Drosten, Merkel, Lauterbach & Co.: Das sind die Corona-Köpfe des Jahres 2020

Die Corona-Pandemie hatte uns dieses Jahr fest im Griff. Von streitenden Virologen und Wissenschaftlern über die mahnende Kanzlerin bis zu den Impfstoff-Helden. Das sind die Hauptakteure des Corona-Jahres 2020. © 1&1 Mail & Media/spot on news

Kurz nachdem Anfang Januar 2020 die ersten Corona-Fälle publik wurden, wurde auch Virologe Christian Drosten außerhalb der Fachwelt bekannt und zu einer der Hauptpersonen der Krise in Deutschland. Seine Forschungsgruppe war an der Entwicklung des weltweit ersten Diagnostiktests für das Coronavirus beteiligt.
Der Virologe von der Berliner Charité beriet Politik und Behörden und erhielt auch durch seinen Podcast "Coronavirus-Update" viel mediale Aufmerksamkeit. Der "Stern" beschrieb ihn im März als "gefragtesten Mann der Republik". Ende April wurde er mit einem Sonderpreis für "herausragende Kommunikation der Wissenschaft in der COVID-19-Pandemie" ausgezeichnet.
Auch Alexander Kekulé, Direktor am Institut für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle, gehört zu den medial gefragtesten Virologen. Seit Mitte März hat auch er einen eigenen Podcast: "Kekulés Corona-Kompass". Regelmäßig war er auch in Talkshows zu Gast, um seine Einschätzung zu Maßnahmen und zur Infektionslage zu geben.
Hendrik Streeck, Direktor des Instituts für Virologie an der Universität Bonn, leitete im Auftrag der NRW-Landesregierung die sogenannte Heinsberg-Studie, die von anderen Virologen stark kritisiert und als "Sonderfall" bezeichnet wurde. Seit Beginn der Pandemie war auch er immer wieder in diversen Talkshows zu Gast.
Im Zuge der Pandemie trat auch Virologin Melanie Brinkmann vermehrt in der Öffentlichkeit auf. Unter anderem war sie Mitunterzeichnerin eines Briefes von 100 Ärzten, die ein stärkeres Vorgehen gegen Falschinformationen forderten. Brinkmann plädierte stets für härtere Corona-Maßnahmen.
Jonas Schmidt-Chanasit ist als Virologe bereits seit Langem als Gesprächspartner der Medien gefragt. Auch während der Corona-Pandemie kam er in diversen Talkshows immer wieder zu Wort.
Als Präsident des Weltärztebunds war Frank Ulrich Montgomery während der Corona-Pandemie stets die Stimme der Ärzte und warnte vor einer Überforderung der medizinischen Kapazitäten. Der Radiologe geht davon aus, dass das Virus "uns bis mindestens Ende 2021 intensiv begleiten" wird.
Er informierte fast täglich über die aktuellen Corona-Zahlen: Lothar Wieler war als Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI) stets präsent und gab regelmäßig seine Einschätzung und Risikobewertung zu COVID-19 ab.
Klaus Reinhardt, seit 2019 Präsident der Bundesärztekammer, äußerte sich zu Beginn der Pandemie kritisch gegenüber einer Maskenpflicht, bezeichnete diese sogar als "Vermummungsgebot". Seiner Meinung nach gebe es "keine wissenschaftliche Evidenz für deren Wirksamkeit". Wenige Tage später ruderte er jedoch zurück und erklärte, die aktuellen Studien sprächen für einen Nutzen der Masken.
Als Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zog Andreas Gassen den zweiten harten Lockdown im Dezember in Zweifel. Er bezeichnete Lockdowns als "keine geeignete langfristige Strategie in der Pandemiebekämpfung", sie seien allenfalls eine "Notbremse". Stattdessen warb Gassen stets dafür, verletzliche Bevölkerungsgruppen besser zu schützen, beispielsweise in Form von mehr Tests in Pflegeeinrichtungen und besseren Konzepten, die das öffentliche Leben nicht lahmlegen.
Deutlich anders sieht das Karl Lauterbach: Der Epidemiologe und SPD-Politiker war so oft wie kein anderer zum Thema Corona-Pandemie in diversen Talkshows zu Gast, häufig bei Markus Lanz. Er äußerte dort seine Ansichten zu den getroffenen Maßnahmen und warnte schon früh vor einer zweiten Welle. Lauterbach sprach sich, auch oft via Twitter, stets für härtere Maßnahmen aus und gehört zu den Kritikern übereilter Lockerungen.
Am 18. März hielt Angela Merkel (CDU) eine außerordentliche Fernsehansprache. Zwischen 25 und 30 Millionen Menschen schalteten ein, als die Kanzlerin der Bevölkerung mit den Worten "Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst" eine "letzte Mahnung" erteilte. Diese mahnende Haltung legte Merkel das gesamte Jahr nicht ab. Stets rief sie dazu auf, die Maßnahmen ernst zu nehmen, forderte Disziplin, Geduld und Zusammenhalt im Kampf gegen das Virus.
Schlagzeilen machte auch ihre emotionale Rede im Bundestag Anfang Dezember, in der sie die Bevölkerung regelrecht anflehte, die Maßnahmen einzuhalten.
Zunächst reagierte Jens Spahn (CDU) im Januar zögerlich auf das Coronavirus, lehnte Einreisekontrollen ab und erklärte: "Für übertriebene Sorge gibt es keinen Grund." Erst Anfang März empfahl der Bundesgesundheitsminister, Großveranstaltungen abzusagen und warnte vor Reisen in Risikogebiete.
Mit dem Voranschreiten des Pandemiegeschehens setzte Spahn sich mehr und mehr für ein strengeres Infektionsschutzgesetz ein und bezeichnete die Pandemie als "Charaktertest für die Gesellschaft". Auch sagte er, man werde einander nach der Krise "viel verzeihen müssen" und gestand auch eigene Fehler ein.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) drängte hingegen früh auf Grenzkontrollen und Einreisebeschränkungen - zumindest für sein Bundesland. Auch auf Ausgangsbeschränkungen einigte sich sein Kabinett als eine der ersten Landesregierungen. Anfänglich wurde sein Krisenmanagement auch überregional von vielen gelobt, von anderen Länderchefs aber auch für den "Alleingang" kritisiert. Später kamen Testpannen und Organisationsfehler in Testzentren dazu, insgesamt konnte Söder seine Beliebtheit in der Pandemie jedoch steigern.
Nordrhein-Westfalen war als eines der ersten Bundesländer in Deutschland schwer von der Pandemie betroffen, vor allem der Landkreis Heinsberg. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) musste schnell eingreifen und stellte am 13. März ein erstes Maßnahmenpaket vor. Im Dezember geriet er in die Kritik, nachdem bekannt wurde, dass die NRW-Landesregierung im April Schutzmasken von der Textilfirma Van Laack gekauft hatte, für die Laschets Sohn als Influencer wirbt.
Finanzminister Olaf Scholz (SPD) zeigte sich in der Corona-Pandemie alles andere als geizig. Er prägte Ausdrücke wie "Wumms!" und "Bazooka!", mit denen er die Geldsummen beschrieb, die die Regierung bereitstellte, um die Wirtschaft und die Bevölkerung aus der Krise zu führen.
"Kein Arbeitsplatz muss wegen Corona verloren gehen", versprach Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) im März. Er versicherte, alles für ihn Mögliche tun zu wollen und sagte zu, dass es genügend finanzielle Reserven gebe.
Wirtschaftswissenschaftler Hans-Werner Sinn kritisierte Teile der finanzpolitischen Maßnahmen seit Beginn der Pandemie und veröffentlichte im Juli das Buch "Der Corona-Schock: Wie die Wirtschaft überlebt", in dem er dafür plädiert, die Wirtschaft zu stützen und vor einer Inflationsblase warnt.