Glyphosat im Bier, Mineralöl in Schokoosterhasen - die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch hatte 2016 viel Arbeit. Wir haben zusammengestellt, was die Verbraucherschützer 2016 kritisiert mussten.

Mineralöl in Lebensmitteln

Ob Glas oder Plastik im Essen: 2016 war schlecht für die Verbraucher.

Vor Ostern kam der erste Schock: Foodwatch hat im Labor verschiedene Schoko-Osterhasen getestet und dabei in acht von 20 Produkten geringe Konzentrationen von Mineralölen gefunden. Dabei machte der Preis anscheinend keinen Unterschied: Es waren sowohl günstige Osterhasen von Discountern als auch teure Markenprodukte betroffen.

Mineralöle stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Foodwatch fordert deshalb von der Politik, die Grenzwerte für Mineralöle in Lebensmitteln festzulegen.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung bezeichnete derartige Belastungen aufgrund ihres krebserregenden Potenzials als unerwünscht. Nach einem ähnlichen Test mit Schoko-Adventskalendern im Jahr 2015 sah das Institut angesichts geringer Aufnahmemengen pro Tag allerdings keine Gesundheitsgefahr für Verbraucher.

Als Quelle für die Verunreinigung von Schokohasen gilt laut Foodwatch der Transport von Kakao in belasteten Jutesäcken. Das Öl könnte aber auch von Maschinen oder Abgasen aus Industrie und Verkehr stammen.

Außerdem kann die schädliche Substanz über Altpapier-Verpackungen an das Produkt gelangen. Altpapier enthält bis zu 250 Chemikalien, die auf Lebensmittel übertragen werden können. Aus diesem Grund fordert Foodwatch, dass Lebensmittel von derartigen Verpackungen abgegrenzt werden müssen.

Auch in Haferflocken der Marke "Alnatura", in den beliebten "Kinder-Riegeln" von Ferrero sowie in Fioretto Nougat Minis von Lindt und Sun Rice Classic Schoko Happen wurden Spuren des Öls gefunden.

Irreführende Werbung

Auf dem Etikett locken Säfte und Bonbons mit Abbildungen von Früchten und dem Versprechen, gesunde Vitamine zu enthalten. So ausgewogen wie angepriesen seien viele Lebensmittel aber nicht, monieren die Verbraucherschützer.

Für winzige Cent-Beträge werden vielen Produkten künstlich Vitamine zugesetzt, um ihnen einen gesunden Anstrich zu verpassen, erklärte Foodwatch-Expertin Michaela Kruse.

Neben den künstlich zugesetzten Vitaminen enthalten laut einer Untersuchung von Foodwatch nämlich 190 von 214 Produkten auch zu viel Zucker, zu viel Salz oder zu viel Fett. Dies sei etwa bei Fruchtgummis, Energydrinks oder Milchgetränken der Fall. Maßstab waren den Angaben zufolge Kriterien für eine ausgewogene Ernährung, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Anfang 2015 vorgestellt hatte.

Foodwatch fordert eine gesetzliche Regelung, nach der Produkte nur noch mit Gesundheitsaussagen beworben werden dürfen, wenn sie diese auch halten. Dabei solle auch der Anteil von Fett, Zucker, Salz sowie der Kaloriengehalt berücksichtigt werden.

Unkrautvernichter im Bier

Für viele im Land eine Horror-Nachricht: Bier, das liebste Getränk der Deutschen, ist mit dem Unkrautvernichter Glyphosat belastet. Das wurde bei einem Test des Münchner Umweltinstituts nachgewiesen.

Das umstrittene Pflanzengift steht im Verdacht, krebserregend zu sein. "Den Verbraucherinnen und Verbrauchern werden Pestizidrückstände bei Hopfen und Malz untergejubelt, und von den verschiedenen technischen Hilfsstoffen während des Produktionsprozesses erfahren sie nichts", so Lena Blanken, Expertin für Lebensmittelkennzeichnung bei Foodwatch.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit sowie das Bundesinstitut für Risikobewertung sehen allerdings keine Gefahr für den Verbraucher: "Um gesundheitlich bedenkliche Mengen von Glyphosat aufzunehmen, müsste ein Erwachsener an einem Tag rund 1.000 Liter Bier trinken."

Lebensmittel von kranken Tieren

Milch, Eier, Fleisch, Käse - diese Lebensmittel kaufen viele Menschen täglich. Verbraucher müssen laut einer wissenschaftlichen Untersuchung von Foodwatch allerdings davon ausgehen, dass mindestens 25 Prozent aller Produkte mit tierischen Zutaten von kranken Nutztieren stammt. Für den Verbraucher ist es im Supermarkt unmöglich zu erkennen, ob Milch und Co. von einem gesunden oder kranken Tier stammen.

Gemeint sind damit beispielsweise Euterentzündungen bei Milchkühen oder Knochenbrüche bei Legehennen. Einen signifikanten Unterschied zwischen konventioneller und Bio-Haltung oder kleinen Höfen und Großbetrieben gibt es laut Foodwatch nicht. Entscheidend ist die Qualität des Betriebsmanagements.

Die meisten Erkrankungen könnten dabei durch bessere Haltungsbedingungen leicht vermieden werden, so Matthias Wolfschmidt, stellvertretender Foodwatch-Geschäftsführer. Aus Kostengründen passiere das aber nicht.

Foodwatch fordert, Nutztiere besser zu schützen, unter anderem mit einem EU-weiten Konzept das es verbietet, nicht tiergerecht erzeugte Lebensmittel zu verkaufen.