• Der Chef des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, appelliert an Bürgerinnen und Bürger, weiter die Corona-Regeln einzuhalten und möglichst auf Kontakte und Reisen zu verzichten.
  • RKI-Berechnungen zeigen, dass der aktuelle Lockdown weiter weniger effektiv als der erste im Frühjahr ist.
  • Aus diesem Grund halten Wieler und der RKI-Physiker Dirk Brockmann strenge Maßnahmen für geboten.

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Angesichts des neuen Tages-Höchstwertes an Corona-Todesfällen und weiterhin über 20.000 täglichen Neuinfektionen hält das Robert-Koch-Institut (RKI) eine "massive" Verringerung der Fallzahlen für geboten. Zurzeit müssten die Maßnahmen zur Kontaktreduktion "mit aller Konsequenz" genutzt werden, um die Infektionszahlen zu drücken, sagte RKI-Chef Lothar Wieler auf einer Pressekonferenz in Berlin.

Danach müssten die Zahlen auf einem niedrigen Niveau gehalten werden – es gebe keinen anderen Weg. Auf Nachfrage ob es dazu auch strengere Lockdown-Regeln bedarf, antwortete Wieler: "Das ist eine Option."

Dirk Brockmann, Professor am Institut für Biologie der Berliner Humboldt-Universität und Leiter einer RKI-Projektgruppe zur epidemiologischen Modellierung von Infektionskrankheiten, pflichtete Wieler bei. Der Physiker und seine Kollegen seien sich einig, dass die "Regeln, die dazu führen, dass weniger Kontakte stattfinden, einfach verschärft werden müssen".

Zweiter Lockdown weniger effektiv als der erste

Zwar seien "viele Leute sehr vernünftig", betonte Brockmann, der die Mobilität in Deutschland seit Beginn der Pandemie analysiert. Dennoch sei die Motivation, das Reisen einzuschränken, im zweiten Lockdown deutlich zurückgegangen. Im ersten Lockdown war den Berechnungen seines Teams zufolge die Mobilität bundesweit um 40 Prozent im Vergleich zu 2019 zurückgegangen, im zweiten Lockdown waren es nur noch 10 bis 15 Prozent weniger.

"Dieser Lockdown ist nicht so effektiv wie der, den wir im Frühjahr hatten", sagte RKI-Chef Wieler. In allen Bereichen sei "noch Luft nach oben", die Maßnahmen würden nicht "stringent durchgeführt". Aus diesem Grund halte er Nachschärfungen für geboten. Maßnahmen wie die neu eingeführte 15-Kilometer-Regel würden sich Brockmann zufolge zwar auswirken. "Aber aber viel effektiver wär es, wenn die Radien kleiner werden."

RKI-Chef: Wegen Mutationen möglichst nicht verreisen

Wegen der neuen Coronavirus-Varianten rief Wieler die Menschen in Deutschland auf, möglichst aufs Reisen zu verzichten. "Wer nicht unbedingt muss, sollte im Moment nicht verreisen", sagte er. Mit Stand Mittwoch seien alle aktuell bekannten Fälle, in denen die neuen Varianten nachgewiesen wurden, von Reisenden nach Deutschland gebracht worden.

Bisher könne man noch nicht abschätzen, wie sich die Varianten auf die Situation in Deutschland auswirkten, sagte Wieler. "Sie könnten sich aber auch hier durchsetzen und zu noch mehr Fällen in kürzerer Zeit führen." Es bestehe die Möglichkeit, dass sich die Lage noch verschlimmere. Umso wichtiger sei deshalb das konsequente Einhalten der Maßnahmen.

Anhaltspunkte sprechen Wieler zufolge aber nicht dafür, dass die Varianten hierzulande bereits stark verbreitet seien. Er räumte allerdings ein: "Wir haben keinen vollen Überblick über die Varianten." In Großbritannien hatte sich zuletzt eine Corona-Variante sehr rasch ausgebreitet. Auch eine Variante aus Südafrika steht derzeit im Fokus.

Intensivmedizinische Versorgung so ausgelastet wie noch nie

Wieler verwies zudem auf die hohe Arbeitsbelastung im Gesundheitswesen, insbesondere auf den Intensivstationen. Dort liege das Durchschnittsalter der Patienten teilweise unter 60 Jahren. Wegen der hohen Infektionszahlen seien immer mehr Jüngere betroffen. Die bestmögliche Versorgung der Erkrankten könne aber nicht mehr flächendeckend gewährleistet werden. "Die intensivmedizinische Versorgung in Deutschland war noch nie so ausgelastet wie heute", betonte Wieler.

"Bitte bleiben Sie Zuhause, wenn immer möglich", appellierte Wieler. Es gelte, sich immer und überall an die Regeln zu Abstand, Hygiene, Alltagsmaske und Lüften zu halten. Trotz allem zeigte sich Wieler aber zuversichtlich: "Am Ende dieses Jahres werden wir diese Pandemie kontrolliert haben." Denn es werde genügend Impfstoff geben, um alle Bürger in Deutschland impfen zu können. (mf/dpa)

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