffe: Biontech/Pfizer, Astrazeneca, Moderna, Janssen). Mehrere Experten haben das bereits bestätigt.

Thomas Hope, Professor für Zell- und Entwicklungsbiologie an der Feinberg School of Medicine der Northwestern University in den USA, sagte laut der Nachrichtenagentur AFP über die Inhaltsstoffe der Impfungen: "Es sind Proteine und Lipide, Salze, Wasser und Chemikalien, die den pH-Wert aufrechterhalten. Das ist im Grunde alles, also ist das nicht möglich". Selbst wenn ein Impfstoff Spuren von metallischer Substanz enthielte, "müsste man ein ziemlich beträchtliches Stück Metall unter die Haut bringen, damit die Kühlschrankmagnete haften".

Gesundheitsministerium: "Bei der Corona-Schutzimpfung werden keine Mikrochips verabreicht"

Hinter der Behauptung, zusammen mit der Impfung werde ein Mikrochip injiziert, steckt eine seit 2020 kursierende Verschwörungserzählung. Demnach stecke Bill Gates hinter der Verbreitung des Coronavirus und wolle Menschen durch Mikrochips überwachen.

Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) reagierte im Mai ebenfalls auf solche Gerüchte auf Twitter: "Bei der Corona-Schutzimpfung werden keine Mikrochips verabreicht." Auch die US-amerikanische Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) dementierte: "Nein, die Regierung nutzt die (Corona-)Impfungen nicht, um Sie zu tracken."

Ein funkfähiger Mikrochip würde nicht durch die Kanüle passen

Ein funkfähiger Mikrochip würde übrigens gar nicht durch eine Impfnadel passen, die bei der Corona-Impfung verwendet wird. Eine Impfkanüle hat einen Innendurchmesser von 0,26 bis 0,337 Millimeter, ein solcher Mikrochip wäre aber etwa doppelt so groß (0,6 bis 1 Millimeter), wie uns der Chaos Computer Club (CCC) bestätigte.

Hinzu kommt: "Da der menschliche Körper zum größten Teil aus Wasser besteht, ist es sehr schwierig mit Funk aus seinem Inneren heraus zu kommunizieren, alle Anwendungen dafür (etwa Programmierung von Herzschrittmachern u.ä.) benötigen deswegen eine aufgelegte Antenne. Den aus diversen Hollywood-Movies bekannten injizierbaren Tracking-Chip, der über mehr als ein paar Zentimeter Entfernung funkkommunizieren kann, gibt es aus diesem Grund nicht", so der CCC.

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