Sintflutartige Regenfälle und Sturmfluten in Deutschland, Waldbrände auf der iberischen Halbinsel, Hurrikane im Atlantik. Extreme Wetterereignisse haben in diesem Jahr weltweit für viel Zerstörung und Chaos gesorgt. 2017 dürfte als zweitwärmstes Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen in die Geschichte eingehen.

Ein erster Blick auf die Zahlen scheint den Schluss zuzulassen, dass das Klima in diesem Jahr in Deutschland eigentlich normal gewesen ist.

"Sieht man sich die Mittelwerte an, so war 2017 eher unauffällig. Es war weder besonders warm, noch in Summe besonders niederschlagsreich", erklärt Meteorologe Florian Imbery vom Deutschen Wetterdienst.

Wie bereits in den Vorjahren gab es aber auch in 2017 deutschlandweit viele extreme Wetterereignisse. Sturmfluten, Starkniederschläge, Blitzeinschläge, Glätte, Nebel, Hagel und Tornados haben direkt oder indirekt einige Menschenleben gefordert und viele Schäden angerichtet.

"Bestimmte Ereignisse, wie die verheerenden Spätfröste im April, die Unwetter im Juni und Juli mit Überflutungen und Schlammlawinen oder im Oktober die Orkane "Xavier" und "Herwart", die in weiten Teilen Deutschlands den Schienenverkehr lahmgelegt haben, werden noch lange in Erinnerung bleiben", schreibt der Deutsche Wetterdienst auf seiner Internetseite.

Aber nicht nur in Deutschland gab es extreme Wettersituationen.

2017 war ein sehr warmes Jahr

"Die Messungen von Januar bis Oktober haben ergeben, dass in diesem Jahr die Temperatur 0,86 Grad höher lag, als die Durchschnittstemperatur im 20. Jahrhundert", so Imbery.

Bei globaler Betrachtung erwarten die Klimaexperten, dass das Jahr 2017 als eines der drei wärmsten Jahre seit Mitte des 19. Jahrhunderts in die Aufzeichnungen eingehen wird.

2016 gilt dabei immer noch als das bisher wärmste Jahr und das wird wohl auch erstmal so bleiben. 2017 könnte auf Platz zwei oder drei landen.

Die World Meteorological Organization (WMO) hat Anfang November zur UN-Klimakonferenz in Bonn ein vorläufiges Statement zum "State of the Global Climate" herausgebracht.

Sie spricht davon, dass 2017 ein global gesehen sehr warmes Jahr mit vielen intensiven Extremereignissen war.

Heftige Hurrikansaison über dem Atlantik

"So viele intensive Hurrikane der Kategorie 5 in so kurzer Zeit nacheinander wie in diesem Jahr - das gab es seit den Aufzeichnungen noch nicht", erklärt Wetterexperte Florian Imbery.

Harvey, Irma, Jose und Maria haben vor allem in der Karibik erhebliche Schäden angerichtet, Menschen getötet, Inseln verwüstet und Flutwellen heraufbeschworen. Die Hurrikan-Aktivität lag deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen Jahre.

Gezählt wurden 15 tropische Stürme, zehn Hurrikane und sechs schwere Hurrikane. Auch in Irland hat der vorher als Hurrikan eingestufte Orkan "Ophelia" im Oktober drei Menschen das Leben gekostet. "Noch nie gab es einen Hurrikan, der sich so weit im Norden entwickelt hat. Das waren 1.000 Kilometer weiter nordöstlich als der bisher nördlichste Hurrikan seit es Satellitenbeobachtung gibt", so Imbery.

Viele weitere extreme Wetterereignisse

Aber nicht nur Hurrikane in der Karibik waren es, die die Welt in diesem Jahr in Atem gehalten haben. Es gab weitere heftige tropische Wirbelstürme zum Beispiel in Japan und Indien.

Erst Anfang Dezember fegte Zyklon "Ockhi" über Südindien hinweg. In Griechenland, Portugal und an der US-Westküste in den Bundesstaaten Kalifornien, Oregon und Washington haben Hitze und Trockenheit in diesem Jahr wieder zu teils heftigen Waldbränden geführt.

In San Francisco wurde ein Hitzerekord von 41 Grad gemessen. Auch Ostafrika - insbesondere Kenia und Tansania - litten unter ausgesprochener Trockenheit. Viel Ernte ging den Bauern dabei kaputt. Und das ist noch lange nicht das Ende der Aufzählungen.

Auch wenn es ein wenig absurd klingt, so hat in diesem Jahr sogar Grönland unter Hitze gelitten. "Im frühen Frühjahr war es in Grönland teilweise wärmer als in Hamburg. Die Arktis hat hohe Abschmelzraten zu beklagen, eine extrem geringe Eisausdehnung und die Neu-Eisbildung war in diesem Jahr sehr schwach", erklärt Imbery.

Gigantischer Eisberg treibt aufs Meer

Am 12. Juli 2017 brach ein riesiger Eisberg vom antarktischen Larsen-C-Schelf ab. Der Eisberg mit dem Namen A-68 ist etwa 5.800 Quadratkilometer groß. Das ist mehr als die doppelte Fläche des Saarlandes.

Nach dem Abbruch des Stücks, das rund 12 Prozent der gesamten Fläche von Larsen C ausmachte, ist das Schelf instabil und droht, sich aufzulösen. "Es ist schwer zu sagen, ob das an der Wärme in diesem Jahr lag. Es war schon länger absehbar, dass das Stück abbrechen wird", erklärt der Klimaexperte.

Auch wenn der Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und extremen Wetterphänomenen statistisch noch nicht einwandfrei bewiesen ist, gehen Forscher dennoch davon aus, dass er besteht.

"Die Attributionsforschung beschäftigt sich seit einigen Jahren damit, Methoden zu entwickeln, um einzelne Ereignisse dem Klimawandel zuzuordnen. Dafür werden verschiedene Klimamodellläufe verglichen und es gibt Simulationen eines globalen Klimas mit und ohne Klimawandel."

Ein Phänomen, das weltweit sehr stark beobachtet wird, ist die Wärme an der Wasseroberfläche der Ozeane.

"Wenn das so bleibt, ist zu befürchten, dass das Auswirkungen auf die atmosphärische Zirkulation hat. Die zusätzliche Energie kann sich in Extremwetterereignissen entladen", so Imbery.

Dass es auch in Zukunft immer mehr extreme Wettersituationen geben wird, davon gehen Experten mittlerweile aus.

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