• Nach vier Monaten strengen Lockdowns gehen die Niederlande einen großen Schritt zurück in die Normalität.
  • Allerdings sind die Infektionszahlen weiter hoch, der Druck auf Krankenhäuser ist groß.
  • Der wissenschaftliche Corona-Beirat warnte die Regierung vor Öffnungen.

Mehr aktuelle Informationen zum Coronavirus finden Sie hier

Am Mittwochmorgen um 4:30 Uhr ist es so weit gewesen: Als einer der ersten Schritte des niederländischen "Wiedereröffnungsplans" fiel die abendliche Ausgangssperre.

Gut vier Monate befanden sich die Niederlande in einem strengen Lockdown zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Nun macht das Land einen großen Schritt zurück in die Normalität. Ab Mittwoch dürfen alle Geschäfte sowie Cafés und Restaurants in Außenbereichen und unter Auflagen wieder Kunden empfangen.

Zunächst sollen die populären "terrasjes" (Terrassen) von 12:00 bis 18:00 Uhr täglich geöffnet sein, sie waren sogar seit mehr als sechs Monaten geschlossen. Für den Gaststättenverband geht es um "einen kleinen Lichtblick". Bürgerinnen und Bürger dürfen zudem statt einer wieder zwei Personen außerhalb des eigenen Haushaltes empfangen. Und Studenten bekommen zumindest einen Tag in der Woche wieder Präsenzunterricht.

Die Regierung unter dem rechtsliberalen geschäftsführenden Premier Mark Rutte hatte sich trotz Warnungen des wissenschaftlichen Corona-Beirates zu dieser ersten Lockerung der Corona-Maßnahmen entschieden.

Allerdings ist die Pandemie in Deutschlands Nachbarland längst nicht vorbei: Die Zahl der Neuinfektionen binnen einer Woche pro 100.000 Einwohnern, die Sieben-Tage-Inzidenz, ist mit 322,9 derzeit doppelt so hoch wie in Deutschland. Auch die Entwicklung verläuft ähnlich, der Druck auf Krankenhäuser und Intensivstationen steigt.

Lesen Sie auch: Alle aktuellen Informationen rund um die Corona-Pandemie in unserem Live-Blog

Möglicherweise zweiter Öffnungsschritt bereits Mitte Mai

Die Regierung rechnet jedoch damit, dass die Zahlen wegen der Impfungen schnell abnehmen. Etwa fünf Millionen Bürger haben den Angaben zufolge mindestens eine Dosis erhalten. Das sind knapp 30 Prozent der erwachsenen Einwohner, gut sechs Prozentpunkte mehr als in Deutschland.

Es sei ein "kalkuliertes Risiko", erklärte Rutte. Die wissenschaftlichen Berater der Regierung kritisierten die Schritte aber als verfrüht und warnten vor einem Notzustand in Krankenhäusern. Das Robert-Koch-Institut hatte die Niederlande erst Anfang April zu einem "Hochinzidenzgebiet" hochgestuft.

Weiterhin verboten sind dort alle Veranstaltungen mit Publikum wie Sportwettkämpfe, Museen, Theater und Kinos. Es gilt auch Masken-Pflicht in öffentlichen Gebäuden und ein Sicherheitsabstand von 1,5 Metern.

Die niederländische Regierung will kommenden Montag entscheiden, ob sie ab dem 11. Mai den zweiten Schritt ihres "Wiedereröffnungsplans" geht. Falls ja, sollen die Menschen ab da an wieder Hallensportarten betreiben können, auch Musikschulen und Zoos sollen unter Auflagen wieder öffnen. (dpa/mf)

Amsterdam: Dürfen ausländische Touristen bald nicht mehr in Coffeeshops?

Amsterdam will kein Kifferparadies mehr für Drogentouristen sein. Daher sollen ausländische Besucher keinen Zugang mehr zu Coffeeshops erhalten - was die Betreiber dieser Einrichtungen kritisieren. © ProSiebenSat.1
Teaserbild: © Peter Dejong/AP/dpa/Peter Dejong