• Jens Spahn und RKI-Präsident Lothar Wieler haben sich zum neuen Tageshöchststand bei den Corona-Todesfällen und zur Impfstrategie geäußert.
  • Für den Gesundheitsminister zeige die Zahl der gemeldeten Todesfälle die Gefährlichkeit des Virus.
  • Wieler warnte davor, trotz begonnener Impf-Kampagne nicht nachlässig beim Einhalten der Verhaltensregeln zu werden.

Mehr aktuelle Informationen zum Coronavirus finden Sie hier

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sieht angesichts der hohen Corona-Todes- und Infektionszahlen keine Möglichkeit, den aktuellen Lockdown bald zu beenden.

"1.129 Familien werden diesen Jahreswechsel in Trauer erleben", sagte der CDU-Politiker am Mittwoch in Berlin mit Blick auf die aktuell gemeldeten Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus. "Diese Zahlen belegen, wie brutal dieses Virus immer noch zuschlägt."

Von einer Normalität sei man noch sehr weit entfernt. "Ich sehe also nicht, wie wir in dieser Situation zurückkehren können in den Modus vor dem Lockdown."

RKI führt Höchstwert an Todesfällen auch auf Nachmeldungen zurück

Der Tageshöchststand bei den gemeldeten Corona-Todesfällen ist aus Sicht des Robert-Koch-Instituts (RKI) wohl auch durch Nachmeldungen bedingt. "Die plausibelste Erklärung ist die, dass es eben verzögerte Meldungen sind von Todesfällen", sagte RKI-Chef Lothar Wieler bei der Pressekonferenz, an der auch Spahn teilnahm.

Über die Feiertage seien die Zahlen von Neuinfektionen und Gestorbenen relativ gering gewesen. Wieler bekräftigte, eher auf Wochenwerte zu blicken statt auf den Stand an einzelnen Tagen.

Lesen Sie auch: Alle aktuellen Informationen rund um die Corona-Pandemie in unserem Live-Blog

Wieler ruft dazu auf, weiterhin nicht zu verreisen

Zugleich warnte Wieler nach dem Start von COVID-19-Impfungen vor Nachlässigkeit beim Einhalten der Verhaltensregeln.

"Trotz der Impfung müssen wir uns in den nächsten Monaten alle weiterhin an die AHA+L-Regeln halten und unsere Kontakte einschränken", sagte der RKI-Präsident. Die AHA+L-Regeln stehen für Abstand halten, Hygiene, Alltagsmasken und Lüften.

Wieler rief dazu auf, nicht zu verreisen, möglichst wenige Menschen zu treffen - und wenn, dann nur dieselben Personen und möglichst nur im Freien. "Lassen Sie uns dem Virus gemeinsam den Wind aus den Segeln nehmen."

Gesundheitsminister Spahn mahnte die Bürger eindringlich, an Silvester auf Kontakte zu verzichten. "Die Frage, was morgen passiert oder nicht passiert, ein ganz wichtiger Faktor im weiteren Verlauf", sagte der Minister mit Blick auf den Silvestertag.

RKI: Dauert noch Monate, bis Viruszirkulation in der Bevölkerung sinkt

Es werde noch Monate dauern, bis so viele Menschen geimpft sind, dass auch die Zirkulation des Virus in der Bevölkerung reduziert werde, sagte er weiter.

Einerseits müsse der Impfstoff in ausreichender Menge verfügbar sein, andererseits dauere es, das Mittel zu verabreichen. Auch nach der Impfung der ersten Gruppen seien nicht alle geschützt, kein Impfstoff sei perfekt, betonte der RKI-Chef. Es sei zudem unklar, in welchem Umfang die Impfung Ansteckungen verhindern könne.

Die Zahl der gemeldeten Todesfälle hatte am Mittwoch zum ersten Mal die Marke von 1.000 überschritten. Außerdem wurden 22.459 Neuinfektionen binnen eines Tages gemeldet. Vergangenen Mittwoch (23.12.) waren 24.740 Neuinfektionen und der bisherige Höchststand von 962 Todesfällen gemeldet worden.

Das Robert Koch-Institut hatte vor den Weihnachtstagen mitgeteilt, dass die aktuellen Zahlen nur bedingt mit den Werten der Vorwoche vergleichbar seien, da es über die Feiertage mit einer geringeren Zahl an Tests und auch weniger Meldungen von den Gesundheitsämtern rechnete. (dpa/mf)  © dpa

Sandra Ciesek

Virologin Ciesek pessimistisch: Kein COVID-19-Heilmittel in Sicht

Laut der Virologin Sandra Ciesek ist ein Heilmittel gegen COVID-19 noch in weiter Ferne. Sie glaubt nicht, dass es im Jahr 2021 zu einem Durchbruch kommen wird. (Teaserbild: picture alliance/dpa/AFP/Pool/Tobias Schwarz)