Skandale, Aufreger und so mancher Shitstorm fegten in diesem Jahr durch das Internet und wirbelten allerhand Staub auf. Auf der Zielgeraden drehen wir uns noch einmal um und blicken zurück auf die vergangenen Monate.

Schön und gut: US-Präsident Donald Trump ist immer für eine verbale Entgleisung oder einen zweifelhaften Tweet zu haben. Aber nicht er war es, der das Blut der Nutzer zum Kochen brachte: Eine Jacke im Army-Style und ein Hochzeitskleid haben dem Meister der Aufreger tatsächlich Konkurrenz gemacht.

Peek & Cloppenburg pimpt Militär-Jacke

Bundeswehr und Mode: zwei Dinge, die auf den ersten Blick nicht so wirklich zusammengehen, möchte man meinen. Das Modehaus "Peek & Cloppenburg" riskierte allerdings einen zweiten Blick und dachte sich: "Hey, wieso nicht?"

Ein Regenbogen und bunte Applikationen sollten dem Military-Look das gewisse Etwas verleihen. Doch anstatt einer Welle der Begeisterung brach vor allem Empörung über das Modehaus herein:

"Ist das euer Ernst? Wie respektlos seid ihr denn eigentlich uns Soldaten gegenüber?", ereiferte sich Facebook-Nutzer Paddy Crowe.

Tausende Kommentare sammelten sich unter dem Bild, über 800 Mal wurde es geteilt.

Hauptkritikpunkt der meisten Nutzer: Der neue Look sei geschmacklos und unsensibel. Andere wiederum konnten den Preis nicht fassen: Stolze 129 Euro sollte das gute Stück kosten.

Am Ende knickte "Peek & Cloppenburg" ein, entschuldigte sich und kündigte an, die Jacke aus dem Sortiment zu nehmen.

Salon kassiert massive Hetze wegen Friseur aus Syrien

Eigentlich geht man als Frau doch gerne zum Friseur - oder? Ein bisschen plaudern, eine Kopfmassage und ein Haarschnitt. Was will man mehr? Soweit sind die Kundinnen eines Salons in Zwickau aber gar nicht erst gekommen.

Der Inhaber vertröstete seine weiblichen Kunden, weil sein neuer Angestellter aus Syrien nur Herren bedienen könne.

Mit einem Schild klärt der Friseur seine Kundschaft auf:

"Sehr geehrte Kundschaft, aus personalbedingten Gründen bedienen wir vom 10. Juli - 15. Juli 2017 ab 16 Uhr keine Damenkunden. In diesem Zeitraum haben wir einen syrischen Herrenfriseur im Salon, der ausschließlich nur Herren bedient. Vielen Dank für Ihr Verständnis."

Statt des erhofften Verständnisses hagelte es für den Salon ordentlich Kritik: "Ich würde eh nicht zu einem syrischen oder wie auch immer muslimischen Friseur gehen, schon allein aus Bedenken, meinen Kopf zu verlieren", kommentierte eine Frau.

Kurze Zeit später reagierte der Friseursalon mit einem Statement, wonach die ganze Aufregung einer Fehlinterpretation geschuldet sei:

"Bei dem Mitarbeiter in besagtem Salon handelt es sich um einen Herrenfriseur aus Syrien. Das heißt, dass er in seiner Heimat ausschließlich zum Herrenfriseur ausgebildet worden ist. Das macht er perfekt. Aber er hat keine beruflich-fachliche Qualifikation, einen Damen-Haarschnitt auszuführen. Folglich bedient er ausschließlich aus diesem Grund nur Herren."

Burkas oder Bussitze?

Aber nicht nur beim Thema Syrien ist das Thema Hetze omnipräsent. Der nächste Aufreger kommt aus Norwegen.

Hier stellt sich nicht die Frage "Mann oder Maus?" sondern "Burkas oder Bussitze?". Um Sitzgelegenheiten für Frauen zu halten, braucht es schon sehr viel Fantasie. Die hatten offenbar die Mitglieder einer rechten Facebook-Gruppe in Norwegen.

Nachdem Johann Slattavik dieses Bild als geschmacklosen Scherz gepostet hatte, dauerte es nicht lang und Tausende Mitglieder der Gruppe kochten über vor Wut. Da war von "Islamisierung des Landes" und "tragischen Zuständen" die Rede.

Ein anderer User ging sogar so weit zu schreiben: "Schmeißt sie raus aus unserem Land, die sehen doch aus wie zusammengefaltete Regenschirme!"

Wer Sitzgelegenheiten in öffentlichen Verkehrsmitteln für Frauen hält, muss entweder einen ordentlichen Knick in der Optik haben - oder schlicht und einfach blind sein.

800.000 Euro für ein Brautkleid

Nachdem schon eine Jacke Stein des Anstoßes war, rückte auch ein ganz spezielles Brautkleid in den Fokus der (Internet)-Öffentlichkeit:

46 Kilogramm Stoff mit 500.000 Kristallen kosteten schlappe 800.000 Euro, was nicht nur Jubelstürme bei den Usern hervorrief, sondern einen regelrechten Shitstorm für die Braut, Victoria Swarovski, auslöste.

"Schäm dich für den Preis des Kleides! Es gibt Menschen, die haben nicht mal Essen und du hast den Bezug zur Realität anscheinend völlig verloren", schrieb eine Userin zum Swarovski-Kleid.

Dass die Sonderanfertigung des Designers Michael Cinco auf diese Art und Weise einschlagen würde, damit hätte die Unternehmerin wohl nicht gerechnet.

Zara-Werbung: Mit Magermodels zu mehr Kurven

Nach bunten Jacken und überteuerten Brautkleidern geht es stürmisch weiter in der Modewelt. Der Klamottenhersteller "Zara" hat sich mit einer Werbe-Aktion nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

Die Grundidee der Kampagne war eigentlich sehr schön: Frauen sollen zu ihrem Körper stehen dürfen, ganz nach dem Motto "Liebe deine Kurven".

Blöd nur, wenn eine Größe 34 für so etwas Modell steht. Denn wie soll man Kurven lieben, die überhaupt nicht da sind? Diese Frage stellte sich auch der ein oder andere User. Dabei kamen sehr unterschiedliche Antworten heraus:

Die einen fühlten sich schlichtweg diskriminiert, die anderen machten sich Sorgen, was ein solches Frauenbild in den Köpfen der Kinder anrichten könnte.

Primark bietet BH für Kinder an

Apropos Kinder und deren Frauenbild: Ein Textildiscounter brachte 2017 ein nicht gerade kindergerechtes Produkt auf den Markt - für Kinder.

Brauchen siebenjährige Mädchen einen BH? Absolut, dachte sich wohl Primark und brachte prompt die Produktlinie "My first bra" (zu Deutsch: "Mein erster BH") heraus. Zielgruppe: Mädchen im Grundschulalter.

Als das Unternehmen für seinen neuesten "Clou" an den virtuellen Pranger gestellt wurde, versuchte Primark zu retten, was noch zu retten war:

"Die BHs sind ausschließlich formgebend, nicht jedoch gepolstert. Die 'My first bra'-Produktreihe hat eine stützende Funktion und dient dem Tragekomfort.“

Wie allerdings etwas gestützt werden soll, was bei einem siebenjährigen Mädchen unmöglich schon da sein kann, bleibt wohl auf ewig das Geheimnis von Primark.

Ob BHs für kleine Mädchen, Frauen, die angeblich aussehen wie Sitzmöbel oder schlicht und einfach überteuerte Klamotten - das Jahr 2017 hatte schon einiges an Zündstoff zu bieten. Bleibt abzuwarten, welche Geschichten und Skandale die digitale Welt 2018 so schreibt.

(kms)© spot on news

Teaserbild: © twitter.com/MuireannO_C/